Der Hürlimann, er knattert noch

  28.08.2025 Möhlin

Die Dieselromantik aus der einstigen Feldarbeit erobert den Asphalt der Hauptstrasse. Fast sechzig Modelle nehmen übermorgen Samstag am Oldtimer-Traktorentreffen in Möhlin teil.

Ronny Wittenwiler

Sie heissen Soder und Waldmeier. Metzger und Schlachter. Doch der Star auf diesem Bild ist ein Hürlimann. Und ja, er knattert noch. Läuft. Und läuft. So ist das nun mal mit liebevoll gepflegten Traktoren. Viele haben im hohen Oldtimer-Alter nichts von ihrem Glanz eingebüsst – im Gegenteil. «Mich erinnern sie an alte Zeiten. Wie die Bauern mit ihnen aufs Feld getuckert sind», sagt Beat Waldmeier vom Ryburger Club. «Messerbalken runter und zehn Meter weiter nach Überqueren des ersten Maushaufens ging nichts mehr und alles musste wieder neu eingestellt werden.» Heute sind die Traktoren technologisierter, schwerer, teurer. Unbezahlbar vielleicht gerade deswegen bleibt vielen deshalb der Anblick dieser landwirtschaftlichen Oldies. Den Perlen einer Kette gleich werden die Schmuckstücke jetzt wieder in Ryburg-Möhlin nebeneinander gereiht. Knapp sechzig Traktorenbesitzer aus dem Fricktal, der restlichen Nordwestschweiz und dem Badischen präsentieren übermorgen Samstag ihre Modelle. Einer der Traktoren kommt gar aus dem Zürcher Weinland nach Möhlin getuckert. Das Oldtimer-Traktorentreffen hat Tradition am alle zwei Jahre stattf indenden Ryburger Fäscht und es lässt sich keiner der Beteiligten den jeweiligen Höhepunkt dieser Dieselromantik nehmen: der Korso aller geschmückter Traktoren durchs Dorf. Eines ist dabei gewiss – der Hürlimann, er knattert noch.

Durchaus ernste Themen
Ebenfalls der eigenen Geschichte gewidmet ist am Samstag der Einblick in ein Handwerk, wie es hier am Rhein einst betrieben wurde. Zwölf Baumstämme aus dem Möhliner Forst liegen bereit, um daraus ein Floss nach alter Tradition zu bauen. Wie so etwas geht, weiss die Flössergilde Wallbach (DE) ganz genau und sie wird es interessierten Besucherinnen und Besuchern vor Ort demonstrieren. Es ist ein weiterer Blick zurück in die Geschichte der Menschen hier in der Region. Einzeln den Rhein hinuntergetrieben, über den Laufenburger Laufen, wurden weiter unten die Stämme jeweils zu teils riesigen Flössen zusammengebunden – genutzt für den Warentransport, genauso aber auch als Plattform für eine Reise in ein besseres Leben. So zum Beispiel im Jahr 1816, als eine Missernte im Bezirk Rheinfelden 140 Menschen veranlasst haben soll, die Heimat zu verlassen. «Da ist zum Beispiel diese besondere Geschichte», sagt Beat Waldmeier, und liest aus einer Chronik vom Fall der «zwei alten aus Möhlin stammenden Schwestern Wirthlin, die in Amsterdam das Schiff mangels Reisegelds nicht betreten durften und wieder heimreisten.» Wer weiss, ob in Möhlin deswegen der Name Wirthlin noch immer so stark vertreten ist. Genau wie Soder und Waldmeier. Metzger und Schlachter; sie, die sich für das Foto gerade versammeln – um diesen einen Hürlimann.


18. Ryburger-Fäscht: Samstag, 30. August, alter Fussballplatz Bata (hinter Bata-Clubhaus).
Festbetrieb ab 10 Uhr mit Buurestube/Kaffeestube; Barbetrieb Fasnachtzunft Ryburg (Direktübertragung Schwingfest im Barzelt).
Oldtimer-Traktorentreff mit Korso (14 Uhr) durchs Dorf, Präsentation altes Handwerk durch Flössergilde Wallbach.


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