Niklaus Leemann
Im Fricktal ist Januar eigentlich Apéro-Saison: Vereinsanlässe hier, Neujahrsgruss dort – und am Stehtisch hört man plötzlich auffallend oft den Satz: «Für mich heute nur ein Mineral.» Dry January heisst das. Gut für den Kopf, ...
Niklaus Leemann
Im Fricktal ist Januar eigentlich Apéro-Saison: Vereinsanlässe hier, Neujahrsgruss dort – und am Stehtisch hört man plötzlich auffallend oft den Satz: «Für mich heute nur ein Mineral.» Dry January heisst das. Gut für den Kopf, noch besser für die Leber – und irgendwo in Bern räuspert sich leise die AHV.
Denn ja: Ein Teil unserer Altersvorsorge wird aus besteuerten «Lastern» mitfinanziert. Nicht, weil der Staat uns zum Trinken oder Rauchen motivieren will – eher, weil er weiss, dass Laster erstaunlich zuverlässig sind. Dazu gehören die Tabaksteuer, die Spirituosensteuer – und, etwas unerwarteter, die Spielbankenabgabe. Wenn im Januar weniger Hochprozentiges getrunken, weniger Zigaretten geraucht und vielleicht auch weniger Roulette gespielt wird, freut sich die Gesundheit – und die AHV bekommt einen kleinen … Schluckauf.
Jetzt keine Panik: Die AHV hängt nicht am Schnapsglas. Insgesamt fliessen jährlich etwas über 53 Milliarden Franken in den AHV-Fonds – rund 72 % davon kommen aus Lohnbeiträgen. Die besteuerten Laster tragen zusammen nur rund 3,5 % zu den Einnahmen bei: nicht weltbewegend, aber genug, um zu zeigen, wie eng Alltag und Staatsfinanzen manchmal zusammenhängen.
Wir lernen daraus: Unsere persönlichen Entscheidungen haben ökonomische Nebenwirkungen. Wer im Januar konsequent «Nein danke» sagt, verschiebt Nachfrage: weniger Umsatz in Beizen, weniger Abgaben für die AHV.
Und zum Schluss die Stammtisch-Pointe: Die Biersteuer fliesst übrigens nicht in die AHV. Wer sich also nach dem Dry January wieder eine Stange (oder zwei) gönnt, rettet nicht die AHV – unterstützt aber vielleicht die Arbeitsplätze vor der Haustür.
In der Kolumne «Die Wirtschaft sind wir» beschreibt der Ökonom und Unternehmensberater Niklaus Leemann, wie die Wirtschaft fester Bestandteil unserer Gesellschaft und unseres Lebens ist.