Die Trockenheit macht den Bäumen zu schaffen
Die Wälder im Fricktal sind ausgetrocknet. Es besteht eine grosse Waldbrandgefahr. Deswegen gilt ein Feuerverbot im Wald und in Waldesnähe. Die NFZ hat bei einer Försterin nachgefragt, wie es derzeit um den Forst steht.
Valentin ...
Die Trockenheit macht den Bäumen zu schaffen
Die Wälder im Fricktal sind ausgetrocknet. Es besteht eine grosse Waldbrandgefahr. Deswegen gilt ein Feuerverbot im Wald und in Waldesnähe. Die NFZ hat bei einer Försterin nachgefragt, wie es derzeit um den Forst steht.
Valentin Zumsteg
Wer durch den Wald spaziert, hört mancherorts bereits das Rascheln des trockenen Laubs. Die Waldwege sind staubig. Ein Blick auf die nationale Trockenheitsplattform zeigt, dass das Fricktal, der Raum Basel und Teile des Juras von der aktuellen Trockenheit besonders betroffen sind. Auf der Karte wird für diese Region «extrem trocken» ausgewiesen. Das bekommen die Bäume zu spüren, manche sehen schon fast herbstlich aus. «Die Hitzetage setzen dem Wald zu. Die Kombination aus Wärme und Trockenheit führt dazu, dass vor allem bei grossen Bäumen mit ausladenden Kronen grössere oder kleinere Kronenteile nicht mehr genügend mit Wasser versorgt werden können und absterben», erklärt Astrid Schwyter. Sie ist Försterin in Kaiseraugst und Olsberg.
«Die Politik bewegt sich nicht»
Es leiden nicht alle Bäume gleich: «Bei einer Buche geht man davon aus, dass wenn 30 Prozent der Krone geschädigt sind, sich der Baum nicht mehr erholen kann und in den nächsten paar Jahren ganz absterben wird», schildert die Forstingenieurin. Besonders betroffen von den wärmeren Temperaturen und der Trockenheit sind die Fichte, die Buche und etwas weniger auch die Weisstanne. «Eichen, Ahorne, Linden, Hagebuchen und weitere Laubbaumarten vertragen die aktuelle Wetterlage besser. Kurzfristige Massnahmen direkt auf der Waldfläche gibt es nicht», führt Astrid Schwyter aus und wird dann grundsätzlich: «Was mittel- bis langfristig helfen würde, wäre eine Senkung des CO2-Ausstosses. Die Massnahmen sind bekannt, aber die Politik bewegt sich nicht. Und jeder einzelne von uns denkt sich, solange andere noch in die Ferien fliegen, warum soll ich mich einschränken? Die Autos werden nur grösser und schwerer und auf Fleisch verzichten, schmerzt.»
Trotzdem ist sie für den Wald zuversichtlich. «Wald wird es in unseren Breitengraden immer geben. Aber er wird nicht mehr so aussehen, wie wir ihn heute oder aus unserer Kindheit kennen. Manch markanter Baum auf unserer Spazierrunde wird noch eingehen.»
«Lebensgemeinschaft verändert sich»
Die Baumarten-Zusammensetzung werde sich ändern, egal ob wir mit Pflanzungen von klima-fitten Baumarten nachhelfen oder einfach auf die Natur vertrauen. «Die Bäume werden wohl nicht mehr so hoch und nicht mehr so alt werden. Damit verändert sich die Lebensgemeinschaft Wald vielleicht schneller als sich Vögel, Insekten, Pilze und weitere Mitbewohner anpassen können. Aber wir dürfen uns von der Natur überraschen lassen! So vieles verstehen wir trotz aller Forschung noch nicht.»
Die aktuelle Situation sei für den Wald aussergewöhnlich, betont Schwyter. «Aber unsere Bäume sind geschätzte 100 Millionen Jahre alt. In dieser Zeit haben sie schon ganz verschiedene Klimabedingungen erlebt und diese Erfahrungen sind im Erbgut abgespeichert. Deshalb dürfen wir davon ausgehen, dass sich die meisten Baumarten anpassen können.» Anpassen können sich aber nicht die bestehenden alten Bäume, sondern nur die Verjüngung. «Daher setze ich auf einen artenreichen, natürlich verjüngten Wald, also möglichst ohne Pflanzungen.»