Innovatives Pilotprojekt im Aargau
Das Kantonsspital Baden startet ein neues Projekt zur Überwachung des Gesundheitszustands von Personen mit einer akuten oder chronischen Verschlechterung der Herzfunktion in deren Zuhause. Der Kanton Aargau unterstützt dieses Pilotprojekt ...
Innovatives Pilotprojekt im Aargau
Das Kantonsspital Baden startet ein neues Projekt zur Überwachung des Gesundheitszustands von Personen mit einer akuten oder chronischen Verschlechterung der Herzfunktion in deren Zuhause. Der Kanton Aargau unterstützt dieses Pilotprojekt «Virtuelles Versorgungsangebot».
Schätzungen zufolge leiden 200 000 bis 300 000 Personen in der Schweiz an einer Herzschwäche. Im Jahr 2023 erhielten rund 20 900 Personen in der Schweiz diese Diagnose, im Kanton Aargau waren es 1580 Personen im stationären Bereich. Das Kantonsspital Baden (KSB) behandelte im Jahr 2023 rund 454 Personen mit dieser Diagnose. Ein neues Projekt testet nun die Möglichkeiten, die Herzpatienten aus der Ferne mit digitaler Unterstützung und Sensoren zu überwachen. Dabei wird ein virtuelles Versorgungsangebot für Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz aufgebaut. Im Fokus des Projekts stehen der Auf bau und die Erprobung eines neuen Angebots für Personen mit einer akuten oder chronischen Verschlechterung der Herzfunktion. Das Versorgungsmodell sieht eine ganzheitliche virtuelle Überwachung der Patientinnen und Patienten in deren Zuhause vor. Die Diagnose der Herzinsuffizienz bietet sich für die Erprobung des Modells im Rahmen eines Pilotprojekts besonders gut an, da sie sich durch hohe Fallzahlen, eine erhebliche Kostenrelevanz und einen klar definierten klinischen Verlauf auszeichnet.
Virtuelle Überwachung aus der Ferne
Das Versorgungsangebot sieht den Einsatz von klinisch validierten Sensoren und einer modernen Software vor, die eine kontinuierliche und ortsunabhängige Überwachung zentraler Vitalparameter wie Puls, Sauerstoffsättigung und Blutdruck ermöglichen. Die Vitalwerte werden mithilfe moderner Sensoren erfasst und in einer Software aufbereitet. Das klinische Personal analysiert die Daten, um daraus medizinische Erkenntnisse abzuleiten und eine Verschlechterung des Gesundheitszustands zeitnah zu identifizieren. Wo notwendig, können auf dieser Grundlage umgehend Massnahmen eingeleitet werden. Im Fokus der Projektumsetzung steht die Analyse der technischen Machbarkeit und der Benutzerfreundlichkeit der eingesetzten Geräte.
Innovativer Ansatz
Mit dem Projekt verfolgt das KSB das Ziel, die Lücke zwischen ambulanter und stationärer Versorgung zu schliessen, indem es eine Überwachung der Patientinnen und Patienten auch ausserhalb eines Spitalaufenthalts ermöglicht. Virtuelle Versorgungslösungen befinden sich in der Schweiz erst im Aufbau und konzentrieren sich vermehrt auf implantierbare Geräte wie Herzschrittmacher oder klassische Messgeräte, bei welchen ein aktives Auslösen durch die Testperson erforderlich ist. Der Einsatz moderner Sensoren, die Vitalparameter weitgehend automatisiert erfassen, stellt einen in der Schweiz bisher noch wenig erprobten Ansatz in der Gesundheitsversorgung dar. Im Projekt werden moderne und technologisch fortschrittliche Lösungen zum Einsatz kommen, die den Stand der Technik deutlich erweitern. Erweist sich das virtuelle Versorgungsangebot als erfolgreich und praktikabel, ist eine Ausweitung auf andere Krankheitsbilder denkbar.
Die Projektkosten belaufen sich auf insgesamt 520 000 Franken. Der Kanton Aargau beteiligt sich mit 350 000 Franken; das KSB trägt 170 000 Franken als Eigenleistung.
Seit dem 1. Januar 2022 kann der Kanton Pilotprojekte im Bereich der Gesundheitsversorgung mit einem finanziellen Beitrag oder mit der Erteilung der Erlaubnis, von kantonalen Normen und Weisungen ausnahmsweise und für eine definierte Dauer abzuweichen, unterstützen. Der Kanton will damit die Erprobung, Durchführung und Evaluierung neuer Versorgungsmodelle fördern, wenn diese der Erzielung medizinischer, versorgungstechnischer oder wirtschaftlicher Verbesserung dienen. Die Projektumsetzung startet im April 2026. (WH)