Eine Feldlerche übernimmt
20.04.2026 PersönlichAnnäherung an den Präsidenten mit dem Fernglas
Daniel Matti ist der Mann, der vor dem Tag erwacht und den Natur- und Vogelschutz Möhlin in die Zukunft führt.
Ronny Wittenwiler
Als sich Markus Kasper einmal mehr auf Streifzug durchs Meler Feld begibt, es ist Ende 2014, entdeckt der damalige Co-Präsident vom Natur- und Vogelschutz Möhlin eine besondere Spezies: sie trägt Fernglas um den Hals und Neugierde im Geist, ausgestattet mit einem Rucksack voller Wissen. «So sind wir uns zum ersten Mal begegnet», sagt Daniel Matti und lacht. «Ein Jahr später war ich bereits im Vorstand.»
Der frühe Vogel fängt den Wurm
Nun führt Matti den Natur- und Vogelschutz Möhlin in die Zukunft. 100 Jahre alt wird der Verein, weit übers Fricktal hinaus ist dieser NVM unter Gleichgesinnten ein Begriff. Von Markus Kasper und Hansruedi Böni zehn Jahre im Co-Präsidium geführt, übernimmt mit Matti jemand mit derselben Leidenschaft. Einer, der gut und gerne mal um 4 Uhr aus den Federn hüpft und die weiten Felder um Möhlin erkundet. «Ich bin eine Feldlerche», sagt Matti in Anspielung auf seine Bettflucht und gefragt nach seinem Lieblingsvogel lässt der Ornithologe die Bombe platzen. «Eulen habe ich sehr gerne. Sie sind aber eigentlich genau das Gegenteil von mir.» Hier Matti, der Frühaufsteher; dort dieses geheimnisvoll mystische Tier, das sich lieber die Nacht um die Ohren schlägt. Was solls, Gegensätze ziehen sich an, und ohnehin hat Matti für vieles draussen in der Natur ein Auge, und wo es zirpt und singt, auch ein Gehör. Die Leidenschaft beginnt früh.
Was zum Kuckuck?
Jahrgang 1973, aufgewachsen in Rothrist, kommt er über seinen Primarlehrer mit der Ornithologie in Berührung. Eine Welt, die ihn nicht mehr loslässt; er beobachtet Vogelzüge; er sucht genauso die Nadel im Heuhaufen und spricht von diesem besonderen Moment, wenn er sie plötzlich vor die Linse bekommt; ein einzelner Kranich, ein Fischadler. Mit der Neugierde wächst die Expertise. Hält der Laie vielleicht den Spatz nicht gleich für einen Storch, so spricht Matti mal ganz nebenbei von der Grauammer. Was zum Kuckuck? Und dann natürlich: Schmetterlinge. Libellen. Heuschrecken. Und erst die Käfer! «Mit jedem Wissen, das hinzukommt, merkt man umso mehr, wie alles miteinander verknüpft und voneinander abhängig ist.» Das alles sei wahnsinnig interessant, sagt Matti, der irgendwann sein eigenes Nest bauen sollte.
«Es ist ein Geben und Nehmen»
Verheiratet, Vater mittlerweile von drei Kindern, ist Rheinfelden die erste Station im Fricktal, ehe er 2014 nach Möhlin zieht und es dann zur segensreichen Erstbegegnung mit Markus Kasper auf dem Meler Feld kommt. Als Nachfolge-Präsident für Kasper und Hansruedi Böni wird Daniel Matti vergangenen Februar gewählt, und die Arbeit, soviel steht fest, wird ihm nicht ausgehen. Er sagt schon mal Sätze wie diesen: «Was geschützte Flächen anbelangt, gehört die Schweiz prozentual gesehen zum Schlusslicht von Europa.» Der Natur- und Vogelschutz Möhlin ist mehr als bloss Betreiber der legendären Storchenstation. Die Förderung der Biodiversität, gerade auch im Meler Feld, ist kein Lippenbekenntnis. Doch Matti arbeitet nicht mit dem Zeigefinger. «Im Landwirtschaftsbereich ist so vieles möglich. Doch es muss ein Geben und ein Nehmen sein, denn auch Landwirte brauchen ein Einkommen.» Es wird seine Aufgabe sein, das präsidiale Erbe von Markus Kasper und Hansruedi Böni in die Zukunft zu führen. Der Natur- und Vogelschutz Möhlin, mit einhundert Jahren noch keine Sekunde zu alt, um sich für eine intakte Umwelt einzusetzen. Matti darf, so sagt er, auf einen Vorstand zählen, der mit Tatendrang am Werk ist. Was ihm noch fehle, sei das Netzwerk. «Ich will Kontakte knüpfen, wie sie meine Vorgänger hatten.» Und da wollen wir doch gerne mit einer Kontaktanzeige Vorschub leisten: Sollten Sie, liebe Leserinnen und Leser, mal früh aus den Federn kommen und oben auf dem Meler Feld eine für die heimische Biodiversität wertvolle Art entdecken, dann ist es womöglich eine richtige Feldlerche. Ausser, sie trägt Feldstecher um den Hals – dann ist es Daniel Matti.
Daniel Matti hat Biologie studiert und arbeitet in Sissach als Lehrer, Sekundarstufe I.
Einweihung Storchenwiese am 25. April
Ein Höhepunkt im Jubiläumsjahr ist für den Natur- und Vogelschutz Möhlin die mit der Gemeinde geplante und realisierte Storchenwiese, wo in unmittelbarer Nähe zur Storchenstation heimische Tier- und Pflanzenarten gefördert werden sollen (die NFZ berichtete). Am Samstag, 25. April, ab 11 Uhr, findet die offizielle Einweihungsfeier mit anschliessendem Apéro statt. Am Nachmittag (14-17 Uhr) feiert der NVM im Bata Clubhaus Möhlin sein Jubiläumsfest. Nebst Attraktionen für Jung und Alt werden Snacks und Getränke offeriert. Beide Veranstaltungen sind öffentlich. (mgt/rw)

