Die hela ist ein Leuchtturm
01.10.2026 FricktalEin Interview mit Stadtammann René Leuenberger
Am Wochenende vom 9. bis 11. Oktober findet die 76. Herbstmesse in Laufenburg statt. René Leuenberger kennt die hela aus vielen Perspektiven: als Gewerbetreibender, als Aussteller, als Besucher und seit Anfang Jahr als Stadtammann. Kaum jemand dürfte deshalb einen vielseitigeren Blick auf den Laufenburger Grossanlass haben. fricktal.info hat ihn zum Interview getroffen.
Sonja Fasler
fricktal.info/NFZ: Sie kennen die hela seit Ihrer Kindheit. Haben Sie je eine verpasst?
René Leuenberger: Nein, die hela ist Pflichtprogramm.
Haben Sie noch besondere Erinnerungen an damals?
Als Kind war die hela einfach ein Fest. Der Lunapark mit Schiffchen-Schaukel und Putschiautobahn war natürlich ein Highlight. In meiner Jugend gab es noch viele Ladenstände auf der Burgmatt. Auch unser Geschäft war dort vertreten – ein anderes war Spielwaren Binkert. Das war der Renner bei den Kindern, und bei den Jungs vor allem die Spielzeugpistolen mit Plastikkügelchen. Binkert hatte einen tollen Erfolg, wir hatten einen Heidenspass und verbrannten unser gesamtes Sackgeld. Bevor es den Markt gab, den mein Vater als hela-OK-Mitglied später initiiert hat, fuhr noch das hela-Bähnchen zwischen Lunapark auf der Burgmatt und der Gewerbeausstellung in der Stadthalle. Das Strassenzüglein, wie man es aus Stadtrundfahrten kennt, transportierte die Besucher zwischen den beiden Örtlichkeiten hin und her.
Erwachsene zahlten 50 Rappen, Kinder fuhren gratis. Auch die Helikopterf lüge, die heute zum festen Programm gehören, waren früher eine Sensation.
Heute haben Sie ganz unterschiedliche Sichtweisen auf die hela. Sie sind seit bald 30 Jahren aktiv involviert als Gewerbetreibender und Aussteller – Sie führen in dritter Generation zusammen mit Ihrem Bruder einen Gartenbaubetrieb. Sie sind Mitglied im Gewerbeverein, früher sogar im Vorstand, sind Genossenschafter der hela. Und nun erleben Sie die Messe zusätzlich aus der Perspektive des Stadtammanns. Was hat sich dadurch an Ihrem Blick auf diesen Anlass verändert?
Es ist klar, dass man aus Behördensicht die hela im gewohnten Rahmen unterstützt. Sie ist zweifellos einer der Leuchtturmanlässe im Jahr für die Stadt. Die hela strahlt bis weit über ihre Grenzen hinaus. Für Laufenburger ist sie eigentlich ein Pflichtanlass. Da muss man einfach hin und festen. Das gilt auch für Exil-Laufenburger. Es ist das Wochenende, an dem man nach Laufenburg kommt und sich trifft.
Gerät man da nicht fast in einen Interessenkonflikt, wenn man gleichzeitig noch Gewerbler und Aussteller ist?
Man muss die verschiedenen Rollen klar definieren. Aber das heisst nicht, dass ich kein Gewerbler sein darf, nur weil ich im Stadtrat bin. Ich bleibe Gewerbler, schaue jetzt aber zusätzlich mit der Brille des Stadtammanns auf den Anlass und sorge dafür, dass die Rahmenbedingungen für unseren Leuchtturm hela möglichst optimal bleiben. Laufenburg würde etwas fehlen, wenn es die hela nicht mehr gäbe. Die unterschiedlichen Sichtweisen sind sogar eine ideale Symbiose. Es ist gut, wenn Behörden den Puls des Gewerbes spüren und entsprechend dazu schauen können – im Rahmen der behördlichen Möglichkeiten. Man muss froh sein, am Standort ein gutes und starkes Gewerbe zu haben, das Arbeits- und Ausbildungsplätze bietet. Für das Präsentieren des Gewerbes nach aussen, gegenüber der Kundschaft, der Bevölkerung und des Nachwuchses ist die hela natürlich eine bombastische Plattform. Es ist auch für die Behörden ein wichtiger Punkt. Von einem starken Gewerbe profitiert die Allgemeinheit.
Die Interessen des Gewerbes und der Stadt greifen also ineinander?
Natürlich. Ein Wohnort ist nicht nur attraktiv, wenn er schöne Wohnlagen bietet. Wir brauchen auch ein starkes Gewerbe, starken Handel. Um die Läden in Laufenburg war es früher allerdings besser bestellt als heute. Früher konnte man alles in der Stadt kaufen. Aber Laufenburg ist nicht der einzige Ort, der dieses Problem kennt. Darum ist es wichtig, dass sich das Gewerbe präsentieren kann. Die hela hat sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich gesehen einen hohen Stellenwert. Laufenburg ist an diesem Wochenende sozusagen der Nabel der Welt.
Was macht die hela so besonders?
Sie ist nicht eine reine Gewerbeschau. Aber auch nicht nur ein Käferfest. Und nicht einfach Zirkus und Fahrgeschäft. Die Mischung macht’s.
Wie kam es, dass sich die hela zu einem so wichtigen Anlass entwickelt hat?
Die Gründung der hela war eigentlich visionär. Die Mitglieder des Gewerbevereins besuchten damals vor rund 80 Jahren die OLMA (Ostschweizerische Land- und Milchwirtschaftliche Ausstellung ab 1943). Sie waren begeistert vom Konzept mit Gewerbe, Handel und Vergnügen. Und sie fanden «das wollen wir auch in Laufenburg». Doch der Gewerbeverein entschied sich an der GV dagegen. Einige Mitglieder gründeten deshalb die separate Genossenschaft, die noch heute verantwortlich für die Organisation ist.
