Ein Brückenschlag zur Eröffnung
20.08.2024 RheinfeldenDie Brückensensationen waren erneut ein grosser Erfolg
Die 15. Brückensensationen vom vergangenen Wochenende in Rheinfelden waren ein Kaleidoskop an Darbietungen, Farben, Gefühlen und Begegnungen zwischen bombastischen Shows mit Akrobatik und Feuer auf der Brücke und ...
Die Brückensensationen waren erneut ein grosser Erfolg
Die 15. Brückensensationen vom vergangenen Wochenende in Rheinfelden waren ein Kaleidoskop an Darbietungen, Farben, Gefühlen und Begegnungen zwischen bombastischen Shows mit Akrobatik und Feuer auf der Brücke und dem Inseli sowie kleinen, leiseren Auftritten etwas abseits.
Boris Burkhardt
Die Rheinbrücke am frühen Freitagabend: Hoch hinaus baut die sechsköpfige Akrobatikgruppe «Cirque on Edge» ihre Holzbrücke, überwindet mehrmals mit und ohne Seil den anfangs zehn Meter breiten Abstand zwischen beiden Brückenpfeilern. Bei strahlendem Sonnenschein ohne drückende Hitze drängen sich die Menschen bunt und friedlich auf der Rheinbrücke, um den Künstlern gebannt zuzusehen.
Der Brückenbau auf der Rheinbrücke an den Brückensensationen in den Zwillingsstädten, die über die Brücke verbunden sind, war eine geballte Symbolik, die dem Organisator und Kulturamtsleiter von Badisch-Rheinfelden, Dario Rago, sichtlich Freude bereitete. Ob sich das Publikum dieser Symbolik bewusst war oder nicht – die Eröffnung der Brückensensationen beider Rheinfelden war perfekt gelungen.
Deutlich mehr als 2022
Tausende von Besuchern, so Rago, hätten die 15. Ausgabe der Brückensensationen von Freitagabend bis Sonntagabend besucht, «deutlich mehr als 2022». Auch die Resonanz stimmt den Kulturamtsleiter «sehr zufrieden»: «Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten.» Seine Schweizer Amtskollegin Brigitte Brügger vom Kulturbüro freut sich, dass auch die Programmpunkte gut ankamen, die auf Schweizer Seite etwas weiter weg von der Brücke lagen, namentlich der Hauptwachplatz, den sich die Joshua Monten Dance Company und der Artist Compani-Mi wegen des Schattens ausgesucht hatten.
Wer am Samstag zu den vielen Besuchern gehörte, ging ein relativ grosses Risiko ein, selbst Teil der Show zu werden: So musste ein bedauernswerter «Raul» im «Mnemoland» des Duos Kazibaze auf dem Inseli bei 30 Grad mit einem Teelöffelchen Schokilinsen nach der Farbe sortieren. Emiliano Alessi alias Tei Tei verwandelte vier Zuschauer mit einem Tesa-Klebeband in einen Boxring und trat mit tesaverbundenen Händen selbst gegen einen fünften zum Kampf an: Darüber musste eine Zuschauerin, mutmasslich die Ehefrau des Mitkämpfers, so herzhaft lachen, dass es ansteckend war.
Nicht immer geplant
Die Interaktion war keineswegs immer geplant: Die argentinisch-französische Clownin Torpeza Ritmika nahm einer Passantin, die frecherweise mit dem Velo durch ihre «Bühne» vor dem deutschen Zollhaus fuhr, spontan den Rucksack aus dem Korb, und trank dankbar einen Schluck aus dem Bierglas eines weiteren Passanten, der die Strasse überquerte.
Abseits der grossen Shows ging es auch stiller zu, etwa im Salmeggpark in der Tetra-Town, wo die Niederländer Laura und Marco zum ersten Mal in Rheinfelden zeigten, wie man aus Tetra-Verpackungen Käppis bastelt, oder auf der Terrasse des Salmeggpark, wo das Duo Diagonale aus Bochum sein Mini-Zirkuszelt aufgebaut hatte: Maximal acht Zuschauer erlebten im Kleinsten Variété der Welt das sieben Minuten lange Programm – so viel Spass pro Quadratmeter wie sonst nirgends, wie das Duo versprach.
Anarchisch bis bombastisch
«Vor der nackten Absperrung» vor dem Zollhaus auf Schweizer Seite knotete Clown Diabolo alias Sven Hennings aus Bad Säckingen unangemeldet für Kinder und Erwachsene Luftballonfiguren und brachte damit etwas nötige Anarchie in das Künstlerfest.
Bombastisch wurde es wieder am Samstagabend mit der Feuershow Flame Rain Theatre aus Österreich, die besonders zum Finale spektakuläre Bilder lieferte. Dass der Regen just zu Beginn der Show um 20 Uhr einsetzte, störte die Künstler mehr als das Publikum. Das bekam vom Chaos, mit dem das Duo Arno und Kata laut eigener Aussage «hinter der Bühne» zu kämpfen hatte, nichts mit und war begeistert.
Auch Linda Sander hatte mit dem Regen zu kämpfen – das überraschte den Laien zunächst, weil sich die Berliner Artistin vor dem Haus Salmegg doch in einer Riesenschüssel voll Wasser bewegen wollte. Aber, wie sie mitteilte, habe der Regen die Griffe rutschig gemacht. Dennoch wagte sie es. Auch solche intimen Momente zwischen Künstler und Publikum machen die Brückensensationen aus – gedankt wurden sie Sander mit einem begeisterten Applaus.
Perfektes Publikum
Letztendlich habe nur eine Veranstaltung am Samstagabend wegen des Regens ausfallen müssen, für die es zu rutschig geworden wäre. Für Rago war das Wetter nicht perfekt, «aber das Publikum», das trotz der Sommerferien in Baden-Württemberg so zahlreich gekommen sei. Er habe von vielen gehört, dass sie die Ferien um dieses Datum herumplanten.
Der Wechsel von einer jährlichen zu einer zweijährlichen Veranstaltung nach Corona soll trotz des Zuspruchs beibehalten werden: «Die monatelange Planung ist für uns ein Kraftakt.» Ausserdem könne ein längerer Abstand eine solche Veranstaltung auch wertvoller machen. Auch Brügger ist sich sicher: «Die Brückensensationen gehen in der Zwischenzeit nicht vergessen.»






