Eine der schönsten Kapellen im Fricktal
21.05.2026 SulzDie von Bernhard Stäublin gestiftete St.-Nikolaus-Kapelle in Sulz ist ein wahres Rokoko-Juwel
Ob prächtig und an exponierter Stelle stehend oder eher bescheiden in Ausmassen und Aussehen: Kapellen sind ein unverzichtbarer Teil der Kulturlandschaft, Zeugen einer ausgeprägten ...
Die von Bernhard Stäublin gestiftete St.-Nikolaus-Kapelle in Sulz ist ein wahres Rokoko-Juwel
Ob prächtig und an exponierter Stelle stehend oder eher bescheiden in Ausmassen und Aussehen: Kapellen sind ein unverzichtbarer Teil der Kulturlandschaft, Zeugen einer ausgeprägten Volksfrömmigkeit und wichtige Kulturdenkmale. fricktal.info stellt in loser Folge einige Kapellen des Fricktals vor. Dieses Mal: Die St.-Nikolaus-Kapelle in Sulz.
Michael Gottstein
In Sulz befinden sich gleich zwei bemerkenswerte Kirchlein: St. Nikolaus ist sicherlich eine der schönsten und repräsentativsten Kapellen des Fricktals, während die auf den ersten Blick bescheidene Kapelle St. Margaretha durch ihr hohes Alter und ihre nur zum Teil sichtbaren inneren Werte besticht.
Am Rande von Leidikon thront auf einer Anhöhe, gleichsam wie auf einem Podest und von der Strasse aus sofort erkennbar, die St.-Nikolaus-Kapelle. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um eine ehemalige Ortskirche gehandelt haben könnte, doch in Wahrheit war sie als Privatkapelle errichtet worden – und zwar nicht im Auftrag eines Adelshauses, sondern eines Müllers.
Wie viele der im Rokoko-Zeitalter entstandenen und somit recht jungen Kapellen macht sie kein grosses Geheimnis aus ihrer Herkunft. In einer gut erkennbaren Kartusche am Chorbogen ist nämlich ein Wasserrad, umgeben von den Initialen B und St, dargestellt, damit alle Besucher gleich wussten, dass sie dieses Kirchlein dem zu Wohlstand gekommenen ortsansässigen Müllermeister Bernhard Stäublin zu verdanken hatten.
Kleiner, aber prachtvoller Rokoko-Innenraum
Der Innenraum ist durch ein Gitter in einen kleinen Chorraum und ein Langhaus unterteilt, das trotz seiner kleinen Dimensionen durch das Deckengewölbe und die reiche Ausstattung mit Fresken und Stuck eine repräsentative Wirkung erzielt.
Und noch mehr, denn nach dem Willen der Künstler sollen die Eintretenden den Eindruck bekommen, als beträten sie einen Raum, der zwar noch von dieser Welt ist, sich aber schon dem Jenseits öffnet und einen Ausblick in das Paradies gewährt. Die Grenze zwischen dem Fresko – der himmlischen Sphäre – und dem das Irdische verkörpernden Deckengewölbe überspielen zierliche Stuckaturen, die grosse Ähnlichkeiten mit den Arbeiten Johann Michael Hennevogels in der St.-Johann-Kirche in Laufenburg aufweisen.
Das Fresko ist dank der Signatur leicht als Werk des Malers Franz Josef Trendlin zu identifizieren und zeigt das beliebte Thema der Gottesmutter, die, von Putten umgeben und auf einer Wolke thronend, in den Himmel aufsteigt – und damit jene Gnade erfuhr, die die Besucher und auch der Stifter für ihre Seelen erhofften.
Trendlin malte auch das im Laufenburger Gerichtssaal befindliche Portrait der Kaiserin Maria Theresia. Ob die Gesichtszüge der heiligen Maria nach dem Antlitz der irdischen Landesherrin geschaffen wurden, darüber darf man ebenso trefflich spekulieren wie über die frappierende Ähnlichkeit zwischen dem Gesicht der italienischen Ministerpräsidentin und dem eines Engels in einer römischen Barockkirche; hat hier ein beflissener Restaurator etwa «nachgeholfen»? Giorgia Meloni nahm es jedenfalls mit Humor und meinte: «Wie ein Engel sehe ich eigentlich nicht aus.»
Massgeschneiderte Ikonografie
Zurück zur Sulzer Kapelle: Im kleinen Chorraum befindet sich ein typischer Rokoko-Altar, in dessen Zentrum der heilige Nikolaus von Smyrna steht, umgeben von Nikolaus von Flüe und dem heiligen Bernhard von Clairvaux. Im Fresko des Chors wird dessen Kreuzesvision dargestellt, und auf dem Antependium erkennt man ein Porträt der heiligen Katharina. Warum die Wahl auf diese Heiligen fiel, ist leicht zu erklären: Der heilige Nikolaus war der Schutzpatron der Müller, der Name des Stifters lautete Bernhard, und Katharina war nicht nur eine der populärsten Heiligen, sondern auch die Namenspatronin der Ehefrau des Stifters. Und dank der Vielzahl an Heiligenlegenden dürfte es dem frommen und wohlhabenden Müller nicht schwergefallen sein, für seine Privatkapelle ein passendes ikonografisches Programm zusammenzustellen.
Herausfordernder war die Entschlüsselung des Bildprogramms in der St.-Margaretha-Kapelle im Ort Rheinsulz. Einerseits, weil die spätromanischen Fresken verblasst und daher nur schwer zu identifizieren sind, andererseits, weil man der dargestellten Szene nicht oft begegnet. Darüber wird fricktal.info in der nächsten Folge berichten.



