«Die innere Flamme muss brennen»
06.05.2026 PersönlichCyrill Zumsteg ist Fahrchef und Vizepräsident der Pontoniere Sisseln
Seit fünf Jahren ist er im Amt, hat manche Sachen umgekrempelt, hält bewusst an Traditionen fest und ist zudem vom Sport auf dem Wasser noch immer begeistert – Cyrill Zumsteg ist mit Herzblut ...
Cyrill Zumsteg ist Fahrchef und Vizepräsident der Pontoniere Sisseln
Seit fünf Jahren ist er im Amt, hat manche Sachen umgekrempelt, hält bewusst an Traditionen fest und ist zudem vom Sport auf dem Wasser noch immer begeistert – Cyrill Zumsteg ist mit Herzblut Pontonier in Sisseln.
Petra Schumacher
«145 Jahre» steht über dem Pontonierhaus in Sisseln – ein Verein mit langer Tradition. Damit ein Verein so lange bestehen kann, braucht es immer wieder Anpassungen. «Gewisse Grundpfeiler, auf denen der Verein gegründet wurde, haben Bestand, damit es aber im Hier und Jetzt funktioniert, sind immer mal wieder Änderungen nötig», ist Cyrill Zumsteg, Jahrgang 1993, überzeugt. Der Pontonier ist seit 2021 Fahrchef und Vizepräsident vom Verein.
Generationenwechsel
Es ist überall gleich, wenn etwas nicht gut ist, wird reklamiert, gelobt wird eher zögerlich. Daher fällt auf, dass der Verein vermehrt positive Rückmeldungen im Dorf und darüber hinaus erhält. «Das Feedback freut uns», so Cyrill Zumsteg. «Wir sind nun mal kein Fischessen-Verein, wir wollen als Fahrverein sichtbar werden und dafür investieren wir auch gern unsere Zeit für andere Aktivitäten in der Gemeinde.»
Cyrill Zumsteg steht als Vorderfahrer seit 2003 im Schiff, erst im Weidling, später im Boot. «Ich bin Quereinsteiger», erzählt er schmunzelnd. «Ein Kollege vom Turnverein Eiken hat von Sisseln erzählt und mich mitgenommen und für mich hat es direkt gepasst.» Nicht nur im Schiff ist Cyrill Zumsteg mit seinem Steuermann Manuel Kälin ein starkes Doppel, auch im Verein wirken sie als Duo. Manuel Kälin ist seit fünf Jahren Vereinspräsident. «2021 gab es bei uns im Verein einen Umbruch. Der Vorstand wurde neu gewählt. Im Schnitt sind wir alle um die 30 Jahre alt. Damit kam natürlich ein frischer Wind in den Verein. Ich danke den älteren Pontonieren, dass sie den Wechsel mitgetragen haben.»
Auf dem Wasser geerdet
«Der Pontoniersport ist mir wichtig. Wenn ich auf dem Wasser bin, kann ich total abschalten. Mich erdet das», erzählt Cyrill Zumsteg. «Aber auch der Sport selber gefällt mir. Das Trainieren und Fahren als Team und die Erlebnisse an Wettfahrten, auch mit dem gesamten Verein, bedeuten mir viel. Wenn ich daran denke, wie wir 2007 in Diessenhofen im Einzel den dritten Platz gemacht haben und mit der Sektion Schweizer Meister wurden, bekomme ich Hühnerhaut.»
Kategorie eins im Blick
«Wir sind froh, dass wir noch viele ältere Aktive im Verein haben, auf die wir zählen können, aber wie für alle Vereine, ist auch für uns die Nachwuchsförderung wichtig», so der Pontonier. «Mir liegen die Jungen wirklich am Herzen. Sie sollen bei uns nicht nur sportlich gefördert werden, sondern auch den Vereinsgeist im positiven Sinne kennenlernen. Der Pontoniersport steht, wie kaum eine andere Sportart, für die Generationenvielfalt. Der Zusammenhalt im Verein und die Wertevermittlung stärken die Jungen. Vielleicht bin ich da etwas konservativ, aber es freut mich, wenn uns die Jungpontoniere ganz selbstverständlich zur Begrüssung die Hand geben und uns dabei anschauen. Inzwischen haben wir auch von Eltern Rückmeldungen, dass sie es schätzen, dass ihre Kinder hier diese Unterstützung bekommen.»
Aufwärmen fürs Team
Als Fahrchef erstellt Cyrill Zumsteg Trainingspläne, organisiert Auswärtstrainings, hat viele administrative Aufgaben rund um die Wettfahrten und führt den Verein in den Wettkämpfen. Motivation und Teamgeist haben Priorität. «Es heisst, ich habe alte Gewohnheiten umgekrempelt», meint Cyrill Zumsteg mit einem breiten Lächeln. «Ich habe die Aufwärmübungen in der Gruppe von allen Fahrern vor dem Wettfahren eingeführt. Als sie den Hampelmann machen sollten oder Rumpfübungen, haben mich die älteren Aktiven schon schräg angeschaut. Aber sie haben mir vertraut und mitgemacht. Und inzwischen merken auch sie, dass das nicht nur dem Aufwärmen hilft, sondern das Team verbindet.» Er führt weiter aus: «Die Motivation muss stimmen. Deswegen gibt es vor jedem Wettkampf eine Ansprache von mir. Ich möchte jeden Einzelnen stärken und anspornen – die innere Flamme soll in dem Moment brennen.»
Geradlinige Kommunikation
Eine gute Kommunikation, ein offener Umgang und das Moderieren zwischen den Generationen sind für den Fortbestand des Vereins wichtig, ist die Einschätzung von Cyrill Zumsteg. «Früher waren die beiden Trainingstage in der Woche festgesetzt. Es gab eine Anwesenheitspf licht. Das ist aus meiner Sicht heute nicht mehr machbar. Beruflich und privat läuft bei allen so viel, da braucht es auch beim Sport Flexibilität. Ich setze auf eine offene Kommunikation. Mir kann ehrlich gesagt werden, wenn mal ein Abend mit der Freundin wichtiger ist, als eine Trainingseinheit auf dem Rhein. Wenn ich sehe, dass dafür dann an einem anderen Tag trainiert wird, passt das für mich.
Das Miteinander ist wichtig
Neben den sportlichen Aktivitäten steht auch das Vereinsleben auf der Agenda vom Fahrchef. «Das Miteinander schätzen wir als Pontoniere sehr. Das ist auch ein grosses Anliegen von Manuel Kälin, unserem Präsidenten. Er investiert dafür recht viel von seiner Zeit; und es freut uns, dass wir in den fünf gemeinsamen Jahren auch da etwas zusammen geschafft haben. Wenn wir nach dem Freitagstraining am Abend ein Feuer am Vereinshaus anmachen, bleiben viele hocken. Gerade auch die Jungen, die sonst ja noch viel in den Ausgang gehen. Das ist doch ein deutliches Zeichen.»

