Der Wohnsitzzwang führte ihn nach Frick
21.01.2026 PersönlichMatthias Hunziker dirigiert seit 30 Jahren den 70-jährigen Jodlerklub Frick
«Dörf’s es bitzli meh si?» sei sein erster Satz gewesen, erzählt der Neu-Rentner; Blasinstrumente sein Einstieg in die Musik. Wie er über die Polizei zum Jodeln und nach ...
Matthias Hunziker dirigiert seit 30 Jahren den 70-jährigen Jodlerklub Frick
«Dörf’s es bitzli meh si?» sei sein erster Satz gewesen, erzählt der Neu-Rentner; Blasinstrumente sein Einstieg in die Musik. Wie er über die Polizei zum Jodeln und nach Frick gefunden hat und warum er das Datum seiner ersten Jodlerprobe nie vergessen wird.
Simone Rufli
Im Singsaal der Primarschule in Frick: Jodeln sei ihm nicht in die Wiege gelegt worden, sagt Matthias Hunziker und beginnt zu erzählen. «Aber ich bin in einer musikalischen Familie aufgewachsen. Meine Mutter war eine gute Pianistin. Auf die Welt gekommen bin ich in der Metzgerei. Nicht direkt im Laden, aber im Haus über der elterlichen Metzgerei.» Er schmunzelt verschmitzt. «Mein erster Satz war denn auch ‹Dörf’s es bitzli meh si?› aus dem gleichnamigen Lied vom Trio Eugster.» Ein Metzger wurde dennoch nicht aus ihm. «Ich machte die landwirtschaftliche Lehre und absolvierte danach die Landwirtschaftliche Schule Liebegg. Erst Jahre später wurde ich Kantonspolizist.»
Zum Jodeln brachte ihn Moritz Hunziker. «Nicht mit mir verwandt und damals ziviler Schalterbeamter auf dem Polizeiposten in Aarau. Was ich zu Beginn nicht wusste, er war Präsident des Jodlerklubs Aarau.» Matthias Hunziker besuchte die Konzerte der Jodler, fand Gefallen an ihrem Liedgut. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis er selber mit Jodeln begann. An das Datum seiner ersten Jodlerprobe erinnert er sich sehr genau. «Es war der 31. Mai 1990, am Abend, nachdem ich am Morgen Vater unserer jüngsten Tochter geworden bin.»
Fortan war auch Hunziker ein Mitglied des Jodlerklubs Aarau. Dabei sei er von frühester Jugend an ein Blasmusiker gewesen. «Als Jungbläser spielte ich bei der Musik in Husen bei Brugg.» Flöte, Trompete, Posaune – Hunziker beherrscht sie alle. «Damals habe ich sie alle beherrscht», betont er. «Ich habe lange keine Blasinstrumente mehr gespielt.» Bis er vor einiger Zeit wieder angefangen habe, Flöte zu spielen. «Ich habe wieder mehr Zeit. Ich bin seit Anfang Januar Rentner.» Am liebsten spiele er volkstümliche Lieder, Schottisch, Ländler.
«Weil sie mich gefragt haben»
Und wie kam er nun zum Jodlerklub Frick? «Weil sie mich gefragt haben.» Matthias Hunziker lacht. Nach mehreren Jahren bei der Kantonspolizei in Aarau habe er auf den Posten in Frick gewechselt. «Das war zu einer Zeit, als für Polizisten der Wohnsitzzwang noch galt. Leute aus dem Umfeld des Fricker Jodlerklubs müssen meinen Wechsel mitbekommen haben. Auf jeden Fall hat mich der Präsident bald angerufen.» Auch an dieses Telefongespräch erinnert sich Hunziker bestens: «Ich hatte in der Nacht zuvor Dienst und war so müde, dass ich während des Telefongesprächs einschlief. Als ich nach wenigen Augenblicken wieder wach wurde, merkte ich, dass der Präsident noch immer in der Leitung war. Weil ich nicht mehr genau wusste, was er mich gefragt hatte, fragte ich zurück: sucht ihr einen Sänger oder einen Dirigenten? Sänger meinte der Präsident und so sagte ich ab, weil ich damals noch Sänger und Dirigent beim Jodlerklub Aarau war.»