Im Gegensatz zu vielen anderen Gewerbeschauen gibt es die hela jedes Jahr. Ein Vor- oder ein Nachteil?
Es gibt sicher Betriebe, für die es eine Herausforderung darstellt, jedes Jahr einen Stand zu betreiben. Die klassischen Gewerbeausstellungen in der Region finden in einem Rhythmus von drei, fünf oder sieben Jahren statt, was mehr Zeit zur Vorbereitung lässt. So gesehen gibt es natürlich «erwartbare» Stände an der hela. Man kann nicht jedes Jahr mit etwas absolut Neuem auftrumpfen. Ein Spruch, den man immer mal wieder hört, ist: Die hela ist ja immer dasselbe. Das stimmt. Aber wenn es mal nicht so wäre, würden sich die gleichen Leute darüber beklagen. Grundsätzlich ist diese Konstante auch eine Stärke der hela: Du weisst, was du hast, und du weisst, was du bekommst. Im Sinne von «never change a winning team» ist es ein Konzept, das funktioniert und die Leute nicht enttäuscht. Und weil es so vielfältig ist, bietet es für jeden etwas.
Welche Herausforderungen kommen künftig auf den Anlass zu? Eine Auflage der Stadt ist ja beispielsweise das neue Sicherheits- und Verkehrskonzept.
Man muss sich bewusst sein, dass ein solcher Anlass auch ein Ereignisort sein kann, sei es durch einen Brand, einen Unfall oder irgendeinen Spinner. Man denke zum Beispiel an den bedauerlichen Vorfall im Aarauer Schachen vor wenigen Wochen. Man muss Vorkehrungen treffen, aber dabei auch immer den gesunden Menschenverstand walten lassen. Massnahmen treffen muss man beispielsweise beim Parkierungssystem und beim Zufahrtsrecht. Rettungsfahrzeuge müssen passieren können. Die Verkehrsmassnahmen müssen mit Fachleuten besetzt werden, sonst werden sie nicht ernst genommen. Man kann heute nicht mehr einfach Leute von den Vereinen, ausgerüstet mit einer Weste, hinstellen. Als Stadt müssen wir sagen können: Was im vernünftigen Rahmen ist, haben wir gemacht. Alles abzuriegeln wäre hingegen unverhältnismässig. Aber es ist wichtig zu wissen, was im Ereignisfall zu tun ist. Das Konzept steht. Auch wollen wir den Anlass nicht zu Tode organisieren. Der Charakter der hela muss erhalten bleiben. Ein Restrisiko bleibt immer.
Was würden Sie jemandem sagen, warum er unbedingt an die hela kommen soll?
Das ist DER Anlass im Herbst im Fricktal. Willst du was erleben, etwas sehen und dabei sein, dann musst du an die hela kommen! Und zwar von Kaiserstuhl bis Kaiseraugst. Und wenn man neu in Laufenburg wohnt, ist die hela ideal, um neue Bekanntschaften zu schliessen. Für Neuzuzüger gehört die hela quasi zum Integrationsprogramm (lacht).
Und wo trifft man René Leuenberger?
Überall! Als Gewerbler ist man an der Gewerbeausstellung. Wir haben dort traditionell immer einen Stand. Dann geht man natürlich auch unter die Leute und zeigt sich. Als Stadtammann ist es selbstverständlich, dass man überall Präsenz zeigt, nicht nur beim Gewerbe, sondern auch bei den Beizen und bei den Marktfahrern.
Klingt nach drei stressigen Tagen.
Der Vorteil ist: Als Stadtammann komme ich nicht aus dem Nichts. Ich bin seit 40 Jahren hier in der Stadt aktiv: als Mitgründer einer Oldtime-Dixieland-Jazzband, als Mitinitiant der legendären Schlossberg-Jazz-Night Anfang der 90er-Jahre. Ich war 25 Jahre Präsident der Pontoniere Laufenburg, mit Schlauchbootrennen und Fischessen, Zunftmeister der Narro-Alt-Fischerzunft 1386, Laufenburg, aktiv in der Ortspolitik usw. Grundsätzlich ist mein Gesicht bekannt. Jetzt bin ich in eine neue interessante, ehrenvolle, aber auch herausfordernde Aufgabe als Stadtammann gewählt worden. Von meiner Historie in Laufenburg ist dieses Amt praktisch die logische Konsequenz. Darum ist das Präsentsein für mich kein Stress. Ich bin ohnehin gerne da.
Bleibt die hela für Laufenburg auch in Zukunft ein Leuchtturmanlass?
Die hela wird mit ihrem klassischen Konzept auch in unserer modernen digitalen Welt erfolgreich in die Zukunft gehen. An Kleinigkeiten kann man immer herumschrauben. Aber wenn man an dem bewährten Konzept festhält, wird die hela auch weiterhin erfolgreich sein.
hela-Programm
Freitag, 9. Oktober: 17 bis 21 Uhr Gewerbeschau (Stadthalle), Chilbimarkt/ Volksfest (Burgmatt), Beizlibetrieb bis 2 Uhr. Samstag, 10. Oktober: 11 bis 21 Uhr Gewerbeschau, Chilbimarkt/ Volksfest, Beizlibetrieb bis 2 Uhr. Sonntag, 11. Oktober, 10 bis 18 Uhr Gewerbeschau, Chilbimarkt/Volksfest bis 20 Uhr, Beizlibetrieb bis 24 Uhr. Detailliertes Programm:
www.hela-messe.ch


