Ein Park erfindet sich neu
25.09.2026 FokusAuf dem ehemaligen Firmengelände der Novartis in Stein ist vieles in Bewegung. Neu wird das Areal von der Firma GETEC betrieben und vermarktet. Neue Firmen sollen angesiedelt werden. Ein Interview mit Stephan Buser, Leiter Getec Park Stein AG.
Fabrice Müller
NFZ: ...
Auf dem ehemaligen Firmengelände der Novartis in Stein ist vieles in Bewegung. Neu wird das Areal von der Firma GETEC betrieben und vermarktet. Neue Firmen sollen angesiedelt werden. Ein Interview mit Stephan Buser, Leiter Getec Park Stein AG.
Fabrice Müller
NFZ: Herr Buser, per ersten Januar 2024 hat die Novartis alle Immobilien, Infrastrukturanlagen und Dienstleistungen in Stein AG an den Industrieparkbetreiber Getec übergeben, um ungenutzte Kapazitäten optimal zu entwickeln. Wie kam es dazu?
Stephan Buser: Novartis hatte schon zuvor angekündigt, den Industriepark in Stein zu öffnen, da das Unternehmen selbst die Flächen nicht mehr vollständig auslasten konnte und sich in der Folge Leerstände abzeichneten. So hat Lonza bereits unter Novartis ein erstes Produktionsgebäude übernommen und weitere Ausbauschritte angekündigt. Novartis sah sich langfristig nicht als Industrieparkbetreiber und wollte sich auf ihr Kerngeschäft, die Produktion von Medikamenten, konzentrieren und keine Infrastruktur für Dritte betreiben bzw. unterhalten. Diese Strategie wurde bereits vor Jahren in Muttenz und Schweizerhalle umgesetzt.
Was bedeutet dies konkret für den Standort Stein?
Der Getec Park in Stein hat sich geöffnet für neue Unternehmen. Dadurch schaffen wir eine breitere wirtschaftliche Basis und stellen die Weichen, um den hochwertigen Standort erfolgreich und nachhaltig weiterzuentwickeln. Das ist langfristig lebensnotwendig für den Standort. Mit der Lonza konnten wir einen wichtigen Partner gewinnen, der stark auf den Standort setzt und mit grossen Neubauprojekten viel zu einem erfolgreichen Betrieb des Industrieparks beiträgt.
Was sind die Aufgaben von Getec in Stein?
Wir sind Eigentümer des Areals und – abgesehen von den Gebäuden der Lonza, die im Baurecht erstellt worden sind – auch Eigentümer aller Gebäude. Als Eigentümer des Areals schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass neue Firmen sich am Standort ansiedeln und damit eine neue Nutzung für die leergewordenen Flächen entsteht. Wir vermieten die Gebäudehülle und stellen Infrastruktur zur Verfügung; für den produktionsspezifischen Innenausbau sind die Mieter selbst zuständig. Der Getec Park in Stein ist vergleichbar mit einem Innovationspark: Wir setzten bewusst auf eine ausgewogene Mischung aus Start-ups, mittelständischen Unternehmen und grossen, etablierten Firmen. Damit erreichen wir eine gesunde Durchmischung, verringern das Klumpenrisiko und es entstehen interessante Verbindungen und Synergien für alle Beteiligten. Wir streben ein Öko-System an, das einen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Austausch zwischen den Standortfirmen fördert und damit einen Mehrwert für alle erwirkt.
Wie schwer ist es, neue Nutzer für solche Liegenschaften zu finden?
Wir haben viele gute Gespräche und stossen mit unserem Park in Stein auf ein reges Interesse. Es wurden auch schon mehrere Machbarkeitsstudien von interessierten Unternehmen durchgeführt. Die aktuellen Rahmenbedingungen führen dazu, dass Investitionsentscheidungen vieler Unternehmen länger geprüft werden als noch vor wenigen Jahren. Unternehmen verlagern ihre Produktion in die USA oder stellen ihre Investitionen zurück. Die unsichere Situation, wie sich die Beziehung der Schweiz zu den wichtigen grossen Handelspartnern entwickelt, sowie die generelle Wirtschaftslage machen es uns nicht einfach. Zwar sind Werte wie Stabilität und Sicherheit sowie der umfangreiche Pool an gut ausgebildeten Fachkräften immer noch wichtige Standortvorteile. Auch klar strukturierte und effiziente Bewilligungsprozesse werden von Kunden sehr geschätzt. Hier müssen wir allerdings aufpassen, dass wir unsere Vorteile nicht verspielen, sind doch die Prozesse für Baubewilligungen nicht mehr ganz so flexibel und speditiv wie auch schon. Ein wichtiger Vorteil des Parks in Stein ist, dass er schon mit allem, was für die Unternehmen wichtig ist, erschlossen ist. So kann sich eine Firma ganz auf ihre Kernkompetenz konzentrieren. Wir kümmern uns um den Rest und beschleunigen damit den Produktionsstart massiv. Für die Suche nach Fachkräften sind Stein und die Region ein gutes Umfeld. Und für die Lieferanten der Pharmabranche ist der Standort ebenfalls interessant.
Novartis gab 2025 bekannt, 550 Stellen in Stein abzubauen. Welche Folgen hat dies für den Standort Stein und für Getec?
