Die Urzeit mit allen Sinnen erleben
12.03.2026 LaufenburgEin internationales Künstlerteam widmet sich den «Energien» urzeitlicher Fossilien
Zur Feier seines 25-jährigen Bestehens widmet sich das Laufenburger Rehmann-Museum einem in doppeltem Wortsinne «ur»-fricktaler Thema: Den verborgenen Energien und den Spuren ...
Ein internationales Künstlerteam widmet sich den «Energien» urzeitlicher Fossilien
Zur Feier seines 25-jährigen Bestehens widmet sich das Laufenburger Rehmann-Museum einem in doppeltem Wortsinne «ur»-fricktaler Thema: Den verborgenen Energien und den Spuren des Lebens in Fossilien und Gesteinen der Urzeit.
Michael Gottstein
In der Ausstellung, die am Freitag, 13. März, eröffnet wird und bis Sonntag, 5. Juli, dauert, erwarten die Besucher immersive Installationen unter dem Titel «Énergies fossiles», geschaffen von einem internationalen Künstlerteam. Indem die Wissenschaft Fundstücke akribisch genau datiert und dokumentiert und bei etwaigen Rekonstruktionen vorzeitlicher Lebenswelten die Grenzen des Wissens streng mitreflektiert, liefert sie ein faktengestütztes, aber notwendigerweise bruchstückhaftes und vor allem intellektbasiertes Bild der Frühund Urgeschichte. Diese Lücken aufzufüllen, ist die Kernaufgabe der Kunst, die an die Fantasie und an alle Sinne der Betrachter appelliert und nicht nur in der Sphäre des Tatsächlichen, sondern auch im Bereich des Möglichen agiert.
Genau dies ist das Anliegen der Ausstellung, deren Konzept von den Künstlerinnen, der Geschäftsführerin Patrizia Solombrino, dem Kurator Michael Hiltbrunner und dem Vorsitzenden des Stiftungsrates, Rudolf Lüscher, am Freitag vorgestellt wurde. Unter Leitung der Künstlerin und Musikerin Pauline Marx, die in der Nähe von Brest in der Bretagne lebt, wurde ein multisensorisches und immersives Gesamtkunstwerk geschaffen, das in die Welt der Urzeit führt – das Konzept der immersiven Räume ist in der aktuellen Kunstszene sehr verbreitet. Dem Anspruch des Rehmann-Museums folgend, lokale Verbundenheit mit dem Blick über die Grenzen hinweg zu verbinden, wurden Künstler aus der unmittelbaren Region wie auch aus dem Ausland eingeladen; es gibt auch zahlreiche Begleitveranstaltungen.
Die Künstlerinnen und Künstler
Pauline Marx ist eine multidisziplinäre Künstlerin, die Performance, Keramik und Klangkunst verbindet. Aëla Maï Cabel (Paris) arbeitet ebenfalls interdisziplinär und verbindet Keramik, Performance und Publizistik. Karola Kauffmann (Hottingen, DE) ist eine Handweberin, die traditionelles Handwerk mit Experimentierfreude verbindet. Maëtte Lannuzel (Brest, FR) ist der Pflanzenwelt eng verbunden und auf die Destillation ätherischer Öle, passend zum «alchimistischen» Konzept der Ausstellung, spezialisiert. Vica Pacheco (Mexiko und Brüssel) arbeitet mit experimenteller Musik, Keramik und 3D-Animation und wird aussergewöhnliche Klangwelten erschaffen. Mit dabei sind auch Théophile Peris (Marseille, FR) und Tatiana Karl Pez (Toulouse, FR), die in ihren Performance-Vorstellungen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verwischt. Die Publikationen Jérémy Piningres (Paris) zeichnen sich durch die Fusion unkonventioneller Sprachebenen aus. Frauke Roloff (Schopf heim, DE) erweckt archaische Techniken aus der Frühgeschichte der Keramik zum Leben und nutzt Rauch und Flammenfärbung, um den Oberf lächen einen besonderen Glanz zu verleihen. Die Keramiken Nika Schudels (Laufenburg, CH) sind von Symbolen und Mythen sowie persönlichen Erlebnissen inspiriert.
