«Die Fotografie hat mich zu einem anderen Menschen gemacht»
05.08.2026 MöhlinMarko Klavs’ Leben durch die Linse einer Kamera
Marko Klavs hat erst in späten Jahren seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Als Fine Art Photographer im Bereich «Stillleben» stellt er historisch aussehende Objekte ins Zentrum seiner Kunst und begeistert dadurch internationales ...
Marko Klavs’ Leben durch die Linse einer Kamera
Marko Klavs hat erst in späten Jahren seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Als Fine Art Photographer im Bereich «Stillleben» stellt er historisch aussehende Objekte ins Zentrum seiner Kunst und begeistert dadurch internationales Publikum.
Yasmin Malard
Eigentlich sollte es nicht so kommen. Marko Klavs (57) war jahrzehntelang als Plattenleger tätig. Dann erlitt er unverschuldet einen Arbeitsunfall und konnte danach aufgrund körperlicher Belastungen nicht mehr im handwerklichen Metier arbeiten. Neue Perspektiven mussten geschaffen werden und so wurde das Hobby Fotograf ie zu seinem Lebensinhalt.
Auf nach Siena
Das war vor acht Jahren. Inspiriert wurde er durch einen Fotografen, der ihn, nachdem er Klavs’ Fotos auf einer Internetseite gesehen hatte, fragte, ob er das Fotografieren nicht professionell machen wolle. Klavs kaufte sich eine Ausrüstung, bildete sich mit Online-Kursen weiter und probierte vieles aus. Mittlerweile hat er schon mehrere Preise als Fine Art Photographer gewonnen. 10 bis 15 Goldmedaillen seien es etwa, silberne könne er nicht mehr zählen. Was aber noch auf seiner Wunschliste steht, ist eine Auszeichnung der «Siena International Photo Awards» – die Oscars der Fotografie-Szene, wie Klavs den Wettbewerb beschreibt. Tatsächlich scheint der Traum nicht unmöglich zu sein, denn momentan ist er nominiert für die nächste Ausgabe der «Siena Awards» im Oktober. Er steht dort für die Kategorie «open theme» auf der Shortlist (Top 5). Ein Sieg oder auch schon eine gute Platzierung bedeuten, eine Ausstellung in der Stadt und ein Sprungbrett für die Karriere zu erhalten. «Das ist meine Chance», sagt Marko Klavs sehnsuchtsvoll. «Es gibt viele Galeristen, Medien und Kunstbegeisterte in Siena.»
Ein Foto pro Woche
Angefangen hatte die Leidenschaft Fotografie schon viel früher, etwa vor vierzig Jahren. Er fotografierte Geburtstage, Taufen, Eishockey-Spiele seines Sohns oder ganz klassisch: Landschaften. Mit Landschaften wollte er zuerst seine professionelle Tätigkeit fortsetzen, merkte aber schnell, dass damit selten Geld gemacht wird. «Bei IKEA kann man ein schönes Natur-Poster für zwanzig Franken kaufen, da kommt niemand auf die Idee, einen anständigen Preis für den Aufwand zu bezahlen.» Denn aufwändig sei das Fotografieren schon. Für ein gutes Bild benötigt er etwa eine Woche. Zuerst braucht er eine klare Vision, dann kommt der Akt des Fotografierens und anschliessend ist eine grosse Portion Geduld für die Nachbearbeitung nötig, dem aufwändigsten Teil. Damit er zwischen den Arbeitseinheiten einen klaren Kopf bekommt, und damit seine «Augen nicht müde werden», geht er in den Pausen viel mit dem Hund spazieren und kehrt dann mit neuen Ideen zurück. Schlafen tut er nur vier bis fünf Stunden pro Nacht, den Rest des Tages widmet er seinen Fotos und der Familie, sieben Tage die Woche.