Was weder der Präsident noch Matthias Hunziker damals wussten: «Wenig später war der Jodlerklub Frick tatsächlich auf der Suche nach einem neuen Dirigenten. Sie erinnerten sich an mich und seither dirigiere ich in Frick. Das war vor dreissig Jahren.» Im Juli 1956 hatten 13 Männer den Jodlerklub Frick ins Leben gerufen. Die prägenden Figuren damals vor 70 Jahren: Josef Mösch, Adolf Binggeli und Walter Bigler.
15 Jahre Chinderjodlerchörli
Im Jahr 2010 gab dann ein Wettbewerb im Rahmen der damaligen Fricker Gewerbeausstellung den Ausschlag für die Gründung des Chinderjodlerchörlis vor nunmehr 15 Jahren. «Es ging um eine möglichst gute Antwort auf die Wettbewerbsfrage: Was wünschen Sie sich für die Gemeinde Frick? Meine Frau sagte zu mir: Schreib, dass wir uns ein Chinderjodlerchörli wünschen.» Hunziker hebt die Achseln und lacht. «Wir haben mit dieser Idee gewonnen und sahen es als unsere Pflicht, etwas in dieser Richtung zu unternehmen.» Und so starteten Hunzikers nach den Sommerferien im Jahr 2011 mit zwölf Kindern das Chinderjodlerchörli.
Waren die ersten zwölf Chormitglieder Kinder und Enkel aus den eigenen Reihen, kommen die heute zwanzig Kinder im Alter zwischen sechs und sechzehn Jahren teils von weit her, um bei Matthias Hunziker und seiner Frau zu proben. «Es ist nach wie vor das einzige Chinderjodlerchörli im Fricktal und auch eines der wenigen in der weiteren Umgebung.» Gross werben müssten sie deshalb nicht. «Die Kinder kommen ganz von allein zu uns. Es gab eine Zeit, da zählte das Chörli 30 Kinder.» Vor sechs Jahren machte das Chinderjodlerchörli schweizweit Schlagzeilen, als es den Wettbewerb «Folklorenachwuchs 2019» gewann. Im Jahr darauf waren die Kinder in der TV-Sendung «Viva Volksmusik» zu Gast. Das Repertoire umfasst nebst einfachen Jodelliedern auch mal einen Blues, Tango oder Ratzliedli.
Im Dezember 2025 ist Jodeln zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt worden. «Jodellieder bleiben immer Jodellieder», sagt Matthias Hunziker. Und doch gebe es im Repertoire viele Lieder zeitgenössischer Komponisten. Dazu die Jodlermessen mit den sakralen Liedern. «Wir singen gerne in Kirchen, weil die Leute Freude haben, wenn wir auftreten und weil die Akustik in Kirchen so wunderbar ist.» 2007 organisierte der Jodlerklub zusammen mit dem Bernerchörli das Nordwestschweizer Jodlerfest. Ein anderes Grossereignis steht in diesem Jahr an: das Eidgenössische Jodlerfest in Basel.
«Man muss nicht jodeln können»
Doch zuerst feiert der Jodlerklub Frick am kommenden Samstag (Beginn 20 Uhr) in der Mehrzweckhalle in Frick sein 70-jähriges Bestehen mit dem «Jodlerobe». «Als ich vor dreissig Jahren in Frick als Dirigent begann, hiess es: der Jodlerklub Frick mit seinem jungen Dirigenten.» Heute mit 65 Jahren wünsche er sich, dass noch mehr Junge in den Klub kommen. «Unser jüngstes Mitglied ist gerade 32 Jahre alt geworden. Und was viele nicht wissen: Man muss nicht jodeln können, um bei uns mitzumachen. Es reicht, wenn man eine Melodie fehlerfrei singen kann. Das Jodeln übernehmen die Solistinnen. Wir sind ein Männerchor mit Jodlerinnen.»
In den vergangenen 70 Jahren hatte der Jodlerklub Frick nur wenige Dirigenten. Unter anderem Alfred Bruholz, auch er während gut 30 Jahren. Weitere zehn Jahre dirigierte René Wenger. Heute im Jubiläumsjahr zählt der Jodlerklub 22 Mitglieder. Fünf davon Frauen, zwei von ihnen gerade mal 18 Jahre jung. Beide waren früher im Chinderjodlerchörli. Am Samstag wird aus Anlass des Jubiläums auch ein Projektchor bestehend aus 20 Ehemaligen des Chinderjodlerchörlis auftreten.


