Die Wasserfahrer sind im fünften Monat

  23.03.2026 Persönlich

Christian Herzog und das Eidgenössische in Rheinfelden und Möhlin

Geht es in Möhlin bachab, landet man immer in Rheinfelden. Dort treffen wir den OK-Präsidenten für das Eidgenössische Weidlings-Wettfahren (EWW).

Ronny Wittenwiler

Dieser Bach, wie hier der Rhein liebevoll genannt wird, verbindet nicht nur geografisch. 150 Jahre alt ist der Rhein-Club Rheinfelden; 100 Jahre der Wasserfahrverein Ryburg-Möhlin. Nun stemmen beide gemeinsam das Eidgenössische Weidlings-Wettfahren vom 3. bis 5. Juli. Die Wettkämpfe finden in Rheinfelden (Einzel) und Möhlin (Paarwettfahren) statt. OK-Präsident ist der Rheinfelder Christian Herzog, seines Zeichens auch Präsident des Rhein-Clubs. Seit 15 Jahren ist er in der Gemeinde Möhlin angestellt; zuerst elf Jahre als Badmeister, mittlerweile im Werkhof. Warum wir das so ausführlich betonen? Weil unter diesem Aspekt die an ihn gerichteten Fragen noch ein bisschen knackiger werden.

NFZ: Christian Herzog, wo ist der Rhein schöner: In Möhlin oder Rheinfelden?
Christian Herzog:
(schweigt eisern)

Sie dürfen mit dem Herzen entscheiden.
(Aha, er lacht!) Also mit dem Herzen ist er in Rheinfelden schöner. Auch wenn Möhlin mit dem «Stausee» auch seinen Reiz hat. Schon als Kind und Jugendlicher bin ich immer in den Rhein und liess mich treiben – das geht in Rheinfelden halt besser.

In Möhlin – bitte jetzt stark bleiben – sind dafür die Wasserfahrer schneller!
Die Rangliste spricht eindeutig für den Wasserfahrverein Ryburg-Möhlin.

Neidisch?
Ganz und gar nicht.

Was machen die Möhliner besser als die Rheinfelder?
Wir sind im Rhein-Club 15 Aktive, mit einer Ausnahme bin ich der Jüngste. Wir sind nicht derart breit aufgestellt wie Ryburg-Möhlin.

Fürs Eidgenössische sitzen Rheinfelder und Möhliner im selben Boot. Macht Sie das als OK-Präsident stolz?
Ja. Natürlich kennt man einander von den Wettfahren, vom Fischessen. Das jetzt ist aber etwas ganz anderes. Man lernt den Nachbarverein noch intensiver kennen. Ein Eidgenössisches allein zu organisieren, wäre nicht möglich.

Vor dreissig Jahren war eine solche Zusammenarbeit undenkbar?
Man liess einander vielleicht auch damals nicht hängen, wenn es hart auf hart kam. Ich glaube aber, die Rivalität zwischen Rheinfelden und Möhlin, die heute nur noch spasseshalber gepf legt wird, war früher viel ernster.

Wie erleben Sie die Zusammenarbeit fürs Eidgenössische?
Vor zwei Jahren dachten viele: das geht noch lang, da bleibt genug Zeit. Jetzt ist es plötzlich bald soweit, und alle ziehen am Karren. An einer OK-Sitzung Ende Oktober habe ich das Eidgenössische im Juli mit einer Schwangerschaft verglichen: Neun Monate vergehen manchmal cheibe schnell.

Kind geboren, Liebespaar glücklich – und ein Jahr später folgt die Heirat zwischen den Wasserfahrern Rheinfelden und Möhlin?
(Überlegt) Ich glaube, wir leben da eher in einer modernen Partnerschaft. Nein, wir heiraten nicht.

Der Rhein-Club ist massiv kleiner als der Wasserfahrverein Ryburg-Möhlin. Muss man um die Zukunft bangen?
Wenn ich Pech habe, bin ich irgendwann jener Präsident, über den in der Chronik steht, dass er der letzte gewesen sei. Ich hoffe es aber nicht und setze alles daran, dass sich die Situation wieder ändert.

Ist es vermessen darauf zu hoffen, dass das Eidgenössische zuhause dem Rhein-Club neuen Schub gibt?
Dass ich mit 40 Jahren praktisch der Jüngste vom harten Kern bin, zeigt, dass bereits in der Vergangenheit die Nachwuchsförderung nicht gut lief. Die Pontoniere in Rheinfelden haben uns längst den Rang abgelaufen. Sie sind in der Öffentlichkeit viel präsenter und haben regelmässig Nachwuchs.

Je kleiner der Verein, desto grösser der Aufwand für jeden Einzelnen.
Mit dem Eidgenössischen und dem Fischessen steht uns ein strenges Jahr bevor. Doch danach sind wir gefordert, die Problematik mit den Jungen anzugehen. Im Hinblick auf die Generalversammlung 2027 will ich mit einer Umfrage den Puls fühlen: Wo sehen unsere Leute den Rhein-Club in fünfzehn Jahren? Entsprechend gilt es dann, die Dinge an die Hand zu nehmen und nach Möglichkeit die Jungen wieder zu uns an den Bach zu bekommen.

Was fasziniert Sie am Wasserfahren?
Jeder weiss, worum es beim Fussball geht. Als Wasserfahrer darfst du immer wieder mal erklären, was du machst. Das gefällt mir. Du bist draussen in der Natur, auf dem Fluss, bewegst ein Boot, es ist ein Kraftsport. Und die Kameradschaft im Rhein-Club ist riesig. Ein kleiner Verein zu sein, hat nicht nur Nachteile.

Ihr habt im Festzelt fast an einem Tisch Platz.
Wir sind einfach zu wenige, als dass sich einzelne Grüppchen bilden würden.

Wie ehrgeizig sind Sie als Wasserfahrer?
Zwischen zwanzig und dreissig war der Ehrgeiz grösser. Das Erlebnis steht im Vordergrund. Jedem, der Zeit aufwendet und trainiert, mag ich den Kranz gönnen – es wäre frech, würde ich ihn holen.

Zwei Fragen zum Schluss – und denken Sie bitte daran, wo Sie arbeiten und mit welchem Partnerverein Sie das Eidgenössische organisieren.
(Schweigt)

Wer gewinnt das Eidgenössische?
Natürlich der Rhein-Club Rheinfelden! (lacht) Will ich realistisch sein, räume ich unseren Kollegen aus Möhlin sehr gute Chancen ein – und ich hoffe natürlich für sie, dass sie putzen.

Der Rhein ist in Rheinfelden am schönsten, sagen Sie. Wo ist er am zweitschönsten?
In Möhlin … unterhalb des Kraftwerks!

Hinweis an alle Leser: Das ist bereits Rheinfelder Boden.
Also gut: Der Möhliner «Stausee» oberhalb des Kraftwerks mit dem Bürkli und der Wasserfahrhütte ist wirklich idyllisch und wunderschön gelegen.

Damit steht einer glücklichen Partnerschaft nichts mehr im Weg.
Ja, absolut.

Alles über das Eidgenössische
Weidlings-Wettfahren 2026 in Rheinfelden und Möhlin im Internet: www.eww26.ch
www.rcrheinfelden.ch www.wfvryburg-moehlin.ch


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