Die Jagd nach dem perfekten Foto
Die Familie, vor allem seine Lebensgefährtin Natalija, trägt einen wesentlichen Teil dazu bei, dass er seiner Leidenschaft nachgehen kann. «Wenn jemand etwas gerne macht, dann ist es nicht schwierig, diese Person zu unterstützen», meint sie selbstlos. Die Arbeit verwandeln die zwei in unterhaltsame Ausflüge. Manchmal warteten sie, bis der (mittlerweile erwachsene) Sohn aus dem Ausgang zurückkam und haben währenddessen in der Nacht die ersten Fotos aufgenommen. Sie sind viel in der Schweiz herumgereist, haben Stunden und Tage in den Altstädten des Landes, in Zermatt und im Berner Oberland verbracht. Sie sind in den frühen Morgenstunden losgeeilt, um die besten Lichtverhältnisse zu erhaschen und haben in Zelten übernachtet, um den perfekten Ausschnitt zu finden. «So viel Zeit haben wir investiert, aber kein einziges gutes Foto habe ich gemacht», sagt der Fotograf. «Oft ist das Licht nicht auf meiner Seite.»
Der Stil des Marko Klavs
Dann fand er seinen Stil, dem er bis heute treu bleibt; das Stillleben. «Das ist wirklich mein Leben, das ist Marko Klavs. Ich habe als Plattenleger nur in einer Firma in der Schweiz gearbeitet, habe nie Reklamationen erhalten, aber etwas hat gefehlt im Herzen.» Jetzt, wenn er aufsteht, steht die Freude im Vordergrund. «Die Fotografie hat mich wirklich zu einem anderen Menschen gemacht.» Seine Lebensgefährtin nickt bestätigend.
Wenn man Marko Klavs’ Fotografien anschaut, verschwimmen Gegenwart und Vergangenheit. Sie sehen aus wie Gemälde aus einer anderen Zeit. Das Historische fasziniert ihn an seinem Stil. Er liebt Rembrandt, die Basler Altstadt, Gebäude mit einer Geschichte. «Die Welt scheint nur mit Technologie weiterzukommen, aber dabei vergessen wir unsere alte Geschichte. Ich habe Angst, dass es in zehn Jahren kein Basler Münster mehr gibt!» Unter anderem arbeitet er an einer «Swiss Collection», eine thematische Fotoreihe mit dem Schwerpunkt Schweiz, denn er ist stolz auf die Landesgeschichte. Er möchte, dass die Betrachterinnen und Betrachter mithilfe seiner Fotos sich alte Zeiten vorstellen, den Moment geniessen und sich entspannen können. «Und ich möchte, dass jeder, der meine Bilder sieht, denkt: ‹das ist Marko Klavs, so etwas macht sonst niemand›».
30 000 Franken für die Ausrüstung
Einige internationale Galerien haben Interesse an seiner Arbeit gezeigt. Leider sind Ausstellungen oft mit einem Kostenpunkt von mehreren tausend Franken verbunden und deswegen als freischaffender Künstler nicht einfach realisierbar. Ein weiterer Kostenpunkt ist die Ausrüstung. Über 30 000 Franken soll seine aktuelle Ausrüstung gekostet haben. Zu den erwarteten Ausgaben wie Kamera, Objektive, Lichtschirme, Stative etc. kommen Nebenkosten dazu, wie zum Beispiel Druckerpatronen oder Fotopapier, das bei guter Qualität 300 Franken kosten kann – und das für knapp zwanzig Bögen. Requisiten wie alte Fenster und Uhren findet er in Brockenstuben und zieren die Regale in seinem Heimstudio. Ohne seine Lebensgefährtin könnte er seine Wohnung in Möhlin aber nicht bezahlen.
In Möhlin geniesst das Paar die Stille, die Natur, den Rhein. «Die Stille ist mein schönstes Lied», sagt Natalija, passend zur Vorliebe des Stilllebens ihres Partners. Die Landschaft der Schweiz erinnert die beiden an ihre Heimat in Slowenien, wo auch die Alpen und viele Wälder die Umgebung zieren. «Wir haben uns hier gefunden.»

