Die «Ente» als Lebensgefühl
12.08.2026 RheinfeldenEinmal Ente, immer Ente
Rosa Hürbin und ihr Döschwo
Das ist eine Herzensangelegenheit: Rosa Hürbin fährt seit Jahrzehnten Döschwo, sie hat nie andere Autos besessen. Für die Rheinfelderin ist die «Ente» mehr als ein Fahrzeug, es ist ein Lebensgefühl.
...Einmal Ente, immer Ente
Rosa Hürbin und ihr Döschwo
Das ist eine Herzensangelegenheit: Rosa Hürbin fährt seit Jahrzehnten Döschwo, sie hat nie andere Autos besessen. Für die Rheinfelderin ist die «Ente» mehr als ein Fahrzeug, es ist ein Lebensgefühl.
Valentin Zumsteg
Der Citroën 2CV – im Volksmund liebevoll Ente oder Döschwo genannt – ist eines der absoluten Kultautos auf Europas Strassen. Zwischen 1949 und 1990 wurden Millionen dieser Fahrzeuge produziert und gefahren. Heute sieht man sie seltener, aber es gibt sie immer noch. Rosa Hürbin, die in Rheinfelden das Café Tabakhüsli in der Fröschweid betreibt, ist eine leidenschaftliche Döschwo-Fahrerin. «Das ist einfach ein geniales Fahrzeug», sagt die 70-Jährige. Die erste Ente kaufte sie mit 18 Jahren, kurz nachdem sie die Autoprüfung bestanden hatte. Ein finanzieller Zustupf der Oma machte es möglich. «Zwei Jahre später habe ich sie leider zu Schrott gefahren». Es folgte wieder eine Ente. «Ich habe nie ein anderes Auto besessen als Döschwos.»
Unterwegs mit der «Kastenente»
Für sie gehört die Ente zu einem Lebensgefühl, das sie an ihre Jugend erinnert. Gerne zitiert sie dazu einen französischen Spruch, der als Aufkleber zahlreiche Döschwos ziert: «Ceci n’est pas une voiture, c’est un art de vivre» (das ist kein Auto, das ist eine Lebensart). Aus Sicht von Rosa Hürbin trifft dies den Kern ihrer Döschwo-Leidenschaft. Im Laufe der Jahrzehnte hat sie mittlerweile sechs normale Modelle besessen; seit 2022 fährt sie einen Citroën 2CV AK
400, also eine «Kastenente» oder auch «Fourgonnette» genannt. «Ich habe das Auto von einem älteren Döschwo-Fahrer aus dem Appenzellischen gekauft», berichtet Rosa Hürbin. Das Auto ist 1978 erstmals zugelassen worden. «Es hat 28 PS, 680 Kilogramm Leergewicht und verbraucht rund 6 Liter Benzin auf 100 Kilometer». Wie viele Kilometer damit bereits zurückgelegt worden sind, ist nicht so ganz klar. «Der Kilometerzähler zeigt rund 75000 an. Ob das aber 175 000 oder 275 000 sind, das weiss ich nicht», sagt sie mit einem Lachen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei rund 110 km/h, «schneller als 90 sollte man damit aber nicht fahren.» Als die erste Ente auf den Markt kam, musste sie Platz für vier Personen und einen 50 Kilogramm schweren Sack Kartoffeln bieten – so die Vorgaben. Und weiter: «Das Auto muss so gut gefedert sein, dass man auf holpriger Strasse einen Korb Eier transportieren kann, ohne dass ein einziges zerbricht.»
«Das Fahren macht Spass»
Rosa Hürbin schätzt die einfache Technik und die Fahreigenschaften ihres Autos. «Früher habe ich die Zündkerzen selber ausgewechselt. Der Ölwechsel erledigte ein Kollege.» Sie nutzt das Auto für den Alltag, geht damit einkaufen und Glas entsorgen. «Es hat viel Platz und ist gut gefedert, das Fahren macht Spass.» Sie hat auch schon mehrfach im Auto geschlafen, der Kastenwagen bietet genügend Raum. Viele Kilometer legt sie damit aber nicht mehr zurück, höchstens ein paar wenige Tausend pro Jahr. Sie nimmt jedoch regelmässig an Döschwo-Treffen in der Schweiz und ganz Europa teil und hilft manchmal bei der Organisation mit, wie zum Beispiel beim 2CV-Welttreffen 2023 in Delémont. «Das erste Treffen, das ich besucht habe, war 1977 in Avenches in der Schweiz. Im letzten Jahr war ich in Stuttgart. Die Szene ist gut vernetzt. Man kennt sich.» 1990 ist die Produktion der Ente eingestellt worden. Citroën hat aber bekannt gegeben, dass im Herbst 2026 ein neuer Döschwo mit Elektroantrieb auf den Markt kommen soll. Rosa Hürbin findet das interessant. «Ob das etwas für mich ist, weiss ich jetzt aber noch nicht.»




