Ein paarmal New York und wieder zurück
18.01.2026 LaufenburgJosefine Fett ist bekannt durch ihre schillernde Persönlichkeit und ihre offene Art. Kein Wunder, betrieb sie doch einst ein Theater mit Comedy-Cabaret-Shows am Times Square in New York.
Andrea Worthmann
Eine kleine Theaterbühne am Times Square in New York, ein ...
Josefine Fett ist bekannt durch ihre schillernde Persönlichkeit und ihre offene Art. Kein Wunder, betrieb sie doch einst ein Theater mit Comedy-Cabaret-Shows am Times Square in New York.
Andrea Worthmann
Eine kleine Theaterbühne am Times Square in New York, ein selbstgeschriebenes Programm mit Musik und ein begeistertes Publikum. Das war die Welt von Josefine Fett, die sich damit einen Traum erfüllte und für eine Weile die berühmte New Yorker Bühnenluft schnupperte. Heute lebt sie in Laufenburg und ist nicht weniger lustig und begeistert von gutgemachten Shows, wenn auch in deutlich kleinerem Rahmen: in ihrem Wohnzimmer.
Eine Rheinländer Frohnatur auf der Suche nach ihrer Bestimmung
Geboren 1957 im rheinländischen Bergisch-Gladbach, machte Josefine Fett zunächst eine Ausbildung im Hotelfach, verfolgte diesen Beruf aber nicht weiter, sondern machte verschiedenste Ausbildungen, bis sie sich schliesslich im Bereich Massage und Aromatherapie selbstständig machte und eine eigene Praxis im Heimatort eröffnete.
Eine Weiterbildung im Bereich «Unternehmertum» brachte sie zur Unternehmerschule. «Der Ansatz dort ist zu gucken, was dein Genius ist. Wo liegt dein Talent?», beschreibt die gebürtige Rheinländerin ihre ersten Schritte in eine ihr neue Welt. «Und da kam dann mein komödiantisches Talent zum Vorschein, und ich bin ermutigt worden, eine Show zu konzipieren.» Die Show «Jetzt kommt’s dick und Fett» war dann ein grosser Erfolg an einem kleinen Theater in Köln. In dieser One-Woman-Show thematisierte Fett ihr eigenes Leben als Mutter von drei Jungen, als Frau und erzählte Geschichten aus ihrem Leben. Sie arbeitete dabei mit einem Pianisten, einer Opernsängerin, bei der sie Gesangsunterricht nahm, und einer Komödiantin, die bei dem Konzept half, zusammen.
Familiäre Wurzeln in Amerika
Durch eine Recherche zur Familienherkunft fand Fett heraus, dass väterlicherseits einige verwandte Generationen zuvor nach Amerika ausgewandert waren. Das machte sie neugierig und brachte plötzlich New York auf den Plan. Erste Kontakte wurden geknüpft. Hin und wieder besuchte sie New York, wo sie schliesslich einen Leadership-Kurs zum Thema «Performing-Arts» an einem kleinen Theater am Times Square absolvierte. Josefine Fett bot dort selbst Coachings und Bühnenworkshops an und entwickelte eigene Shows. Zusätzlich praktizierte sie auch in New York im Bereich Massage und A romatherapie. In Deutschland betrieb sie parallel ihre Massagepraxis.
New York gefiel ihr gut. «Ich hatte richtig Blut geleckt», schwärmt Fett. Es folgte ein Hin und Her zwischen New York und Deutschland. In der Zwischenzeit bot sich die Möglichkeit, das kleine Theater am berühmten Times Square zu übernehmen. Ausser Kursen und Seminaren fand dort nichts mehr statt, und es wurde stillgelegt. Josefine Fett liebäugelte damit, es zu mieten.
Ein Schweizer Mann und ein New Yorker Theater
Dann lernte sie bei einem Business-Seminar in München 2008 ihren späteren Schweizer Mann kennen und ging mit ihm nach Küssnacht und später nach Bad Zurzach. Durch Coachings und Kurse machte sie ihren Mann bühnenfit, und beide boten gemeinsame Shows und Workshops an.
Zurück in New York mit allen nötigen Papieren für die Trainerkollegin und Ehemann, konnte sie das Theater mieten, bot darin Kurse an und führte Shows auf. Ein Traum wurde wahr, ihr Ziel war erreicht, und die Entertainerin genoss die Zeit im Rampenlicht sehr. «Leider war das nicht lange von Erfolg gekrönt, da die Zusammenarbeit nicht gut funktionierte», erzählt die Laufenburgerin. Es kam zum ersten Bruch. Josefine Fett blieb in New York und unterrichte weiter, ihr Mann ging zurück in die Schweiz.
Nach einer Weile lief es für Fett auch in New York nicht mehr, und sie ging 2015 zurück in die Schweiz. Dort führte sie dann gemeinsam mit ihrem Mann kleine Wohnzimmertheater auf. Eine schwierige Zeit. Nach den Misserfolgen fiel Josefine Fett in eine tiefe Krise. «Es folgte die Scheidung von meinem Mann und ein ständiges Hin und Her. Später heirateten wir wieder», erzählt die 68-Jährige. «Wie Richard Burton und Liz Taylor», sagt sie dann lachend. Einige Jahre vergingen, eine weitere Trennung zeichnete sich ab, und gerade als Josefine Fett in Konstanz einen neuen Job anfangen wollte, kam Corona.
Parkinson-Diagnose und Umzug nach Laufenburg
Der Job war weg und nach der Trennung von ihrem Mann war sie nahezu mittellos, als sie auf einem von ihr veranstalteten Seminar einen Mann aus Laufenburg traf, den sie coachte und dann 2020 mit ihm in Laufenburg eine WG gründete. Nach anderthalb Jahren zog sie in ihre eigene Wohnung in der Laufenburger Altstadt. Von ihrer Krise erholte sich Josefine Fett nicht mehr richtig, und es kam eine Parkinson-Diagnose dazu. Die Diagnose überraschte sie aufgrund einer familiären Veranlagung zwar nicht, dennoch veränderte sie ihr Leben. «Ständiger Tremor, immer das Gefühl, unter Strom zu stehen», erklärt sie. Aber seit einer Ernährungsumstellung und viel Bewegung fühlt sie sich stabil. Nicht zuletzt ihre Hündin Sally, die kurz nach der Diagnose in ihr Leben kam, hält sie auf Trab und tut ihr gut.
Die Lust und den Spass am «Wohnzimmertheater» ist Josefine Fett nicht vergangen. «Ich bin nicht der Typ, der den Kopf in den Sand steckt», gibt sie zu und freut sich des Lebens. Bereits ein paar Mal lud sie Freunde ein und präsentierte bei sich im Wohnzimmer Lesungen und kleine Musikeinlagen von Bekannten. Auch schreibt sie kleine Geschichten und ist gerne kreativ. Zeigt Josefine Fett Fotos aus ihrer Zeit in New York, spürt man ihre Freude, den Stolz und auch ein bisschen Wehmut.


