Der Linkshänder verabschiedet sich
03.06.2026 MöhlinEinst bekam er ein Aufgebot für den U17-Nationalmannschaftslehrgang. Der TV Möhlin aber sollte sein Herzensverein bleiben. Nun hat Linus Fässler seine letzte NLB-Saison gespielt.
Christine Steck
Seine Handballkarriere startete der kleine Linus Fässler – Jahrgang 2002, 195 ...
Einst bekam er ein Aufgebot für den U17-Nationalmannschaftslehrgang. Der TV Möhlin aber sollte sein Herzensverein bleiben. Nun hat Linus Fässler seine letzte NLB-Saison gespielt.
Christine Steck
Seine Handballkarriere startete der kleine Linus Fässler – Jahrgang 2002, 195 Zentimeter gross – mit sechs Jahren bei Susi Hürbin in der U9. Motiviert hat ihn damals Paul Hürbin, der dem Jungen im Garten einen Ball zugeworfen hatte und meinte, Handball sei der richtige Sport für ihn.
Linus Fässler war sofort begeistert und durchlief alle Juniorenstufen beim TV Möhlin. Er bezeichnet es als Glück, mit grossartigen Nachwuchstrainerinnen und Nachwuchstrainern zusammengearbeitet zu haben. Marc Scheuner, Simon Neuenschwander und Daniele Cafasso von der U13 zählt er auf; André Waldmeier, Ernst Hürbin und Nathi Ceppi; auch Reto Hürbin in der U15 sowie Thomas Bruhin, Marco Ruflin in der U17 und danach Alexander Milovanovic und Adrian Blaser in der U19. Die Bedeutung der Trainer für den Handball sei unbestritten, doch ebenso wichtig sei das Augenmerk auf Werte wie etwa die Disziplin, die man in der Juniorenzeit vermittelt bekomme. Das habe ihm auch im Alltag geholfen.
Ein besonderer Moment
Ein unvergesslicher Moment für den Sechzehnjährigen war das Aufgebot für den U17-Nationalmannschaftslehrgang, nachdem er mit der Regional-Auswahl NWS 2017 den 2. Platz in der Schweizer Meisterschaft erreicht hatte. Fässler entschied sich jedoch gegen die Nationalmannschaft – um weiterhin für den TV Möhlin zu spielen. Ein Engagement bei der Nati wäre gleichbedeutend mit einem Wechsel zu einem Juniorenverein in der Elite (HSG Nordwest) gewesen. «Mir bedeutete die Kameradschaft viel, daraus sind auch tiefe Freundschaften zu Mitspielern entstanden».
Drei Jahre später ging für ihn trotzdem die nächste Türe auf, als Trainer Samir Sarac den Linkshänder ins Möhliner NLB-Kader berief. Im Trikot mit der Nummer 15 durfte der junge Handballer viel Verantwortung übernehmen, auch vom Siebenmeter. Viele Erinnerungen an Höhepunkte aus Cup-Begegnungen oder aus Trainingslagern sind ihm geblieben. Beeindruckt haben ihn auch Spielerkollegen mit internationaler Erfahrung wie etwa Justin Larouche, der mit dem neuen Trainer Zoltan Majeri von Baden- Endingen kam und zuvor in Frankreich bei mehreren Top-Ligen unter Vertrag gestanden hatte.
Motivation oder Überlebungsmodus?
Der ehemalige NLB-Spieler glaubt nicht an eine kontinuierliche Motivation, es sei deshalb gerade dann wichtig, Disziplin zu zeigen; vor allem, wenn der Freundeskreis Termine plant und man absagen müsste, weil ein Training oder Spiel anstehe. «Da kam ich schon mal in Erklärungsnot, da ich ja in den letzten Jahren wenig Spielanteil hatte. Klar haderte ich manchmal, plagten mich Zweifel und musste ich in mich gehen. Meine eher kleine Rolle im Team auf dem Feld brauchte sicher die Extrameile an Motivation und Loyalität: also sich hinter die Mannschaft zu stellen, um gemeinsam erfolgreich zu sein.»
Mental sei der Druck auf der Sitzbank oft noch grösser als auf dem Feld, findet Fässler: «Wann komme ich rein? Wie entwickelt sich das Spiel? Was macht mein Gegenspieler? Und wenn man dann kalt ins Spiel kommt, muss man sofort abliefern, auch das ist grosse mentale Herausforderung.» Gleichzeitig zeigt sich der grossgewachsene Spieler aber auch selbstkritisch: «Man muss zeigen, dass man spielen kann, und sich nicht aufregen, wenn das nicht passiert.»
Gedanken zum Rücktritt
Die wenigen Einsatzminuten auf dem Feld sind das eine, die grosse zeitliche Belastung für Trainingsinhalte und Spieltermine das andere. In der NLB trainiert man als Amateur mit Profis und Halbprofis. «Das heisst, ich arbeite jeden Tag in einer 100-Prozent-Stelle als Privatkundenberater bei einer Bank, muss pünktlich aufstehen, zur Arbeit gehen, danach trainieren und wieder schlafen. In der letzten Saison kam noch eine Weiterbildung dazu, weshalb ich weniger trainierte. Andere Lebensbereiche leiden darunter und ohne die Unterstützung von Familie, Freundin und Freunde wäre das alles nicht möglich gewesen.» Künftig möchte er keine Sonderbehandlung mehr in Form von weniger Trainings, weshalb die NLB nicht mehr in Frage komme. «Ich kann mir aber vorstellen, nach meiner abgeschlossenen beruf lichen Weiterbildung im Sommer in einer unteren Liga zu spielen.»
Würdevoller Abschied
Linus Fässler wurde beim letzten Heimspiel der Saison zusammen mit Xavier Franceschi, Lucas Grandi und Nelio John verabschiedet. Es hat ihm viel bedeutet. Ein spezieller Dank richtet er an Tante Alice, Maja und Max Soder, welche bei fast jedem Meisterschafts-Spiel dabei waren und die Mannschaft jeweils von der Tribüne aus unterstützt haben. Er bedankt sich aber auch bei allen, welche dem Verein helfen, den Zusammenhalt wie in einer grossen Familie pflegen und an den Heimspielen für die berüchtigte «Hexenkessel»-Stimmung sorgen.

