Die Mühle in der Mühle
29.09.2026 FricktalVor 50 Jahren kamen Bözener Mahlwerk und Wasserrad nach Aarau
Vom Schlossplatz kommend hinunter zum Stadtbach, ist die Schlossmühle Aarau mit ihrem grossen Wasserrad gut sichtbar. Seit 1976 steht sie dort, umgeben von altem Baumbestand. Das Herzstück der Anlage stammt jedoch aus ...
Vor 50 Jahren kamen Bözener Mahlwerk und Wasserrad nach Aarau
Vom Schlossplatz kommend hinunter zum Stadtbach, ist die Schlossmühle Aarau mit ihrem grossen Wasserrad gut sichtbar. Seit 1976 steht sie dort, umgeben von altem Baumbestand. Das Herzstück der Anlage stammt jedoch aus Bözen. Am Samstag wurde das 50-Jahr-Jubiläum gefeiert.
Petra Schumacher
Im Zusammenhang mit der Landbeschaffung für den Bau der A3 kam der Kanton Aargau in den Besitz einer alten Getreidemühle in Bözen. Für die Mühle, deren Geschichte bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht, fand sich zu diesem Zeitpunkt in Bözen keine Verwendung. So schenkte die Gemeinde Bözen deren Mahlwerk und das hölzerne Mühlrad den Aarauern Ortsbürgern. 1974 wurde die historische Mühleanlage in Bözen abgebaut, nach Aarau gebracht und in einem neuen Gebäude wieder aufgebaut. 1976 wurde die heutige Schlossmühle eröffnet.
Mühle mit Migrationshintergrund
Am letzten Samstag fand im Beisein von Aaraus Stadtpräsidenten Hanspeter Hilfiker an der Mühle ein Festanlass zum 50-Jahr-Jubiläum statt. Nachdem 1966 die letzte der drei Aarauer Mühlen bei einem Brand vernichtet worden war, errichtete man die heutige Mühle an Stelle eines ursprünglichen Schopfs der Schuhfabrik Bally. Paul Knoblauch, Präsident der Gesellschaft zur Schlossmühle, erklärte: «Eigentlich können wir hier von einer Mühle in der Mühle sprechen. In unserer Aarauer Mühle steckt nämlich das Mahlwerk der Bözener Mühle.» Auf einem der vier Sockelsteine des Mühlestuhls findet sich so auch gut sichtbar das Wappen der Heuberger mit der Jahreszahl 1577. «Auch das vier Meter hohe und einen Meter breite Wasserrad mit seinen 30 offenen Holzschaufeln stammt aus Bözen», ergänzt Bözens Alt-Gemeindeammann Daniel Büeler, der dem Festakt beiwohnte. «Mit meiner Familie, mein Vater war Bäcker, waren wir die Nachbarn der Mühle». Der Historiker Walter Amsler, der ein Buch über diese Mühlengeschichte geschrieben hat, spricht von einer Mühle mit Migrations hintergrund. Zu Beginn der 1980er-Jahre konnten Schulkinder in der Mühle den gesamten Weg vom Getreidekorn bis zum fertigen Brot kennenlernen. Die Projektwochen «Mahlen mit Schul klassen» stiessen auf reges Interesse. Doch Mitte der 1980er-Jahre fiel die Mühle zunehmend in den Dornröschenschlaf. Anfang der 1990er-Jahre wurden die vorerst letzten Mahltage durchgeführt.
Danach stand die historische Anlage viele Jahre lang weitgehend still.
Getreide-, Gewürz- und Senfmühle
Erst 2017 erlebte die Mühle einen neuen Aufschwung. Die Stadt Aarau schrieb die Liegenschaft zur Neunutzung aus. Den Zuschlag erhielt das Konzept der Aarauer Gewürzmanufaktur Chalira. Um den Umbau, die Wiedereröffnung und den Betrieb zu unterstützen, wurde im Juli 2018 der Verein «Gesellschaft zur Schlossmühle Aarau» gegründet. Gemeinsam mit der Stadt und Chalira entwickelte der Verein ein Nutzungskonzept, das historisches Handwerk, zeitgemässe Lebensmittelproduktion und öffentliche Veranstaltungen miteinander verbindet.
In den Jahren 2019 und 2020 erfuhr das Gebäude einen umfassenden Umbau. Gleichzeitig erfolgten erstmals seit dem Wiederaufbau in Aarau eine Revision und Restaurierung des Getreidemahlwerks. Im Herbst 2020 öffnete die Schlossmühle erneut ihre Türen. «Zum Glück können wir von einer erfolgreichen Migrationsgeschichte sprechen», so Paul Knoblauch. «Heute verbindet die Schlossmühle, als Freilichtmuseum, historisches Müllerhandwerk mit moderner Gewürz- und Senfproduktion. Hier wird produziert und gleichzeitig gezeigt, dass Geschichte nicht hinters Glas gehört, sondern gelebt werden kann.»
Literaturtipp: Walter Amsler «Zwei Mühlen-eine Geschichte»

