Er erlebte drei Oberbürgermeister im Amt
26.01.2026 PersönlichPaul Renz erhielt nach 60 Jahren Ehrenamt das Bundesverdienstkreuz
Seit 1972 macht Paul Renz Politik in Badisch Rheinfelden. 53 Jahre war der CDU-Mann Gemeinderat in der Stadt – länger als jeder andere. Das Bundesverdienstkreuz, die höchste zivile Auszeichnung in ...
Paul Renz erhielt nach 60 Jahren Ehrenamt das Bundesverdienstkreuz
Seit 1972 macht Paul Renz Politik in Badisch Rheinfelden. 53 Jahre war der CDU-Mann Gemeinderat in der Stadt – länger als jeder andere. Das Bundesverdienstkreuz, die höchste zivile Auszeichnung in Deutschland, krönt nun sein Leben voll ehrenamtlichen Engagements in Politik und Gesellschaft.
Boris Burkhardt
Wenn jemand den Rheinfeldern auf Schweizer Seite erklären kann, wie das System der Kommunalpolitik auf der deutschen Seite funktioniert, ist es Paul Renz. Der 78-Jährige war in seiner langen Karriere schon ziemlich alles, was man in der kommunalpolitischen Gremienarbeit werden kann. Er war Gemeinderat in seiner Heimatgemeinde Minseln und wurde dort Ortvorsteher, als Minseln 1972 zu Rheinfelden kam und eingemeindet wurde; er war Kreisrat im gleichnamigen politischen Gremium des Landkreises Lörrach und dort Vorsitzender der CDU-Fraktion sowie Mitglied des Districtsrats des Trinationalen Eurodistricts Basel (TEB). Von Amtes wegen war er Mitglied in den Verwaltungs- und Aufsichtsräten der Wohnbaugesellschaft und der Wirtschaftsförderung in Badisch Rheinfelden, der Kliniken des Landkreises Lörrach und der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden.
Höchste Auszeichnung für Zivilisten
Bekannt ist Paul Renz in der Politik beider Rheinfelden vor allem aber durch seine 53 Jahre lange Tätigkeit als Gemeinderat von Badisch Rheinfelden, wo er ebenfalls der CDU-Fraktion vorstand. Vor wenigen Monaten wurde sein politisches Lebenswerk mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt, der höchsten Auszeichnung, die ein Zivilist in Deutschland erhalten kann. Sie wurde ihm im September persönlich in Rheinfelden vom baden-württembergischen Innenminister Thomas Strobl überreicht, eine Ehre, die trotz derselben Partei, in der beide sind, nicht jedem Bundesverdienstkreuzträger zuteilwird.
«Dass der Innenminister persönlich gekommen ist, hat mich besonders gefreut», sagt Renz denn auch im Gespräch mit der NFZ: «Oft kommt ein Staatssekretär; oder auch nur der Landrat oder Bürgermeister überreichen das Verdienstkreuz.» Renz ist stolz auf seine Auszeichnungen: Im Gesellschaftsraum seines Wohnhauses im Badisch Rheinfelder Ortsteil Minseln auf dem Dinkelberg hängen die Auszeichnungen eine neben der anderen an der Wand über dem Klavier. Es sind viele Auszeichnungen für sechs Lebensjahrzehnte voller ehrenamtlichem Engagement in Politik und Gesellschaft.
Denn über die politischen Gremien hinaus war Renz auch Mitgründer des Dinkelbergmuseums in Minseln und 25 Jahre lang der Vorsitzende dessen Fördervereins, aktiver Musiker im Musikverein Minseln, Aufsichtsrat in der Caritas Hochrhein und in der Bürgerstiftung Rheinfelden sowie ehrenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht Freiburg. Für all das bekam er bereits 2012 die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg. Im März vergangenen Jahres verlieh ihm die Stadt Badisch Rheinfelden ausserdem als einem von wenigen Bürgern die Verdienstmedaille der Stadt in Gold.
Viele Grossprojekte mit geplant
Paul Renz wurde 1948 in Säckingen (damals noch ohne «Bad») geboren und wuchs auf dem Bauernhof seiner Eltern in Minseln auf. 1968 trat er der CDU bei. Im Herbst 1971 wurde er erstmals in den Gemeinderat der damals noch selbständigen Gemeinde Minseln gewählt: «In meiner ersten und letzten Sitzung in diesem Amt gab es nur ein Traktandum: die Eingemeindung nach Rheinfelden.» Mit dem 1. Januar 1972 wechselte Renz in den Gemeinderat der Stadt Rheinfelden und wirkte dort 53 Jahre lang, länger als je ein Gemeinderat zuvor. Er erlebte mit Herbert King, Eberhard Niethammer und Klaus Eberhardt drei Oberbürgermeister. «Badisch Rheinfelden feierte vor drei Jahren 100 Jahre seit der Stadtgründung. Ich war die Hälfte dieser Zeit dabei», lacht Renz. «Zu Beginn meiner Amtszeit waren die Grossprojekte, die wir planten, das Rathaus, das Freibad und die Kläranlage in Herten.» Seine Arbeit bei der Sparkasse, die letzten 17 Jahre als Filialdirektor in Rheinfelden, prägte sein Engagement vor allem für die Gewerbeentwicklung in der Stadt und für die Finanzpolitik: 25 Jahre lang hielt er die Haushaltsrede im Gemeinderat.
Private Beziehungen ins Schweizer Rheinfelden oder ins Fricktal hat Renz keine. Aber er erinnert sich noch gut an die Anfänge der Zusammenarbeit der beiden Schwesterstädte, wie er sagt, damals unter Stadtammann Richard Molinari: «Die gute, harmonische Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn ‹ääne am Rhy› ist mir sehr wichtig.» Als Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat nahm er regelmässig an den Behördentreffen beider Städte teil und fand stets den Einblick interessant, «wie dort geschafft wird». Er beneide Politik und Verwaltung in der Schwesterstadt um ihre finanzielle Ausstattung, sagt Renz lachend. Ausserdem ist Renz Mitglied in der Vereinigung «Fifty-Fifties», in der sich unverbindlich die Jahrgänge 1948 beider Rheinfelden und Umgebung treffen.
«Eine grosse Ehre»
Nun also das Bundesverdienstkreuz. «Diese Auszeichnung ist für mich eine grosse Ehre und eine wunderbare Anerkennung meines ehrenamtlichen Engagements», sagt Renz. Gerne öffnet er während des Interviews das handtellergrosse Etui und zeigt das Kreuz am Bande und die sogenannte Miniatur an einer Anstecknadel. Daneben legt er ein kleines Büchlein: «Hier wird genau beschrieben, wann welche Version wie zu tragen ist», sagt er und muss schmunzeln ob der strengen Etikette. So sei das Kreuz etwa eine Handbreit unterhalb der Schulter zu tragen, liest er vor. Das Original sei für besonders festliche Anlässe gedacht; die Miniatur habe er bisher etwa am Neujahrsempfang beider Rheinfelden getragen. Selbstverständlich gibt es für das Bundesverdienstkreuz auch eine Urkunde, unterschrieben vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Sie hat einen Ehrenplatz über dem Klavier erhalten.

