Dieses Auto ist ein Hingucker: Thomas und Doris Schlub aus Rheinfelden besitzen einen Citroën 5hp mit Baujahr 1925. Der Oldtimer macht ihnen viel Freude – und auch Arbeit.
Valentin Zumsteg
Es war Liebe auf den ersten Blick: Vor rund 30 Jahren haben Doris und Thomas Schlub in ...
Dieses Auto ist ein Hingucker: Thomas und Doris Schlub aus Rheinfelden besitzen einen Citroën 5hp mit Baujahr 1925. Der Oldtimer macht ihnen viel Freude – und auch Arbeit.
Valentin Zumsteg
Es war Liebe auf den ersten Blick: Vor rund 30 Jahren haben Doris und Thomas Schlub in Basel zufälligerweise einen Citroën 5hp im Schaufenster eines Antiquitätenhändlers gesehen. Der kleine Wagen mit Baujahr 1925 gefiel den beiden auf Anhieb. Sie erkundigten sich im Laden nach dem Zustand und dem Preis. Nach kurzer Zeit war man sich handelseinig und so kam das Rheinfelder Ehepaar in den Besitz dieser rollenden Antiquität. Wie sie später herausfanden, war der erste Besitzer des Wagens ein französischer Berufssoldat, der ihn 1958 an einen Hotelbesitzer weiterverkauft hatte. Später gelangte er über zwei Zwischenhändler zu einem Garagisten in Basel, wo er aber seit vielen Jahrzehnten nur herumstand. Dank den Schlubs ist der Zweisitzer 1997 – nach über 30 Jahren – erstmals wieder für den Verkehr zugelassen worden.
Im Winter die Arbeit, im Sommer der Genuss
«Ich geniesse die alte Technik», sagt Thomas Schlub. Der gelernte Buchdrucker, der ein passionierter Hobby-Mechaniker ist, kennt mittlerweile jede Schraube seines französischen Oldtimers. Zur Not kann er mittlerweile auch einen Zylinderkopf am Strassenrand auswechseln. «Ich habe im Laufe der Jahre viele Stunden in das Auto investiert. Im Winter arbeite ich daran, im Sommer geniessen wir es», schildert Thomas Schlub. Wie viel das Auto heute wert ist, interessiert ihn nicht. Ein Verkauf steht nicht zur Debatte.
Das über 100-jährige Cabriolet hat 855 ccm Hubraum und verfügt über vier Zylinder. Die Motorenleistung ist mit 11 PS bescheiden, wenn man sie mit heutigen Boliden vergleicht. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei rund 60 km / h, der Verbrauch bei zirka 6 Litern auf 100 Kilometer. Der Boden im Wageninnern besteht aus Parkett, die Seitenfenster können mit einem Ledergurt hochgezogen werden. «Obwohl wir häufig aufgrund der schwachen Leistung zum Verkehrshindernis werden, zaubern wir den Menschen aller Generationen ein Lächeln aufs Gesicht. Manchmal werden wir sogar von Velo-Rennfahrern überholt.» Wegen der besonderen Heckform hat dieser Fahrzeugtyp in Frankreich den Übernamen «cul de poule» – also Entenfudi – erhalten. «Es war das erste europäische Volksauto und wegen der kleinen Dimensionen bei Frauen sehr beliebt. Leisten konnten es sich aber auch nur Pfarrer, Ärzte und Rechtsanwälte», erzählt Thomas Schlub.
Gas und Bremse sind vertauscht
Das Fahren gestaltet sich nicht ganz einfach, es Bedarf einer gewissen Übung. Das Drei-Gang-Getriebe muss mit Zwischengas geschaltet werden. Verwirrend dabei ist, dass Gas und Bremse im Vergleich zu heutigen Autos vertauscht sind.
Im vergangenen Jahr konnten Doris und Thomas Schlub ihren 30. Hochzeitstag feiern, gleichzeitig war das Auto damals 100 Jahre alt. Zum doppelten Jubiläum unternahmen die beiden eine zweiwöchige Schweiz-Reise mit dem Citroën, die sie von Solothurn über Thun in die Westschweiz und danach ins Emmental und die Innerschweiz führte.
Sie stiegen in historischen Hotels ab, wo sie jeweils auch stilgerecht kostümiert mit ihrem Auto auftraten – sehr zur Freude der Gäste und Hotelbesitzer. «Wenn man mit diesem Auto unterwegs ist, wird man viel fotografiert. Daran mussten wir uns schnell gewöhnen.»
In normalen Jahren fahren die Schlubs aber nur wenige hundert Kilometer mit dem gelben Oldtimer – doch sie geniessen jeden Meter.