Ein Verein legt ab – und verabschiedet sich
04.06.2026 LaufenburgMit der Verteilung des Vermögens endete die Geschichte des Vereins für die Weiterführung der Rheinschifffahrt (VWR).
Unter anderem sollen 2000 Franken an den Stadtrat Laufenburg gehen mit der Bitte, Abklärungen zu tätigen, wie wieder ein einfaches Rundfahrboot auf dem Rhein zwischen ...
Mit der Verteilung des Vermögens endete die Geschichte des Vereins für die Weiterführung der Rheinschifffahrt (VWR).
Unter anderem sollen 2000 Franken an den Stadtrat Laufenburg gehen mit der Bitte, Abklärungen zu tätigen, wie wieder ein einfaches Rundfahrboot auf dem Rhein zwischen den beiden Schwesterstädten betrieben werden könnte.
Susanne Hörth
Eine kleine Gruppe von Männern traf sich vor wenigen Tagen in der Zunftstube der Narro-Alt-Fischerzunft in der Laufenburger Altstadt zur 35. und zugleich letzten Versammlung des Vereins für die Weiterführung der Rheinschifffahrt (VWR). Die Auf lösung des Vereins unter der langjährigen Leitung des Laufenburgers René Leuenberger sen. war bereits im vergangenen Jahr beschlossen worden; nun ging es darum, das Vereinsvermögen sinnvoll und nachhaltig zu verteilen.
Mit dem Aus des Vereins endet auch ein jahrzehntelanges Engagement für den Warentransport auf dem Rhein und damit für die Entlastung der Strassen vom Lastwagenverkehr. Anstatt die Güter im Rheinhafen Basel auf Lastwagen oder Bahn umzuladen, sollten Transportschiffe mit bis zu 2500 Tonnen Ladung weiter rheinaufwärts fahren können. Für dieses Ziel – einschliesslich der Vision eines Hafens in Rekingen – setzten sich die Vereinsmitglieder aus den rheinanstossenden Kantonen ein. Ihre Anliegen brachten sie mehrfach, stets unterstützt von Politikern, bis nach Bundesbern.
«100 Lastwagenladungen passen in ein Transportschiff», betonte René Leuenberger sen. gegenüber der NFZ und unterstrich damit erneut, warum der Wasserweg für ihn eine überzeugende Lösung geblieben wäre. «Unsere letzte Option war die Entwicklung im Sisslerfeld.
Doch von dort wurde kein Interesse signalisiert», so Leuenberger Senior. Angesichts sinkender Mitgliederzahlen und zunehmender Überalterung sei die Auflösung des Vereins für ihn eine logische Konsequenz.
Seit 1989 aktiv
Pläne für Wasserstrassen existierten bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Damals setzte sich der Nordostschweizerische Verband Schifffahrt Rhein–Bodensee dafür ein – aus ihm ging später der VWR hervor. Seit 1989 führte der Verein Gespräche und Schriftverkehr mit dem Bundesrat, dem Bundesamt für Wasserwirtschaft, Ständeräten, Regierungsräten, weiteren Politikern, der Industrie- und Handelskammer Hochrhein–Bodensee, mit Nachbarländern, Institutionen, interessierten Kreisen sowie Partnerverbänden. Er erhob Einsprachen und verhandelte bei geplanten Brückenund Kraftwerksneubauten sowie bei Konzessionsverlängerungen.
Im Laufe der Jahrzehnte entstand ein umfangreiches Archiv aus Dokumentationen, Karten, Publikationen und vielem mehr. Vereinspräsident Leuenberger sen. zeigte an der letzten Versammlung Fotos dieses beinahe raumfüllenden Archivbergs. Die Mitglieder waren sich rasch einig, dass die Geschichte des Vereins für die Nachwelt erhalten bleiben soll. Der Fricktaler Historiker Linus Hüsser hat das Material bereits gesichtet. Wie Vereinsmitglied Hannes Burger erklärte, ist Hüsser bereit, für ein Honorar von 1000 Franken eine zehnseitige Dokumentation zu verfassen. Dieser Betrag wurde einstimmig aus dem Vereinsvermögen von 19 000 Franken bewilligt. Ebenfalls gutgeheissen wurde ein Beitrag von je 500 Franken für die Nachwuchsförderung der 13 Pontonier- und Wasserfahrvereine zwischen Zurzach und Basel.
Unterstützung für ein neues Rundfahrboot
Laufenburg ist ein touristisches Bijou. Seit das Fahrgastschiff «MS Laufenburg» nicht mehr verkehrt, fehlt ein entsprechendes Angebot. Der Stadtrat Laufenburg wird daher gebeten, zwei bis drei Varianten zu prüfen, wie wieder ein einfaches Rundfahrboot auf dem Rhein zwischen den beiden Schwesterstädten betrieben werden könnte. Als eine der letzten Beschlussfassungen sprachen sich die Vereinsmitglieder dafür aus, dem Stadtrat für die Abklärungen 2000 Franken zu überweisen. Das verbleibende Vereinsvermögen wird zu gleichen Teilen dem Museum Schiff Laufenburg und dem Schifffahrtsmuseum Basel übertragen.
Mit der Schliessung der allerletzten Versammlung ist der VWR nun Geschichte. Er hinterlässt mehr als Akten und Erinnerungen. Er hinterlässt Impulse.

