«Ein Opernformat, bei welchem das Publikum alles aus nächster Nähe erlebt»

  10.04.2026 Stein

Produktionsleiter und Tenor, Peter Bernhard, bringt Bizets Oper «Carmen» ins Fricktal und verkörpert gleichzeitig die Hauptrolle des Don José. Jeanne-Pascale Künzli, Intendantin und OK-Präsidentin der Fricktaler Bühne, wird am 2. Mai in Stein als Micaëla zu erleben sein.

Janine Tschopp

Schon bei «Gräfin Mariza», welche die Fricktaler Bühne im Herbst 2024 in Rheinfelden aufgeführt hat, standen Jeanne-Pascale Künzli (gleichzeitig OK-Präsidentin und Intendantin) und Peter Bernhard gemeinsam auf der Bühne.

Mit dem Opernensemble der boxopera und der Produktion «Carmen» kehrt Peter Bernhard am 2. Mai ins Fricktal zurück. Nicht nur als Hauptdarsteller Don José, sondern auch als Gesamtleiter. Jeanne-Pascale Künzli wird bei der Vorstellung in Stein die Rolle seiner einstigen Verlobten Micaëla verkörpern.

Wie funktioniert «Carmen» ohne Chor?
Georges Bizets Oper «Carmen» ist eines der berühmtesten und meistgespielten Werke in sämtlichen Theatern weltweit. Wie bei Giuseppe Verdis «Aida» oder «Nabucco» ist der Chor auch bei «Carmen» ein entscheidendes Element für ihre grosse Bekanntheit. Bei der Produktion im Saalbau in Stein gibt es aber weder einen Chor, noch ein grosses Orchester. Wie geht das? «Carmen ohne Chor zu spielen, braucht eine spezielle Idee», meint Peter Bernhard. Er ist nicht nur Opern- und Konzertsänger mit einem grossen Repertoire an international gesungenen Hauptpartien, sondern zusätzlich seit 2008 – damals mit der Leitung der Oper Schenkenberg – auch Produzent. Mit dem Konzept von «boxopera» lässt er das Publikum den berühmten Opernklassiker ganz neu erleben: Carmen ist seit 20 Jahren tot, und dennoch erscheint sie als Erinnerung und Halluzination auf der Bühne, allerdings nur sichtbar für den gealterten Don José. Seine ebenfalls in die Jahre gekommenen Mitstreiter, der Torero Escamillo und die Jugendliebe Micaëla, erinnern sich an die damaligen Vorkommnisse genauso wie auch der Schriftsteller Prosper Mérimée, der mit seinen Fragen in Gesprächen mit den drei Protagonisten die Hauptfigur erneut zum Leben erweckt. Carmen erscheint – jung, frei und ungebrochen – als Projektion, als Geistfigur aus dem Jenseits.

Einziger Schauplatz ist das Gefängnis
Einziger Schauplatz ist als Bühnenbild das Gefängnis, wo sich ein Gespräch zwischen Traum, Erinnerung und Realität ergibt. Es gibt keinen Chor, kein Orchester, keinen Orchestergraben …, musikalisch begleitet werden die Darsteller und Darstellerinnen durch ein kleines Streicher-Ensemble und den Dirigenten Andrea Del Bianco (Opernhaus Zürich), der am Flügel spielend das gesamte Ensemble leitet.

«‹Boxopera› steht einerseits dafür, dass wir unser mobiles Konzept auf allen Bühnen ‹auspacken und spielen› können. Anderseits hat es mit unserer Haltung zu tun. Unsere Konzepte richten sich nach dem philosophischen Prinzip ‹thinking outside the box› und so kreieren wir ganz neue Ideen», erklärt Peter Bernhard. Er führt weiter aus: «Das Anliegen und die Motivation sind, unsere Produktionen auch an kleineren Orten zu zeigen und möglichst viele Menschen – auch jüngere – dazu zu bringen, in die Oper zu gehen.»

«Emotionen springen stärker rüber»
«Es ist reduziertes, hochkarätig besetztes Opernformat, bei welchem das Publikum alles aus nächster Nähe erleben kann. Emotionen springen viel stärker auf die Zuschauerinnen und Zuschauer rüber», ist Jeanne-Pascale Künzli überzeugt. Die Sopranistin freut sich darauf, in Stein die Rolle der Micaëla zu verkörpern. Für sie ist die Produktion in Stein ein Heimkommen. Ein Heimkommen ins Fricktal, wo sie vor eineinhalb Jahren bereits mit «Gräfin Mariza» die Herzen des Publikums gewonnen hat.

Bizets Oper «Carmen» wird am 2. Mai, um 19.30 Uhr, im Saalbau in Stein aufgeführt. Informationen und Tickets unter www.boxopera.net.


Image Title

1/10

Möchten Sie weiterlesen?

Ja. Ich bin Abonnent.

Haben Sie noch kein Konto? Registrieren Sie sich hier

Ja. Ich benötige ein Abo.

Abo Angebote