«Die Ausgleichsmassnahmen sind der Knackpunkt»
08.07.2026 RheinfeldenGeplante Rheineintiefung in Rheinfelden
Mit einem Felsaushub möchte die Naturenergie AG die Stromproduktion in Rheinfelden erhöhen. Dagegen gibt es zahlreiche Einwendungen. Vergangene Woche ist eine Einspracheverhandlung durchgeführt worden.
Valentin Zumsteg
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Geplante Rheineintiefung in Rheinfelden
Mit einem Felsaushub möchte die Naturenergie AG die Stromproduktion in Rheinfelden erhöhen. Dagegen gibt es zahlreiche Einwendungen. Vergangene Woche ist eine Einspracheverhandlung durchgeführt worden.
Valentin Zumsteg
In Rheinfelden soll künftig mehr Strom aus Wasserkraft produziert werden – und das ohne den Bau neuer Anlagen. Die Naturenergie AG als Besitzerin des Kraftwerks will dies durch einen Felsaushub an zwei Stellen erreichen. Damit kann – wenn alles wie geplant läuft – die Stromproduktion um insgesamt rund 20 Millionen Kilowattstunden pro Jahr erhöht werden. Dies entspricht in etwa dem Verbrauch von 6000 Haushalten. Zum Vergleich: Das Kraftwerk Rheinfelden produziert heute rund 600 000 Millionen Kilowattstunden jährlich. Das Unternehmen rechnet mit einer Investition von 20 Millionen Euro. Eine Baustelle ist unterhalb des Wasserkraftwerks Rheinfelden (Bereich Höllhaken) geplant, eine weitere direkt unterhalb des Wasserkraftwerks Ryburg-Schwörstadt
«Zwei intensive Tage»
Gegen das Projekt sind auf Schweizer Seite fünf Einwendungen von Privatpersonen sowie Umweltverbänden eingegangen, auf deutscher Seite gab es Dutzende Einsprachen (die NFZ berichtete). Vergangene Woche hat das Regierungspräsidium Freiburg (D) die Einsprachen und Stellungnahmen bei einem zweitägigen Treffen in Grenzach mit der Antragsstellerin, den in Deutschland und der Schweiz beteiligten Gemeinden, Behörden und Verbänden sowie den Einsprechenden erörtert. Mit dabei waren auch Vertreter des Bundesamtes für Energie als Bewilligungsbehörde auf der Schweizer Seite. Im Nachgang zu diesem Termin lud die Naturenergie AG am Freitag zu einer Presseinformation.
«Intensive Tage»
«Es waren zwei intensive Tage», sagte Jochen Ulrich, Gesamtverantwortlicher dieses Projekts bei der Naturenergie AG, gegenüber der Presse. Viele Punkte konnten laut Ulrich geklärt werden. «Wir sind auf einem guten Weg. Die Ausgleichsmassnahmen für den Eingriff sind aber ein Knackpunkt», so Ulrich. Die Schweizer Fischerei- und Naturschutzverbände seien kritisch bis ablehnend eingestellt, so Ulrich. «Wir haben Hausaufgaben erhalten: Bei den Punkten, bei denen es noch Unklarheiten gibt, stellen wir zusätzliche Unterlagen zur Verfügung. Wir sind auch auf die Verbände zugegangen und haben aufgezeigt, wie man die Ausgleichsmassnahmen noch verbessern kann.» Geplant sind unter anderem die Schaffung von neuen Fischunterständen sowie Totholzstrukturen. Zusätzlich sollen Kaltwasserrefugien realisiert werden, die den Fischen bei besonders hohen Wassertemperaturen wichtige Rückzugsorte bieten.
Einvernehmliche Vereinbarungen werden angestrebt
Die Naturenergie AG möchte bis Ende 2026 einvernehmliche Vereinbarungen mit den Fischern und weiteren Einwendern zur Bereinigung der Einsprachen erzielen. «Die Genehmigungsbehörden in Deutschland und der Schweiz entscheiden dann, ob die jeweilige Einsprache relevant ist und zur Auf lage im Rahmen einer Genehmigung wird», so Ulrich. Er machte aber auch klar, dass dieses Projekt nur realisiert wird, wenn es wirtschaftlich umgesetzt werden kann. Wenn die Kosten zu hoch ausfallen, rechnet sich das Ganze nicht.
Ulrich erwartet, dass die Genehmigungsbehörden bis im «frühen Frühjahr 2027» einen Entscheid treffen. «Wir hoffen nicht, dass dieser weitergezogen wird.» Gibt es grünes Licht, soll der Baustart im ersten oder zweiten Quartal 2027 erfolgen. Gelingt dies, könnten die Bauarbeiten im besten Fall bis 2030 abgeschlossen sein.
Energiespeicher in Rheinfelden?
Saubere Energie ist gefragt, sie fällt aber nicht immer dann an, wenn sie gebraucht wird. Aus diesem Grund prüft die Naturenergie AG den Bau eines Energiespeichers beim Kraftwerk Rheinfelden, wie Jochen Ulrich, Leiter Asset Management Produktion Hochrhein, am Freitag vor der Presse erklärte. Ein solcher Speicher würde es erlauben, den gewonnen Strom ins Netz einzuspeisen, wenn die Nachfrage am grössten ist und entsprechend höhere Preise bezahlt werden. (vzu)


