Die Stimme aus dem Radio
18.03.2026 RheinfeldenSusanne Brunner: Kriege und Frieden im Nahen Osten
Am Mittwoch, 25. März 2026, kommt Susanne Brunner, die Ausland-Chefin von Radio SRF, nach Rheinfelden. Sie berichtet im Gespräch mit Ueli Mäder über ihre langjährige Erfahrung im Nahen Osten und die aktuelle ...
Susanne Brunner: Kriege und Frieden im Nahen Osten
Am Mittwoch, 25. März 2026, kommt Susanne Brunner, die Ausland-Chefin von Radio SRF, nach Rheinfelden. Sie berichtet im Gespräch mit Ueli Mäder über ihre langjährige Erfahrung im Nahen Osten und die aktuelle Lage.
Susanne Brunner kam 1964 in Wetzikon zur Welt. Sie wuchs in Kanada, Schottland, Deutschland und in den Kantonen Glarus und Freiburg auf und schloss ihre Ausbildung zur Journalistin an der Carleton University in Ottawa ab. Zum Studium motivierte sie «wahrscheinlich die Erfahrung, dass meine vielen kritischen Fragen während meiner Schulzeit nur selten zufriedenstellend beantwortet wurden», erklärt sie.
«Die Entmenschlichung»
Brunner begann ihren beruflichen Weg 1986 beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, zunächst bei Radio DRS 3, danach bei der Nachrichtensendung «10 vor 10». Ab 2000 war sie Korrespondentin auf mehreren Stationen: zunächst in San Francisco, dann für die Westschweiz in Lausanne. «Ich weiss nicht», meint sie zu ihren US-Kenntnissen, «ob man die USA im Moment wirklich verstehen kann.» Damit hätten sogar viele Amerikanerinnen und Amerikaner Mühe. Sie selbst lebte zu Zeiten von 9/11 in den USA, «also zu einer Zeit, welche 2003 in den US-Angriff auf den Irak mündete». Der aktuelle Iran-Krieg erinnere sie an die Erfahrungen dieser Zeit.
Von 2006 bis 2018 führte Brunner fürs Radio weit über tausend Tagesgespräche. Heute ist sie ab und zu selbst Gast in dieser Sendung. Zum Beispiel, wenn es gilt, aktuelle Nahost-Ereignisse zu verorten. Von 2018 bis 2022 arbeitete Brunner von Ammann (Jordanien) aus als Nahostkorrespondentin. «Leid zu verarbeiten», sagt sie, auf die schwierigen Verhältnisse angesprochen, das gehöre «zu jedem menschlichen Leben». Mehr Mühe bereiten ihr «die Entmenschlichung und die Empathielosigkeit, wie ich sie besonders, aber nicht nur, in Kriegen beobachte». So habe ihr einst ein bekannter Aktivist in Karbala (Irak) in einem Interview zur blutigen Niederschlagung von Anti-Regierungsprotesten 2020 gesagt, nichts sei «billiger als irakisches Blut». Wenig später sei er selbst erschossen worden, ergänzt Brunner. «Und kaum jemand kümmerte die vielen Toten.»
Immer noch viel unterwegs
Seit 2022 leitet Susanne Brunner die Auslandredaktion von Radio SRF. Für ihre «Leidenschaft für den Journalismus» erhielt sie 2024 den Preis «Schweizer Journalistin des Jahres». Sie habe nun kaum weniger Zeit für Recherchen und Reportagen, bemerkt die erfahrene und engagierte Journalistin. Sie reise noch immer mehrmals pro Jahr in ihr Berichtsgebiet und sei als Ausland-Redaktorin im Dauereinsatz. «Ich bin zwar die Chefin der Auslandredaktion von Radio SRF», konkretisiert sie, «aber ich habe ein erwachsenes, selbständiges, hochmotiviertes Team, das auf der ganzen Welt verstreut ist.» Mit ihrem Team verbinde sie das journalistische Herzblut. Management gehöre zwar auch zum Job, als Chefin sei sie jedoch «glaubwürdiger und nützlicher, wenn ich, wie mein Team, im ‹Feld› statt nur im Büro bin».
Am 15. Januar 2026 berichtete Susanne Brunner, wie der palästinensische Schriftsteller Akram Surani den zerstörten Gazastreifen erlebt. Mit viel Angst, Verzweiflung und manchmal scheine, trotz allem, ein wenig Humor auf. Und was empfindet Brunner selbst, gerade jetzt, im Kontext des Iran-Krieges? «Ohne Zuversicht», antwortet sie, «wäre ich schon lange nicht mehr Journalistin.»
Am 3. März 2026 führte Brunner wieder ein Gespräch mit Akram Surani. Der Iran-Krieg habe das Leiden im Gazastreifen verdrängt und mache die Lebensbedingungen noch schwieriger, stellte er fest. «Jetzt haben wir Angst, dass der Gazastreifen in diesen Krieg hineingezogen wird. Wir sehen die Kampff lugzeuge, hören die Explosionen, und wir legen eine Hand aufs Herz in der Hoffnung, dass es uns nicht wieder mit voller Wucht trifft.» (mgt)
Mittwoch, 25. März, 19.30 bis 21 Uhr, im Hotel Schützen, Bahnhofstrasse 19, Rheinfelden. Gast ist: Susanne Brunner. Musik: Peter Schmid. Moderation: Ueli Mäder. Eintritt: 15 Franken. Anmeldung erforderlich: www.schuetzenhotels.ch/de/entdecken