Das Projekt schlägt eine Brücke zwischen Kunst, Alchimie und Wissenschaft, indem es regionale Materialien aus dem Jurapark Aargau verwendet und mit Licht-, Duft- und Klanginstallationen eine längst vergangene Welt zum Leben erweckt und dabei historisch abgesichertes Wissen mit Fantasie belebt, weshalb das Motto «Fossible» lautet: Eine Kontraktion aus Fossilien und possible (möglich).
Wie kam es zur Ausstellung?
Kurator Michael Hiltbrunner wurde einst durch Tonkassetten auf ein Konzert aufmerksam, das Pauline Marx unter dem Titel «Le diable dégoûtant» gegeben hatte. Mit der Idee zu einer Ausstellung im Hinterkopf, besuchte er die Musikerin und Künstlerin in Brest. Bei ihrem Gegenbesuch in der Schweiz besichtigte Pauline Marx die Fricker Tongrube, in der zahlreiche Fossilien von Dinosauriern entdeckt worden waren. Sie nahm Ton aus dem Fricktal mit nach Frankreich, experimentierte mit Formen und Glasuren, entwickelte die Idee zur Ausstellung «Énergies fossiles» und lud Künstlerkollegen zur Teilnahme ein. Einige der Kreativen aus Frankreich kannten sich schon aus anderen Kooperationen, in dieser personellen Konstellation stellen sie aber zum ersten Mal aus. «Sie sind meistens um die 30 Jahre alt und arbeiten wieder mit alten Handwerkstechniken, nachdem die Kunst eine zeitlang recht technisch wurde», sagte der Kurator und dankte dem Fricker Sauriermuseum für die Leihgaben.
Was erwartet die Besucher?
Vor dem Eingang ist ein Textilkunstwerk ausgestellt, auf dem Maëtte Lannuzel einen prähistorischen Farn, der wesentlich grösser war als die heutigen Farne, detailreich nachgebildet hat. Vorbei an den Keramiken Nika Schudels, die Märchen, Symbole und Mythen aufgreifen, führt der Weg zu einem schwarz ausgekleideten Raum, der von einer Keramiklampe erhellt wird. Pauline Marx hatte sie aus Fricktaler Ton geformt, mit Kupferglasur dekoriert und mit Glaseinsätzen versehen, die ihre grüne Färbung der Asche von Pf lanzen verdanken. Im grossen Erdgeschossraum sind Karola Kauffmanns Textilien ausgestellt, die aus ungewöhnlichen Materialien wie uralter Seide, aber auch Magnetbändern gewebt sind.
Im Obergeschoss vermischen sich Urzeit und Gegenwart, Fantasie und Realität: Präsentiert werden die archaisch wirkenden Keramiken Frauke Roloffs, und in den Vitrinen sind Leihgaben des Sauriermuseums den Keramiken der zeitgenössischen Künstler gegenübergestellt, wobei die Unterscheidung zwischen alten und «neuen» Fossilien nicht immer ganz leicht fällt. Eine besondere Rarität stammt von Erwin Rehmann höchstpersönlich, hatte er doch ein echtes Fossil in Metall eingearbeitet. «Er glaubte, dass auch Metalle lebendig seien», so Patrizia Solombrino. Vorhänge, die in Form einer Spirale aufgehängt werden, bilden ein Labyrinth, in das die Besucher eintauchen können. Das immersive Erlebnis wird durch chtonische Klänge und Düfte verstärkt. Für den letzten Raum haben Aëla Maï Cabel und Maëtte Lannuzel urzeitliche Tiere wie Riesenskolopender und Schildkröten in Stoff und Keramik nachgebildet. So bedauerlich das Artensterben ist – diesen Tieren trauert kaum jemand nach.


