Der Steinfinder
14.01.2026 PersönlichSteine suchen, finden und bearbeiten ist die Leidenschaft von Felix Lötscher. Der pensionierte Lehrer aus Rheinfelden hat mit 15 Jahren seine erste Kluft mit Kristallen freigelegt – die Faszination hält bis heute an.
Valentin Zumsteg
Felix Lötscher ist ...
Steine suchen, finden und bearbeiten ist die Leidenschaft von Felix Lötscher. Der pensionierte Lehrer aus Rheinfelden hat mit 15 Jahren seine erste Kluft mit Kristallen freigelegt – die Faszination hält bis heute an.
Valentin Zumsteg
Felix Lötscher ist steinreich – im wahrsten Sinne des Wortes. In seiner Werkstatt im Keller seines Wohnhauses am Rheinfelder Stadtweg finden sich hunderte von Steinen, die bereits bearbeitet und geschliffen sind oder noch darauf warten. Hier verbringt er – gerade in den Wintermonaten – viele Stunden an der Schleifmaschine oder mit der Steinsäge. In der wärmeren Jahreszeit zieht es ihn hingegen hinaus in die Berge, dort ist er auf der Suche nach besonderen Steinen und Kristallen.
«Wie ein Fieber»
«Es ist wie ein Fieber. Wenn man einmal eine Kluft mit Kristallen gefunden hat, dann ist das ein Glücksmoment, den man immer wieder erleben will», erklärt der 67-Jährige. Seine favorisierten «Jagdgebiete» sind der Raum Disentis und das Grimsel-Gebiet. «Die Grösse eines Steines ist mir nicht so wichtig, ich habe auch an kleinen Funden Freude», erklärt Lötscher, der im Raum Aarau aufgewachsen ist und 1988 wegen der Liebe nach Rheinfelden zog.
Die Faszination für Steine hat ihn bereits in jungen Jahren gepackt. «Mein Götti hat Kristalle gesammelt. Er war ein Strahler. Die Steine haben mich fasziniert. Als ich meinen ersten kleinen Kristall zufällig beim Wandern im Lukmanier-Gebiet fand, war ich etwa 10 Jahre alt. Von da an las ich alles, was ich über das Kristallsuchen finden konnte. Ein paar Jahre später, etwa mit 15, fand ich meine erste kleine Kluft in der Nähe von Disentis.» Der Moment ist ihm bis heute unvergesslich. «Diese Kristalle waren 15 bis 20 Millionen Jahre im Fels verborgen und wurden jetzt ans Sonnenlicht geholt. Das sind Zeithorizonte, da wird man als Mensch demütig und ehrfürchtig.»
Ein «Steinkoffer» für die Schule
Sein Hobby und seine Leidenschaft entwickelten sich immer weiter. Vor 25 Jahren hat er in einer Fachzeitschrift einen Artikel über das Facettieren, also das Schleifen von Steinen, gelesen. Er schaffte sich eine erste kleine Maschine an und begann, die Steine zu bearbeiten. «Ich lernte, in welchem Winkel ein Stein geschliffen werden muss, damit sich das Licht spiegelt und er Feuer kriegt.» Bald war die Idee geboren, Steinschleifen in die Schule zu bringen. Anlässlich einer Weiterbildung besuchte er einen Steinschleifer im deutschen Idar-Oberstein und lernte viel von ihm. In der Folge entwickelte er einen «Steinkoffer» für Schulen, darin befindet sich alles Material, damit Schülerinnen und Schüler im Unterricht Kieselsteine schleifen können. «Dieser Koffer ist heute noch in Schulen im Einsatz. Er kann bei mir ausgeliehen werden», sagt Felix Lötscher, der früher als Lehrer in Rheinfelden und Herznach unterrichtet hat.
Schon bald kaufte er eine grössere Schleifmaschine und begann, Schmuckstücke zu kreieren. «Ich habe auch experimentiert. Für einen Sarod-Spieler, das ist ein indisches Saiteninstrument, durfte ich ein Plektrum herstellen. Es dauerte einige Zeit, bis wir den richtigen Stein dafür gefunden haben. Als ideal stellte sich ein Rosenquarz heraus.»
«Mein Leben bereichert»
Felix Lötscher beschäftigt sich intensiv damit, was für Steine es in unserer Umgebung in der Nordwestschweiz gibt. In einer Kiesgrube in Rheinfelden fand er zum Beispiel Allalin-Gabbro, das ist ein Stein, der ursprünglich aus dem Saastal stammt. Viele dieser Gesteinsblöcke wurden während der Eiszeit von den Gletschern im Wallis ins Mittelland transportiert, über die Aare und den Rhein kamen sie schliesslich in die Nordwestschweiz. Für ein Forschungsprojekt und ein Buch hat er viele dieser Steine aufgesägt und geschliffen.
Das Steinschleifen war für Felix Lötscher ein Ausgleich zum hektischen Schulalltag. «Die Beschäftigung mit Steinen und Mineralien hat mein Leben bereichert», sagt Lötscher. Auch heute, da er pensioniert ist, geniesst er die Stunden in den Bergen und in seiner Werkstatt. Zwei Mal pro Jahr ist er mit einem Stand an einer Mineralienmesse vertreten, um seine Werke anzubieten und sich mit anderen Stein-Enthusiasten auszutauschen. Im vergangenen Jahr hat er am Rheinfelder Herbstmarkt selbergemachte Feueranzünder verkauft – natürlich ebenfalls aus Stein. Das Echo war sehr positiv.
«In den letzten 40 Jahren habe ich fast jedes Jahr ein paar Tage in den Bergen beim Strahlen verbracht. Ich konnte in all den Jahren manche Kluft öffnen und wunderbare Steine finden. Mit den Jahren bin ich aber gelassener geworden, das Finden steht nicht mehr so im Zentrum», sagt Felix Lötscher, der Grossvater von drei Enkeln ist.
Die Steine sind sein grösstes Hobby – aber nicht sein einziges. Als passionierter Saxophonist spielt er in zwei Bands. Daneben geht er gerne wandern und Ski fahren. «Ich fühle mich sehr wohl in den Bergen. Sie geben mir ein Gefühl von Heimat.»

