«Die Konkurrenz wurde unerbittlich»
01.02.2026 FokusEin direkter Nachfahre des Gründers berichtet vom Salmenbräu
Jahrzehntelang gab es zwei grosse Brauereien in Rheinfelden: Vor rund 225 Jahren braute Franz Joseph Dietschy in der Altstadt das erste Salmenbräu. Sein direkter Nachfahre Carlo Habich hat noch ...
Ein direkter Nachfahre des Gründers berichtet vom Salmenbräu
Jahrzehntelang gab es zwei grosse Brauereien in Rheinfelden: Vor rund 225 Jahren braute Franz Joseph Dietschy in der Altstadt das erste Salmenbräu. Sein direkter Nachfahre Carlo Habich hat noch Kindheitserinnerungen an die Brauerei im heutigen Salmenpark: Sein eigener Vater war dort bis 1971 der letzte Direktor.
Boris Burkhardt
Carlo Habich erinnert sich noch gut an den Konkurrenzkampf in seiner Kindheit: «Die Restaurants im Schweizer Rheinfelden waren in Salmenbräu- und Feldschlösschen-Restaurants getrennt wie einst die Gläubigen in Reformierte und Katholiken.» Habich, Jahrgang 1957, hat die harte Konkurrenz auch in der Familie zu spüren bekommen; er ist in sechster Generation direkter Nachkomme von Franz Joseph Dietschy (1770– 1842), Schweinehändler aus Pfaffenberg bei Zell im Wiesental, Stadtammann und Gastwirt im Schweizer Rheinfelden und Gründer der Salmen-Brauerei. Carlo Habichs Vater Robert Carl Habich-Jagmetti (1915– 1988) war von Beruf Ingenieur; er führte die Familientradition der Brauerei aber trotzdem mit Freude fort, wie Carlo Habich berichtet.
Der letzte Direktor
Doch sein Vater sollte der letzte Direktor der Salmenbrauerei sein: «Beide Rheinfelder Brauereien fingen an, sich die Restaurants gegenseitig abzujagen, nicht nur in Rheinfelden, auch in Basel. Die Konkurrenz durch die Feldschlösschen-Brauerei wurde schliesslich unerbittlich.» 1971 wurde die Salmenbrauerei aufgelöst, die Produktionsanlagen von der Sibra Holding mit der bekanntesten Marke Cardinal übernommen. 1991 übernahm als Ironie der Geschichte die Feldschlösschen-Brauerei selbst die Brauereianlagen, bis sie 2002 endgültig geschlossen und in das Wohngebiet Salmenpark umgewandelt wurden.
Heute steht Carlo Habich im Gespräch mit der NFZ vor dem Stammhaus des Salmenbräus in der Marktgasse 10. Es ist ein aussergewöhnlich breites Gebäude: Tatsächlich waren es ursprünglich drei, die Ende des 18. Jahrhunderts vereint wurden. Unter den vielen Ornamenten der farbigen Fassadenbemalung stechen zwei Hexagramme hervor, das heute oft mit dem Davidstern verwechselte Zunftsymbol der Winzer und Brauer, mit einem Lachs darin. Dasselbe Emblem hängt als goldenes Wirtshausschild auf die Strasse hinaus. Auf dem Querbalken des Erdgeschosses steht die Aufschrift «Brasserie zum Salmen – bis 1884 Braustätte des Rheinfelder Urbräu – vormals Dietschy’s Bierhaus». Heute haben sich im Erdgeschoss ein Bistro und ein Kleiderladen eingerichtet; die oberen Stockwerke sind zu Wohnungen ausgebaut.
Hier fing alles an
In diesem Haus übernahm Carlo Habichs Urururgrossvater Franz Joseph Dietschy 1799 die Wirtschaft. «Damals brauten Wirtsleute ihr eigenes Bier», erklärt Carlo Habich. Sein Vorfahre sei aber ein «gewiefter Viehhändler, ein Business-Man» gewesen, der bald nicht nur für die eigenen Gäste gebraut und den Absatzmarkt seines Bieres bis nach Aarau, Basel, Liestal und Schopfheim erweitert habe. «Er muss sehr erfolgreich gewesen sein», sagt Carlo Habich: «Zum Salmen gehörte ab 1842 das benachbarte Haus zur Sonne inklusive Stallungen; bereits 1825 baute er das Haus Salmegg auf der badischen Rheinseite.» Im Hinterhaus zur Rheinseite hin (heute Marktgasse 10b) befand sich bis 1990 ein grosser Theatersaal. Dietschy kaufte auch die säkularisierte Johanniterkommende samt Ställen ganz im Nordosten der Altstadt: «Für eine Brauerei war eine grosse Landwirtschaft nötig.»
Der Sohn Alois Dietschy (1810– 1858) stieg mit der ersten Dampfmaschine in die industrielle Produktion ein, die wiederum sein Schwiegersohn Carl Habich-Dietschy (1845– 1928), ein Nachkomme des badischen Freiheitskämpfers Karl Ludwig Habich (1817–1900) aus Achern in Nordbaden, ausbaute und dafür erstmals Eiskeller am Rheinufer anlegte, dort, wo 1884 die Brauereianlagen entstanden, acht Jahre nach Gründung der Brauerei Feldschlösschen. Das Brauwasser bezog das Salmenbräu von den Quellen südlich der Brauerei und nördlich der Bahnlinie: Von diesen zeugt heute noch der Name Quellenstrasse.
Die weit verzweigte Familie Habich-Dietschy schenkte das Haus zur Sonne vor rund 100 Jahren der Stadt Rheinfelden, die später in dem Anwesen das Fricktaler Museum einrichtete. «Wir fühlen uns bis heute dem Museum stark verbunden», sagt Carlo Habich. Vieles, was er über das Haus und seine Familiengeschichte wisse, verdanke er seiner Mutter Antoinette Habich-Jagmetti, die heute 98 Jahre alt ist. Obwohl sie in die Familie eingeheiratet sei, kenne sie deren Geschichte am besten.
Carlo Habich wohnt heute unweit des Salmenparks. Aufgewachsen ist er am Stadtbach östlich der Altstadt im «Rhyhus» genannten Haus: «Das hatte mein Grossonkel 1929 erbaut – ein anderer Carl Habich.» Aus Verbundenheit zur Familiengeschichte studierte Carlo Habich Agrarindustrie. Mit dem Bierkonsum hat er sich laut eigener Aussage jedoch sein ganzes Leben zurückgehalten. «Ich habe aber auch mal ein Feldschlösschen getrunken, gesteht er.





