Ein neues Kapitel beginnt
09.08.2026 Gipf-OberfrickMit Urim und Leo Mehmeti geht die Geschichte des «Hirschen» weiter
Jahrelang war das Restaurant Hirschen in Gipf-Oberfrick geschlossen, zuerst wegen Umbaus und Renovation, später mangels passenden Bewerbern. Jetzt ist das Leben zurück in den historischen Mauern und die Brüder Mehmeti ...
Mit Urim und Leo Mehmeti geht die Geschichte des «Hirschen» weiter
Jahrelang war das Restaurant Hirschen in Gipf-Oberfrick geschlossen, zuerst wegen Umbaus und Renovation, später mangels passenden Bewerbern. Jetzt ist das Leben zurück in den historischen Mauern und die Brüder Mehmeti sehen der Voreröffnung am 17. August mit Freude entgegen.
Simone Rufli
«Die Leute haben wieder mehr Freude daran, auswärts essen zu gehen.» Urim Mehmeti führt von der Bar durch die Gaststube zur Küche und durch das separate Sääli hinaus auf die von mächtigen Linden beschattete Terrasse. «Als ich das erst Mal hierher fuhr und die Terrasse sah, war der Fall klar», sagt er und winkt einem Vorbeispazierenden zu. Der neue Pächter ist bereit. Wartet nur darauf, Gäste willkommen heissen zu dürfen. Aber warten auch die Gäste auf den «Hirschen»? Urim Mehmeti lächelt. «Ich bin mir bewusst, dass es in Gipf-Oberfrick und in umliegenden Gemeinden andere Restaurants hat. Aber ich liebe Konkurrenz. Ohne Konkurrenz bleibt man stehen.» Und stehen bleiben, das will Urim Mehmeti nicht. Lieber mit italienisch-schweizerischer Fusionsküche und einem Schwergewicht auf Fleisch-Gerichten qualitativ hochwertige Akzente setzen.
Am 17. August geht es los, ab dann ist die Küche in Betrieb. Voreröffnung. Zwei Wochen vor der offiziellen Eröffnung am 29. August. Wozu dieser Vorlauf? «Das Konzept hat sich für mich bewährt», sagt Urim Mehmeti und sagt auch gleich warum: «Die Mitarbeitenden brauchen Zeit, sich kennenzulernen, Zeit, sich im neuen Umfeld langsam einzuarbeiten und das Wichtigste – es sind zwei Wochen, in denen wir uns noch Fehler erlauben dürfen.» Bewährt habe sich das Konzept im «Meierhof» in Killwangen, den die Familie bereits führt.
Es passte alles zusammen
Dass er nun in Gipf-Oberfrick zusätzlich den «Hirschen» übernimmt, habe viel mit Zufall und nichts mit einem Plan zu tun. «Ich bekam einen Anruf von einem Freund.» Urim Mehmeti weist hinüber zum Coiffeursalon. «Der Freund hat das Barber-Geschäft hier gleich neben dem Restaurant eröffnet.» Bei der Erinnerung an den Anruf aus dem Fricktal muss Urim Mehmeti schmunzeln. «Ich wollte eigentlich gar kein zweites Restaurant mehr eröffnen. Doch dann fuhr ich hierher, sah diese geniale Terrasse, die Parkplätze und den Durchgangsverkehr. Da war der Fall klar.» Er hält inne, hebt wie zur Entschuldigung die Schultern. «Das passte alles so gut zusammen. Ich wusste gleich, das muss ich machen.»
Sein Glück, dass es Liegenschaftsbesitzerin Daniela Belser ganz ähnlich erging. Sie habe während der letzten Jahre, die sie mit der Renovation des historischen Gebäudes verbracht habe, diverse Anfragen erhalten. «Keine passte wirklich. Bis Urim hier ankam.» Die ganze Familie sei charmant und herzlich. «Um ganz sicher zu sein, ging ich mit meinen Eltern in Killwangen zum Testessen.» Sie sei nicht nur von der Qualität des Essens beeindruckt gewesen. «Auch der respektvolle Umgang der Familie mit älteren Menschen hat mir sehr gefallen.» Das war vor rund vier Monaten. Kam Urim Mehmeti zuvor hie und da als Gast ins Fricktal, hat er sich inzwischen mit dem neuen Umfeld und regionalen Lieferanten vertraut gemacht. Von der Gemeinde sei er herzlich empfangen worden und auch mit der Bevölkerung habe er erste Kontakte knüpfen können. «Alle sind erfreut, dass der Hirschen wieder öffnet», so der 34-Jährige.
Von der Grossstadt aufs Land
Aufgewachsen ist Urim Mehmeti in der Stadt Zürich. Der Vater von Beruf Koch. «Es war früh klar, dass auch ich in der Gastro-Szene arbeiten würde.» Der jüngere Bruder Leo Mehmeti, 31 Jahre alt, absolvierte eine Ausbildung im Verkauf. Er wird als Co-Betriebsleiter im «Hirschen» tätig sein, der Vater wird kochen und auch die Mutter hilft im Betrieb mit. «Ich bin mit Herz und Seele Gastwirt, ein kommunikativer Mensch und lebe meine Leidenschaft in der Rolle des Gastgebers aus», betont Urim Mehmeti. «Egal, wie gut du kochst, wenn der Service nicht stimmt, kommt der Gast einmal, aber zurück kommt er dann nicht mehr.»
Im Jahr 2017 hat er sich selbständig gemacht. «Es ist ein Glück, dass wir als Familie fast alle Bereiche abdecken können.» Den vielzitierten Fachkräftemangel in der Gastronomie spürt er nicht. «Das Personal ist komplett, 6 Vollzeitstellen, ein paar Teilzeitstellen und das, ohne dass ich eine Stelle ausgeschrieben habe.» Telefonat um Telefonat sei hereingekommen. «Ich konnte auswählen.» Was ihn ganz besonders freut: «Es sind alles Leute, die in der Region wohnen.»
Restaurant und Bar werden an 365 Tagen geöffnet sein. Schon früh am Morgen mit, wie Urim Mehmeti betont, «sensationellem Kaffee» und Gipfeli, später mit Snacks, Sandwiches und speziellen Drinks. «Der Hirschen soll wieder zum Ort werden, wo man sich trifft, verweilt und austauscht und das soll jeden Tag möglich sein.»
Noch wohnt der neue Hirschen-Pächter in Spreitenbach. «Ich möchte ins Fricktal ziehen.» Er schmunzelt. «Ein kürzerer Arbeitsweg ist Gold wert.»

