Drei hochbegabte Musiker – drei unterschiedliche Schicksale
05.05.2026 RheinfeldenInteressantes Frühjahrskonzert des Orchestervereins Rheinfelden
Das Konzert war ganz den Geschwistern Fanny und Felix Mendelssohn gewidmet sowie als dritten im Bund, Carl Reinecke. Alle drei waren hochbegabt, werden aber bis heute sehr unterschiedlich wahrgenommen.
Edi ...
Interessantes Frühjahrskonzert des Orchestervereins Rheinfelden
Das Konzert war ganz den Geschwistern Fanny und Felix Mendelssohn gewidmet sowie als dritten im Bund, Carl Reinecke. Alle drei waren hochbegabt, werden aber bis heute sehr unterschiedlich wahrgenommen.
Edi Strub
Felix Mendelssohn (1809-1847) war das grosse Wunderkind und gilt als einer der grossen Romantiker der klassischen Musik. Seine Schwester Fanny (1805–1847) war ebenso begabt und spielte nicht weniger brillant Klavier. Sie durfte auch komponieren und dirigieren. Aber nur privat im Familien- und Freundeskreis an den Mendelssohnschen Sonntagskonzerten waren ihre Werke zu hören. Carl Reinecke (1824–1910), ein Freund der Mendelssohns, schuf ebenfalls Meisterwerke, der grosse Durchbruch blieb ihm aber ebenfalls zeitlebens versagt.
Das Konzert des Orchestervereins am Sonntag in Rheinfelden begann mit der festlichen Ouvertüre in C-Dur von Fanny Hensel (geborene) Mendelssohn. Es ist ein grossartiges Werk, das man sich gerne anhört – sehr zugänglich, meisterhaft orchestriert mit wunderbaren Dialogen zwischen den Holzbläsern. Die Welturaufführung fand 1986 in Frankfurt statt – erst hundertvierzig Jahre nach dem Tode von Fanny. Ihr Bruder Felix hielt sehr viel von seiner Schwester und ihrem Komponieren. Er nannte sie einmal seine «zweite Hälfte». Fannys Vater Abraham, das Oberhaupt der Familie, sah das jedoch anders. Für Felix sei Musik der Beruf, für sie nur «Zierde», beschied er ihr, als sie sich über die unterschiedliche Behandlung beklagte. Heute werden die zahlreichen Werke von Fanny Hensel Mendssohn immer häufiger aufgeführt und am grossen musikalischen Wert gibt es kaum Zweifel. Die Stellung der Frau ist in der Kunst und der Musik heute eine andere als zu Lebzeiten der Mendelssohns und so kamen die Rheinfelder am Sonntag in den Genuss eines Meisterwerks, das sie ohne diese Veränderungen nie gehört hätten.
Flötenkonzert von Carl Reinecke
Als zweites Werk erklang das Flötenkonzert von Carl Reinecke. Die wenigsten an diesem Abend werden den Namen dieses Komponisten zuvor gehört haben. Wirklich bekannt ist er eigentlich nur unter Flötisten, weil er eben dieses Konzert komponiert hat, meinte die Solistin des Abends – Julia Morgan. «Ich kenne keinen Flötisten, der es nicht im Repertoire hat.» Häufig gespielt werde es, wenn sich Flötenspieler zum Beispiel um Stellen in Orchestern bewerben. Oft auch als Vortrags- und Bravourstück an Wettbewerben. Denn es ist eines der wenigen Flötenwerke aus der romantischen Epoche. Im Barock wurden hunderte von Flötenkonzerten komponiert. Aus der Wiener Klassik gibt es nur vier (drei von Mozart und eins von Hadyn) und aus der Romantik eigentlich nur das von Reinecke. Auch sie spiele das Reinecke-Konzert sehr gerne, sagte Julia Morgan. Es sei eine wunderbare Erfahrung gewesen, dieses Werk nun erstmals mit einem Orchester als Begleitung zu spielen. Sie sei vom Orchesterverein Rheinfelden sehr herzlich aufgenommen worden. Sie habe die grosse Motivation von Orchester und Dirigentin gespürt. Bislang habe sie das Konzert immer nur mit Klavierbegleitung spielen können. Beruflich ist Julia Morgan vor allem als Soloflötistin des Sinfonieorchesters Basel tätig. Ihr Vortrag in Rheinfelden war makellos: Saubere Intonierung auch in den zum Teil schwierigen Lagen, ein warm-strahlender Ton, gekonntes Ausspielen der wunderschönen romantischen Linien.
Den Abschluss des interessanten Programms bildete dann die Sinfonie Nr. 5, die sogenannte Reformationssinfonie, von Felix Mendelssohn – dem erfolgreichen der drei Musiker. Dieses Werk bot insbesondere den Bläsern des Orchesters Gelegenheit, ihr Können zu zeigen, was ihnen auch vortrefflich gelang. Nach den triumphalen Tönen im Final-Satz mit dem Luther-Choral «Eine feste Burg ist unser Gott» dankte das Publikum dem Orchester und dessen Leiterin Clara Kost für die gute Leistung mit lange anhaltendem Applaus.