Für die betroffenen Mitarbeitenden war dies sicher keine gute Nachricht; wir bedauern diese Entwicklung sehr. Zum Glück gibt es bereits viele positive Entwicklungen auf dem Areal, insbesondere der Ausbau von Lonza, was die Stellenreduktion bei Novartis aus Sicht des Parkes zu einem grossen Teil kompensiert. Novartis bleibt ein wichtiger Akteur am Standort, gleichzeitig gewinnen weitere Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Solche Entwicklungen sind immer auch eine Chance; so hat sich bereits ein aktiver, parkinterner Stellenmarkt etabliert.
Welche Strategie verfolgen Sie bei Ihren Bemühungen, neue Firmen für den Getec Park in Stein zu finden?
Unser Fokus liegt auf dem Life Science-Bereich. Trotzdem wollen wir uns auch anderen Branchen nicht verschliessen. Ein reiner Fokus auf Life Science erscheint uns zu eng, da wirtschaftliche Entwicklungen heute sehr schnell gehen und wir als Parkbetreiber immer auch gegenüber neuen Bedürfnissen offenbleiben wollen. So können wir uns beispielsweise sehr gut auch Firmen aus dem High-Tech oder der Nanotechnologie mit einer hohen Wertschöpfung als neue Mieter vorstellen.
Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?
Ende 2027 werden weitere Gebäudef lächen in der Grösse von über 20 000 Quadratmetern von der Novartis freigegeben. Total stehen im Park somit Flächen von gegen 70 000 Quadratmetern für neue Nutzer frei zur Verfügung. Unser Ziel ist es, diese Flächen nachhaltig zu erhalten, mit zukunftsorientierten Unternehmen zu beleben und neue Wertschöpfung am Standort zu schaffen. Gleichzeitig bieten wir Bauland an, sodass interessierte Firmen ihre eigenen neuen Ideen bei uns auf dem Areal realisieren können.
Gibt es bereits Erfolgsmeldungen?
Ja, wer unsere Tafel beim Arealeingang beachtet, sieht neben Novartis und Lonza bereits eine Vielzahl an Firmenlogos. Diese Firmen sind alle bei uns auf dem Areal tätig, zum Teil als produzierende Betriebe, zum Teil auch als Serviceprovider, die ihre Dienste für Kunden im Areal, also ebenfalls dem Park anbieten. Hier zeigt sich deutlich, wie aktiv unser angestrebtes Öko-System am Standort bereits funktioniert.
Welchen Einfluss hat die Entwicklung des Sisslerfelds für den Getec Park in Stein?
Für das Sisslerfeld braucht es gute Infrastrukturkonzepte. Wir bringen uns hier aktiv ein. Als Infrastrukturbetreiber haben wir wertvolle Erfahrungen in der modernen, nachhaltigen Energieversorgung, aber auch im Bereich Abfall- und Abwasserentsorgung. Mit regional wichtigen Projekten wie dem vom Bund in Auftrag gegebenen Reservekraftwerk und einem neuen Unterwerk, das wir gemeinsam mit der AEW realisieren, entstehen wichtige Infrastrukturelemente auf unserem Areal, die weit über die Arealgrenze hinaus von Bedeutung sind und einen essenziellen Beitrag für die Sicherheit in der landesweiten Stromversorgung leisten. Nachhaltige Lösungen stehen dabei für uns immer im Vordergrund, was auch ein wichtiges Argument für mögliche Ansiedlungen ist. So beziehen wir bereits heute den grössten Teil des für die Produktion notwendigen Dampfes aus einer Holzschnitzel-Verbrennungsanlage im Sisslerfeld. Auch bei der Stromversorgung nutzten wir unsere grossen Dachf lächen für die Erzeugung von Strom mittels Photovoltaik-Anlagen mit 2MW-Leistung. Diese Anlage wird mit dem zurzeit im Bau befindlichen Parkhaus weiter ausgebaut. Auch beim Thema Nutzung von Abwärme innerhalb des Areals wie auch für mögliche externe Bedürfnisse sehen wir ein interessantes Potential.
Wohin wird sich der Getec Park in Stein künftig entwickeln?
Unser Ziel ist eine Multi-Nutzung des Areals mit Unternehmen unterschiedlicher Tätigkeiten und Grösse – ein aktives Öko-System, in dem Synergien und Austausch gepflegt werden. Bestehende Gebäude werden modernisiert und einem neuen Lebenszyklus zugeführt. Der Erhalt von bestehenden Baustrukturen steht dabei im Sinne der Nachhaltigkeit im Vordergrund. Gleichzeitig wird die Infrastruktur erneuert. Das neue Parkhaus ist der zurzeit visibelste Beweis dafür. Als nächster Schritt sind wir bereits konkret in der Planung eines neuen Arealzuganges mit einem «Welcome Center» und einer Busstation, so dass auch die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr bequemer wird.
Was bedeuten diese Entwicklungen für Stein und die Region?
Es bringt eine Stabilisierung der Wertschöpfung am Standort in Stein. Für die Gemeinde bedeutet dies: Sicherung der Arbeitsplätze und mehr Steuereinnahmen. Wir finden es wichtig, dass in der Schweiz auch in Zukunft produzierende Betriebe angesiedelt sind. Wir wollen an der Technologiefront vorne mit dabei sein.

