Einmal von der Leine gelassen, nehmen sie kein Blatt vor den Mund; halten höchstens noch den einen zerknüllten Fresszettel in der Hand und erklären die Welt. Am 30. Oktober kommen sie nach Möhlin, die «Slam-Poeten».
Ronny Wittenwiler
Bereits zum siebten Mal organisieren ...
Einmal von der Leine gelassen, nehmen sie kein Blatt vor den Mund; halten höchstens noch den einen zerknüllten Fresszettel in der Hand und erklären die Welt. Am 30. Oktober kommen sie nach Möhlin, die «Slam-Poeten».
Ronny Wittenwiler
Bereits zum siebten Mal organisieren Bibliothek und Offene Jugendarbeit den «Chäller-Slam» in Möhlin. Bei der Premiere vor sechs Jahren bedurfte es noch einiges an Auf klärungsunterricht. «Doch in letzter Zeit muss ich nicht mehr so oft erklären, was Poetry Slam ist», sagt Nadja Soder von der Bibliothek. «Poetry Slam ist auch hier bekannter geworden.» Dennoch räumt sie offen ein: «Solche Veranstaltungen sind in Städten oder grösseren Agglomerationsgemeinden populärer als auf dem Land.» Tatsächlich hat Poetry Slam urbane Wurzeln.
Übergeschwappt, manchmal übergeschnappt
Die Anfänge im Chicago der Achtzigerjahre, ist Poetry Slam ein Wettbewerb der Dichterkunst. Es geht darum, mit dem gesprochenen Wort die Gunst des Publikums zu erobern. Und so stehen sie dann eben da, die «Slam-Poeten», ohne Netz und doppelten Boden, vielleicht gerade noch diesen einen zerknüllten Fresszettel in Händen, und erklären dem geneigten Publikum die Welt oder irgendeinen anderen sonderbaren Planeten. Poetry Slam, aus den USA übergeschwappt, bisweilen übergeschnappt, ist vieles, nur nicht vorhersehbar: manchmal tiefgründig, manchmal nachdenklich stimmend, hin und wieder politisch, nur, um dann mit der nächsten Nummer des nachfolgenden Wettstreiters gleich wieder urkomisch zu sein. «Es hat einfach alles seinen Platz und für jeden etwas dabei», sagt Nadja Soder. Bemerkenswert sei zudem, dass die Kunstform auch beim Alter keine Grenzen kennt. «Wir hatten schon eine Poetry Slammerin mit rund siebzig Jahren auf unserer Bühne, genauso eine Sechzehnjährige.»
Man muss es halt gehört haben
Selbstverständlich hätten die Organisatoren in Möhlin zu gerne mal einen rappelvollen Steinli-Chäller. Doch sagt Nadja Soder auch: «Das tolle Feedback aus dem Publikum gibt uns Recht, dass wir dranbleiben und uns reinhängen.» Reinhängen werden sich auf der Bühne auch die fünf Wettstreiter, die dieses Mal ihre Aufwartung machen: Jessica Brunner, Ianique Sägesser, Sven Hirsbrunner, Mario Salas und Mia Luisa Glauser. Durch den Abend führt zum ersten Mal Jeremy Chavez, der gerade erst mit seiner Bühnenpartnerin Mia Ackermann in Hannover die deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften im Teamwettbewerb gewann. Doch zurück aufs Land: Wie war das nochmal mit einem rappelvollen Steinli-Chäller? Nadja Soder sagt es so: «Ich bin fest davon überzeugt, Poetry Slam würde so vielen gefallen, die bisher nicht im Entferntesten daran gedacht haben, so eine Veranstaltung zu besuchen.» Um das herauszufinden, gibt es nur eine Möglichkeit: Agenda hervorholen und den 30. Oktober fett anstreichen. Dann, wenn die Poeten ihre Fresszettel hervornehmen und damit die Welt erklären – oder einen anderen sonderbaren Planeten. Mal tiefgründig, mal humorvoll. Nie vorhersehbar.
7. Chäller-Slam: Freitag, 30. Oktober, 20 Uhr, Steinli-Chäller. Türöffnung 19.30 Uhr. Vorverkauf Bibliothek Möhlin (bibliothek@moehlin.ch) oder eventfrog.ch