Er liebt die Natur und ist oft unterwegs
04.05.2026 Persönlich«Ich habe meine Pensionierung vorbereitet», lacht ein vielbeschäftigter und unternehmungsfreudiger Josef Obrist. Während vieler Jahre traf man ihn beim Musizieren oder auf den Skiern irgendwo im Gebirge. Familie und Kollegen bedeuten ihm sehr viel.
Hans Zemp
...«Ich habe meine Pensionierung vorbereitet», lacht ein vielbeschäftigter und unternehmungsfreudiger Josef Obrist. Während vieler Jahre traf man ihn beim Musizieren oder auf den Skiern irgendwo im Gebirge. Familie und Kollegen bedeuten ihm sehr viel.
Hans Zemp
Wenn man den Zuzger Rentner Josef (Kollegen nennen ihn Seppi) Obrist fragt, ob ihm nie langweilig sei, lacht er und sagt: «Nein, ich habe viele Hobbys.» Er wisse darum immer, was zu machen sei. Seit Ende Januar 2024 steht er in dem Lebensabschnitt, in dem man sich sehr viel selber einteilen kann. Er hätte sich auf diese Zeit vorbereitet und wisse immer, etwas anzufangen oder manchmal auch das zu tun, was sein müsse. Wenn man Handwerker ist und auf dem Land wohnt, bestehen immer Möglichkeiten, sich nützlich zu machen oder sich zu beschäftigen.
Seppi Obrist wuchs in Wallbach auf, besuchte die Schulen, lernte Schreiner und arbeitete bald nach der Ausbildung bis zur Pensionierung während 44 Jahren in der gleichen Firma auf seinem Beruf. Er wohnte bis 2018 in Wallbach und wusste während all der Jahre zu schätzen, dass für ihn wohnen und Brot verdienen am gleichen Ort möglich war. Anno 2018 konnte er zusammen mit seiner Gattin Patricia das Elternhaus seiner Schwiegereltern übernehmen. Nach umfangreichen Umbauarbeiten, alles kurz vor seiner Pensionierung, zügelte er mit seiner Familie nach Zuzgen. «Wir fühlen uns mit Zuzgen sehr verbunden, weil es halt doch der ehemalige Wohnort von Patricia ist. So fiel mir der Entscheid nicht schwer.»
Seppi – der Wanderer
Seppi Obrist ist sehr gerne draussen in der Natur. Diese bedeutet ihm seit seiner Kindheit viel. Draussen etwas zu machen wurde und blieb sein Lebensinhalt. Ein- oder mehrtägige Wanderungen, gerne in den Bergen («das sowieso»), aber auch im Fricktal, bereiten ihm Freude. Vom 1. bis 27. Juni 2025 realisierte er sein eigentliches Wunschprojekt. Von der Alp Gaflei (Fürstentum Lichtenstein) führte ihn der Weg nach Montreux. Via Alpina nennt sich diese Route. Auf einer Distanz von 390 Kilometern bewältigte er 25 000 Meter Steigung und etwa gleichviel Gefälle, also total rund 50 000 Höhenmeter. Sein Tagespensum habe er in Tagesetappen von rund sieben Stunden Marschzeit eingeteilt. Die Sonntage waren immer Ruhetage, und Mammut-Etappen habe er auch keine machen wollen, sagt er dazu. Die Leistung und schöne Erlebnisse haben ihm Freude bereitet, ihn bereichert, und an schöne Begegnungen denkt Seppi Obrist gerne zurück. Das Wandern ist nach wie vor eines seiner Hobbys.
Seppi – der Skikiller
Als Kind lernte Seppi Obrist mit seinen Brüdern und seiner Gotte das Skifahren. Auf der Schönegg trug man die ersten Skirennen aus. Damit das möglich war, war jeweils am Samstag die Rennstrecke «zu trampen». Am Sonntag wurden dann die Schnellsten evaluiert. Dieses Skifahren blieb Seppi Obrist. Ab 1985 kam schliesslich grösseres Fieber für Skirennen auf, so auch das für das Inferno-Rennen in Mürren. 36 Mal hat Seppi Obrist daran teilgenommen. Dabei haben etliche gute Rangierungen resultiert.
Einen besonders hohen Stellenwert hat für Seppi Obrist in diesem Bereich die Gruppe. Seit 1992 besteht die Formation «Skikiller». Heute sind sieben Leute, darunter eine Frau, dabei. Man nennt sich «Skikiller Fricktal». Für den Fricktaler Skifan gehören aber auch die Hexenabfahrt auf der Belalp und das Allalin-Rennen in die Agenda. «Solange meine Gesundheit noch mitmacht, mache ich dies neben Plausch-Skifahren noch weiter», lacht Seppi Obrist. Nebenbei setzt sich der fitte Rentner aber auch gelegentlich auf sein Zweirad.
Schreiner bleibt Schreiner. Mit seinem noch kleinen Enkel verweilt er sich (schon jetzt) gerne handwerklich. Auch seine Kollegen dürfen bei Bedarf auf sein Können zählen. «Es ist natürlich wunderbar, wenn man sich an seine echt gute Zeit im Beruf zurückerinnern und sich mit dem Wissen und Können nützlich machen kann.»
Seppi und die Musik
Während 27 Jahren spielte Seppi Obrist anfänglich Trompete, anschliessend Es-Althorn sehr erfolgreich. Man traf ihn in Wallbach, Zuzgen und bei der Brass-Band Mumpf-Fricktal beim Musizieren. Dies war eine schöne, intensive Zeit, die ihre Höhepunkte mit dem Schweizermeistertitel der Brass-Band Mumpf-Fricktal und der Teilnahme am Europäischen Brass-Band-Wettbewerb in der Royal Albert Hall in London fand. Persönlich war er selber einmal Schweizermeister mit seinem Es-Horn. Gesundheitliche Gründe zwangen ihn aber, dieses Hobby zu stoppen.
Seppi – der Grossvater
«Da bin ich mich noch am Einleben», lacht er. Seine Tochter schätzt seine begnadete Art und bringt ihren Sohn gerne zum Hüten. Bald wird seine jüngere Tochter ihrer Schwester nacheifern. Da freut sich der Grossvater. «Die Situation ist entspannter als damals mit den eigenen Kindern, weil die Verantwortung nicht gleich gelagert ist», lacht er. Es sei aber schön, den Kleinen bei sich zu haben.
Sehr gerne ist der aktive Rentner mit Leuten, vor allem mit Kollegen zusammen. Er lacht und denkt dabei an die Skikiller. Ganz hoch im Kurs steht bei ihm die Familie. Das Vereinsleben nimmt nicht mehr den gleichen Stellenwert ein. Das Zusammensein mit Freunden im engeren Kreis aber schon. «Heute muss ich nicht mehr, ich kann Sachen machen.»
Seppi Obrist hofft auf Gesundheit in der Zukunft, damit er seine Aktivitäten noch etwas geniessen kann. «Dann ist das Pensionsalter schön.» Seine Zeit mit der Familie ist ihm sehr wertvoll. Diese Zeit zu geniessen ist für ihn etwas Bereicherndes. Er meint: «Das, was einem das Leben hergibt, mit dem muss man umgehen können.» Das «bewusste Leben» hat einen wirklich sehr hohen Stellenwert. Das sagt er, noch bevor er nach dem Mittagessen mit seinem Sohn im Wald Holz rüsten geht.

