Wenn Schulden plötzlich Zähne zeigen
Niklaus Leemann
Ausserhalb des Schweizer Frankens galoppieren gerade die Zinsen davon. In Amerika bezahlt der Staat für zehnjährige Staatsanleihen mittlerweile rund 5,3 Prozent Zins. Damit gibt er mehr ...
Wenn Schulden plötzlich Zähne zeigen
Niklaus Leemann
Ausserhalb des Schweizer Frankens galoppieren gerade die Zinsen davon. In Amerika bezahlt der Staat für zehnjährige Staatsanleihen mittlerweile rund 5,3 Prozent Zins. Damit gibt er mehr für Schuldzinsen aus als für sein ohnehin gewaltiges Militär. In der Schweiz sieht die Welt noch ganz anders aus. Aktuell bezahlt der Bund noch unter einem Prozent Zinsen für seine Schulden.
Aber spielen wir mal Amerika. Was wäre, wenn auch die Eidgenossenschaft plötzlich 5,3 Prozent Zins bezahlen müsste?
Der Bund hat rund 87 Milliarden Franken Schulden am Geld- und Kapitalmarkt. 5,3 Prozent davon sind 4,6 Milliarden Franken. Bei einem amerikanischen Zinsniveau würde damit der Bund allein für Zinsen mehr ausgeben als für die gesamte Landwirtschaft. Fast doppelt so viel wie für die ETHs. Und auch mehr als für die Prämienverbilligungen der Krankenkassen. Viel Geld, nur für den Schuldendienst.
Natürlich sind amerikanische Zinsen nicht automatisch Schweizer Zinsen. Aber gerade eine kleine, offene Volkswirtschaft wie die Schweiz könnte höhere Zinsen auch importieren. Umso besser steht da, wer wenig Schulden hat. So etwa der Kanton Aargau. Er besitzt mittlerweile sogar ein Nettovermögen. Auch Fricktaler Gemeinden wie Rheinfelden oder Kaiseraugst haben keine Schulden.
Es bestätigt sich eine alte Regel solider Finanzpolitik: Schulden baut man in guten Zeiten ab. Denn wenn schlechte Zeiten kommen, werden aus den Schulden von gestern die Rechnungen von morgen.
In der Kolumne «Die Wirtschaft sind wir» beschreibt der Ökonom und Unternehmensberater Niklaus Leemann, wie die Wirtschaft fester Bestandteil unserer Gesellschaft und unseres Lebens ist.