Eine unerwünschte Ewigkeit
24.04.2026 SteinDas Thema Bodenschutz rückt zunehmend in den Fokus
Die Gesamtkosten für den Aushub für die neue Kanti Stein betragen 4,5 Millionen Franken, davon entfallen 2,8 Millionen für die fachgerechte Entsorgung des mit synthetischen Chemikalien belasteten Erdreichs. Für ...
Das Thema Bodenschutz rückt zunehmend in den Fokus
Die Gesamtkosten für den Aushub für die neue Kanti Stein betragen 4,5 Millionen Franken, davon entfallen 2,8 Millionen für die fachgerechte Entsorgung des mit synthetischen Chemikalien belasteten Erdreichs. Für die Kosten kommt der Kanton Aargau als Bauherr der Mittelschule auf.
Susanne Hörth
Noch sind an jenem Ort, an dem im Sommer 2029 die neue Kanti Stein ihren Schulbetrieb aufnehmen wird, die Bagger am Werk. Bevor in die Höhe gebaut werden kann, muss der Baugrund vorbereitet werden. Wie bereits berichtet, ist ein Teil des Erdreichs mit PFAS belastet. Der betroffene Aushub wird zur fachgerechten Entsorgung nach Deutschland in eine Sonderabfallverbrennung transportiert. «Man hat eine Rasterbeprobung des Areals durchgeführt», erklärt Stéphanie Piller von der Kommunikation des kantonalen Departements Finanzen und Ressourcen auf die Frage, wie festgestellt wurde, dass nur ein Teil des Steiner Areals Neumatt betroffen ist. Alle zehn Meter sei eine Bodenprobe entnommen worden, was ein sehr klares Bild der Belastung ergeben habe. «In den Proben wurden komplexe PFAS-Verbindungen nachgewiesen.» so Piller. Woher die synthetischen Chemikalien stammen, lasse sich hingegen nicht eindeutig bestimmen. «Nach heutigen Erkenntnissen geht man davon aus, dass der Eintrag von Klärschlamm, Papierschlamm oder Löschschaum kommen könnte.» Die Kosten für den Gesamtaushub betragen 4,5 Millionen Franken. Hierzu ergänzt die Mediensprecherin: «In Abhängigkeit der effektiven Kubaturen fallen nach aktuellem Stand rund 2,8 Millionen Franken für die Entsorgung des belasteten Materials an.» Mehrfach wurde gegenüber der NFZ die Befürchtung geäussert, die Gemeinde Stein müsse für die Kosten der fachgerechten Entsorgung aufkommen. Dem widerspricht Piller: «Die Kosten für die Entsorgung des belasteten Materials trägt der Kanton als Bauherr.»
Schadstoffermittlung
Stein gehört neben Eiken, Münchwilen und Sisseln zu den Sisslerfeld-Gemeinden. Das Sisslerfeld gilt als Entwicklungsschwerpunkt von nationaler Bedeutung. Schub in die künftige Entwicklung bringt die geplante Ansiedlung der Pharmafirma Bachem bis Ende des Jahrzehnts. Aktuell entsteht dafür auf Eiker Boden die Erschliessungsstrasse, die sogenannte Südspange. Der Kanton engagiert sich seit Jahren aktiv für die weitere Ansiedlung von Industrie im Sisslerfeld. Auf die Frage, ob auch dort belastetes Erdmaterial festgestellt wurde, antwortet Piller sehr allgemein: «Die PFAS-Thematik wird künftig bei allen Bauvorhaben zu beachten sein und beschränkt sich nicht auf das Gebiet des Sisslerfelds.»
Diese Einschätzung bestätigt sich auf Nachfrage bei mehreren Fricktaler Bauverwaltungen. So sagt etwa Laufenburgs Bauverwalter Raffael Weiss: «Die Bedeutung des Bodenschutzes und insbesondere des Schutzes von ober- und unterirdischen Gewässern, etwa Trinkwasservorkommen, hat seit der Revision des Gewässerschutzgesetzes generell zugenommen.» Im Baubewilligungsverfahren gelten klare kantonale und eidgenössische Vorgaben, wann ein Entsorgungskonzept einzureichen ist.
Weiss betont zudem: «Eine Schadstoffermittlung muss immer dann durchgeführt werden, wenn ein Verdacht auf eine Verschmutzung vorliegt – sowohl bei Boden und Aushub als auch bei Rückbaumaterialien. Diese Untersuchungen dürfen nur durch entsprechend ausgebildete Fachpersonen erfolgen.» Bei Bauvorhaben auf einem belasteten Standort mit Eintrag im Kataster der belasteten Standorte müsse das gesamte Baugesuch zusätzlich der kantonalen Fachstelle zur Beurteilung vorgelegt werden.
So auch bei der Laufenburger Grossbaustelle des FlexBase-Technologiezentrums. Dort seien vorgängig umfassende Bodenuntersuchungen mit zahlreichen Sondierbohrungen und Laboranalysen durchgeführt worden. «Die Auswertung der PFAS-Analysen zeigte jedoch keine Gehalte über der Bestimmungsgrenze», sagt Weiss.

