Niklaus Leemann
Ökonomie ist die Lehre vom Umgang mit Knappheit. Wir sind darin geübt: Zeit ist knapp, Geld sowieso. Aber es gibt noch eine Ressource, die wir täglich verfeuern, als wäre sie unendlich: Empörung.
Der Wirtschaftsnobelpreisträger Herbert ...
Niklaus Leemann
Ökonomie ist die Lehre vom Umgang mit Knappheit. Wir sind darin geübt: Zeit ist knapp, Geld sowieso. Aber es gibt noch eine Ressource, die wir täglich verfeuern, als wäre sie unendlich: Empörung.
Der Wirtschaftsnobelpreisträger Herbert A. Simon bemerkte einst, dass ein Überfluss an Information zu einer Knappheit von Aufmerksamkeit führt. Empörung ist eine besonders potente Form dieser Aufmerksamkeit. Sie bündelt Energie, sie erhitzt Debatten – und sie ist nicht unbegrenzt verfügbar. Wer sie zu früh verbraucht, dem fehlt sie später.
Das war in der eidgenössischen Budgetdebatte gut zu beobachten. Das ganze politische Spektrum konnte sich nach Kräften empören: Die Rechten über den Nachtzug nach Malmö, die Linken über die Reduktion der Gewaltprävention. Zusammen ging es aber nur um 0,012% des Bundesbudgets.
Vergessen ging die eigentliche finanzpolitische Problemstellung: Die Bundesfinanzen steuern auf ein strukturelles Defizit zu. Das würde unbequeme Entscheidungen erfordern, echte Prioritätensetzungen, Verzicht auf Klientelpolitik zugunsten von Stabilität. Kurz: Seriöse politische Arbeit, die weder laut noch dankbar ist. Bleibt sie aus, bleibt am Ende oft nur das Naheliegende: höhere Steuern – wie vom Bundesrat jüngst vorgeschlagen.
Fricktalerinnen und Fricktaler tun gut daran, mit ihrer Empörung haushälterisch umzugehen – das geht so: Erstens, den Lärm auf Social Media grosszügig ignorieren. Zweitens, lesen, lesen, lesen. Und drittens, mehr zuhören und darüber nachdenken. Empörung ist ein knappes Gut. Wer sie zu früh vergeudet, verliert den Blick für das wirklich Entscheidende.
In der Kolumne «Die Wirtschaft sind wir» beschreibt der Ökonom und Unternehmensberater Niklaus Leemann, wie die Wirtschaft fester Bestandteil unserer Gesellschaft und unseres Lebens ist.