Eine bestrickende Idee
14.02.2026 FrickDas Pro-Senecute-Strick-Kaffi in Frick bringt Seniorinnen zusammen
Manchmal sind die einfachsten Ideen die besten. Michelle Gutsche aus Oeschgen stiess mit der Lancierung eines Strick-Kaffis für ältere Menschen bei der Pro Senectute auf offene Ohren. Zweimal im Monat findet es seit Anfang Jahr im Coop-Restaurant in Frick statt und erfreute sich auf Anhieb grosser Beliebtheit.
Sonja Fasler
Die Atmosphäre an diesem Dienstagnachmittag zum zweiten Treffen ist offen und herzlich. «Schon beim ersten Strick-Kaffi waren wir 14 Frauen», freut sich Michelle Gutsche, deren Erwartungen damit deutlich übertroffen wurden. Die Idee scheine einem echten Bedürfnis zu entsprechen. Weil die Treffen unter dem Patronat der Pro Senectute Aargau stattfinden, steht es Senioren ab 60 Jahren offen. Die Teilnehmerinnen der ersten Treffen sind zwischen 60 und 86 Jahre alt und kommen aus verschiedenen Gemeinden im oberen Fricktal. «Es ist schön zu sehen, wie die Frauen unkompliziert miteinander ins Gespräch kommen.» Einzelne hätten sich bereits gekannt und auf diese Weise nach Jahren wieder getroffen. Natürlich könne man auch im stillen Kämmerlein für sich stricken und häkeln, aber ab und zu in Gesellschaft mache es einfach mehr Spass, findet die Initiantin.
Die neue Masche: Stricken und Kontakte knüpfen
Kontakte knüpfen und geselliges Zusammensein, darum gehe es im Wesentlichen, sagt Michelle Gutsche. Die 51-Jährige ist seit zehn Jahren IV-Rentnerin und weiss wovon sie spricht. Aus gesundheitlichen Gründen ist sie grösstenteils ans Haus gebunden. Handarbeiten und Malen helfen der kreativen Frau, nicht in ein Loch zu fallen. Da sie eine ausgeprägte soziale Ader hat, strickt die gebürtige Baselbieterin regelmässig für drei Obdachlosengruppen in Basel. Allein letztes Jahr hat sie diese mit 250 Schals beliefert. Nebst Schals strickt sie auch Mützen oder Socken für die Bedürftigen. Hilfe vor Ort, das liege ihr sehr am Herzen, betont Michelle Gutsche, die stets dankbare Abnehmerin von Wolle- und Garn-Resten ist. Der Materialkauf gehe ganz schön ins Geld, und es gebe immer Leute, die ihre Wollreste nicht mehr gebrauchen würden.
«Passt genau ins Konzept der Pro Senectute»
Sie freut sich, dass sie mit dem Strick-Kaffi bei der Pro Senecute auf Anhieb auf offene Ohren stiess. Entstanden sei ihr Engagement, weil sie auf Facebook mehrfach die Nachfrage nach Strickgruppen in der Region entdeckte. Die Idee liess sie nicht mehr los. «Ich habe genügend Zeit, warum also nicht selber etwas auf die Beine stellen», habe sie sich gesagt.
«Das Strick-Kaffi passt genau in unser Angebot, und das Konzept ist denkbar einfach», sagt Eveline Dillinger, Stellenleiterin der Beratungsstelle Bezirk Laufenburg, die am zweiten Treffen teilnahm, weil sie sich jeweils gerne selbst ein Bild von neuen Angeboten macht. Das neue Angebot sei eine ideale Ergänzung zu bestehenden Geselligkeits-Gruppen und passe aktuell zur schweizweiten «mach-dich-mützlich-Kampag ne», an welcher die Pro Senectute beteiligt sei.
Mit dabei hatte Eveline Dillinger auch ihre eigene «Strickete». «Zum ersten Mal stricke ich Socken nach der Bumerang-Methode, eine etwas andere Form der Fersenpartie», verrät sie schmunzelnd, und schon sitzt sie inmitten der Frauen am langen Tisch und diskutiert eifrig mit, während die Nadeln klappern. Unter den aktuellen Projekten der Teilnehmerinnen sind Schals, Pullover, Socken, Kleidung für Enkelkinder und ein Körbchen.
Kein Strickkurs
«Das Strick-Kaffi in Frick ist nicht zu verwechseln mit einem Strickkurs», betont Michelle Gutsche. Und obwohl sie gerne und viel stricke und häkle, sei sie keine Expertin auf dem Gebiet. Doch die Frauen helfen sich gegenseitig bei ihren «Stricketen» oder Häkelarbeiten, wenn es nötig sei, und gäben sich Tipps und Anregungen. «Das Strick-Kaffi soll sich als Selbstläufer etablieren», doppelt Eveline Dillinger nach und betont dabei den Vorteil, dass es an einem öffentlichen Ort und nicht auf der Beratungsstelle stattfinde, was es umso niederschwelliger mache.
«Der ideale Ort»
Das Coop-Restaurant bot für das Strick-Kaffi spontan Hand. Das sei ein echter Glücksfall, findet Michelle Gutsche. «Der Ort ist zentral gelegen und gut zu erreichen sowohl mit dem Auto als auch mit dem ÖV, und auch für Gehbehinderte dank Lift barrierefrei.» Ab zwei Uhr sind die Mittagsgäste jeweils weg, und das Restaurant hat genügend Kapazität für die Strickrunde. Es werden eigens mehrere Tische zusammengeschoben, sodass die Frauen beisammensitzen können.
Jeden zweiten Dienstag von 14 bis 16 Uhr
Termine sind zunächst bis Mitte Mai geplant, anschliessend ist eine Sommerpause vorgesehen. Eine einfache Idee mit grosser Wirkung – gegen Vereinsamung und für mehr Gemeinschaft im Alter.
Das nächste Treffen findet am 24. Februar von 14 bis 16 Uhr statt. Neue Anmeldungen nimmt Michelle Gutsche jeweils bis am Sonntagabend unter Telefon 076 675 16 30 entgegen. Die Treffen sind kostenlos. Teilnehmende zahlen ihre Konsumation im Restaurant selbst.


