Oje. Die AfD hat im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt gewonnen. Eine Partei, die so rechtsextrem ist, dass selbst Marine Le Pens Rassemblement National mit ihr gebrochen hat – und die gleichzeitig eine gefährliche Nähe zu Russland pflegt. Wie konnte es bloss so weit kommen?
Niklaus ...
Oje. Die AfD hat im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt gewonnen. Eine Partei, die so rechtsextrem ist, dass selbst Marine Le Pens Rassemblement National mit ihr gebrochen hat – und die gleichzeitig eine gefährliche Nähe zu Russland pflegt. Wie konnte es bloss so weit kommen?
Niklaus Leemann
«It’s the economy, stupid» – «Es ist die Wirtschaft, Dummkopf». Mit diesem Satz brachte Bill Clintons damaliger Wahlkampfstratege James Carville eine alte politische Weisheit auf den Punkt: Wenn es wirtschaftlich schlecht läuft, wird in Demokratien an der Urne protestiert.
Wer AfD-Wählenden zuhört, hört denn auch erstaunlich oft sehr Alltägliches: Strom ist teurer. Sprit ist teurer. Fleisch ist teurer. Wohnen ist teurer. Heizen ist teurer. Und um meinen Arbeitsplatz mache ich mir sowieso Sorgen.
Das Bittere: Die AfD macht plump die Migration für all diese Probleme verantwortlich. Eine seriöse Wirtschaftspolitik hat sie darüber hinaus nicht anzubieten – und viele Wählende sehen das auch. Offenbar reicht es bereits, die Probleme permanent zu benennen. Denn wenn die anderen Parteien ein Problem nicht lösen, gewinnt schon derjenige, der laut genug darauf zeigt.
Und vieles davon ist hausgemacht. Von Energiepolitik über Bauen, bis Ernährung folgt Politik allzu oft tradierten Ideologien, dem Druck von Social Media und den Interessen ihrer Klientel. Dabei müsste die Maxime viel banaler sein: Wie stellen wir die Dinge, die Menschen zum Leben brauchen, in guter Qualität zu einem anständigen Preis zur Verfügung?
Gute Wirtschaftspolitik macht nicht automatisch glückliche Wähler. Schlechte Wirtschaftspolitik produziert aber ziemlich zuverlässig Frustwähler. «It’s the economy, stupid.»
In der Kolumne «Die Wirtschaft sind wir» beschreibt der Ökonom und Unternehmensberater Niklaus Leemann, wie die Wirtschaft fester Bestandteil unserer Gesellschaft und unseres Lebens ist.