Niklaus Leemann
Das Organigramm eines Unternehmens sieht typischerweise aus wie eine Pyramide: Unten viele junge Mitarbeitende, die fleissig zuarbeiten, in der Mitte erfahrene Fachkräfte und oben ein paar wenige Chefinnen und Chefs. So weit, so geometrisch.
Doch mit künstlicher ...
Niklaus Leemann
Das Organigramm eines Unternehmens sieht typischerweise aus wie eine Pyramide: Unten viele junge Mitarbeitende, die fleissig zuarbeiten, in der Mitte erfahrene Fachkräfte und oben ein paar wenige Chefinnen und Chefs. So weit, so geometrisch.
Doch mit künstlicher Intelligenz (KI) könnte diese Pyramide ins Wanken geraten. Viele Tätigkeiten, die heute typischerweise von Einsteigerinnen und Einsteigern erledigt werden, kann KI erstaunlich gut übernehmen: Daten auswerten, Präsentationen vorbereiten, Analysen machen, Kundenanfragen beantworten. Also genau jene Arbeiten, bei denen junge Mitarbeitende bisher gelernt haben, wie ein Unternehmen funktioniert.
Weil die Unternehmen deshalb weniger Einstiegsjobs schaffen, verändert sich ihre Form. Aus der Pyramide wird ein Diamant: schmal unten, breit in der Mitte, schmal oben. Das führt zu geringeren Kosten – aber auch zu einem Problem: Denn die Mitte des Diamanten fällt nicht vom Himmel. Die erfahrenen Projektleiterinnen, Spezialisten und Teamleiterinnen von morgen sind die Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger von heute. Wenn Unternehmen eine Generation lang unten zu wenig ausbilden, fehlt ihnen später die Breite in der Mitte – und dann weiss keiner mehr, wie der Laden läuft.
Die Antwort kann also nicht sein, junge Menschen einfach durch Maschinen zu ersetzen. Viel klüger wäre es, Einstiegsjobs neu zu denken: weniger Fleissarbeit, mehr Kundenkontakt, mehr Problemlösung, mehr Verständnis fürs Geschäft. Kurz: weniger Kopieren, mehr Kapieren.
In der Kolumne «Die Wirtschaft sind wir» beschreibt der Ökonom und Unternehmensberater Niklaus Leemann, wie die Wirtschaft fester Bestandteil unserer Gesellschaft und unseres Lebens ist.