Fabienne Hoenke: von der Mädchenriege Möhlin an die europäische Spitze der Leichtathletik.
Ronny Wittenwiler, Simone Rufli
Es war eine kleine Meldung, damals in dieser Zeitung am 5. September 2012, und wie so oft, wenn Grosses geschieht, ist ein Blick zurück umso ...
Fabienne Hoenke: von der Mädchenriege Möhlin an die europäische Spitze der Leichtathletik.
Ronny Wittenwiler, Simone Rufli
Es war eine kleine Meldung, damals in dieser Zeitung am 5. September 2012, und wie so oft, wenn Grosses geschieht, ist ein Blick zurück umso interessanter. Wer also hätte damals schon ahnen können, dass aus diesem kleinen Mädchen, achtjährig, mit langen blonden Haaren, vierzehn Jahre später eine Vize-Europameisterin wird? Doch nun ist es genauso gekommen.
Die Schweiz freut sich
Die Tage in Birmingham – sie waren komplett aufregend und äusserst erfolgreich für Fabienne Hoenke. Zuerst ist da dieser grosse Auftritt über die 200 Meter. Mit einer neuen persönlichen Bestzeit (22,46 Sekunden) sensationell und als einzige Schweizerin überhaupt ins Finale vorgestossen. Und dort im Final: Denkbar schlecht kommt sie aus den Blöcken, ein völlig missratener Start, doch dreht sie gegen Ende hin in beeindruckender Manier auf und wird in 22,55 Sekunden Vierte. Es ist Donnerstagabend, die Schweiz freut sich, auf dem Facebook-Kanal dieser Zeitung freuen sich unzählige Fricktalerinnen und Fricktaler für die schnelle Frau aus Möhlin.
Und dann, zwei Tage später, nimmt der Hoenke-Wahnsinn endgültig seinen Lauf: Kurz vor 23 Uhr Schweizer Zeit gewinnt sie mit der 4x100m-Frauenstaffel EM-Silber.
Ajla hat entschieden
Und als wäre diese Geschichte nicht schon gross genug, entwickelt sich Stunden zuvor überhaupt erst diese Dynamik, denn: Ursprünglich war Hoenke nicht für die Staffel vorgesehen. Den souveränen Finaleinzug bewerkstelligen Géraldine Di Tizio-Frey, Ajla Del Ponte, Léonie Pointet und Salomé Kora, doch dann: Fühlt sich Ajla Del Ponte nicht zu hundert Prozent fit genug und hat die Grös se, alles dem Teamerfolg unterzuordnen. Fabienne Hoenke, die also als einzige Schweizerin den Final über 200 Meter im Einzel erreicht und dort gerade erst fantastische EM-Vierte wurde, rückt nach. Staffeltrainer Kim Beytrison erklärt gegenüber SRF: «Ajla hat entschieden, dass Fabienne es verdient.» Und dann eben, kurz vor 23 Uhr Schweizer Zeit, tritt er ein, der Hoenke-Wahnsinn von Birmingham: Vize-Europameisterin mit der Frauenstaffel auf die 4x100m. Spät in der Nacht, eigentlich schon am frühen nächsten Morgen bedankt sich Fabienne Hoenke per WhatsApp für die Glückwünsche; auch das ist Fabienne Hoenke.
«Fabienne Hoenke von der Mädchenriege Möhlin schaffte es am Finale der besten jungen Schweizer Leichtathleten, dem UBS-Kids-Cup, in Zürich auf den guten neunten Schlussrang.» Es war eine kleine Meldung, damals in dieser Zeitung am 5. September 2012.
Vierzehn Jahre später gehört die 22-Jährige zu den besten Sprinterinnen Europas.
Nach dem 4. Platz über 200m und Silber mit der Staffel wird Fabienne Hoenke zudem Vierte mit der 4x100m-Mixed-Staffel.
«Ich kam nie richtig ins Fliegen»
Der Möhliner Matthias Kyburz läuft im EM-Marathon auf den 17. Platz. «Ich hatte gehofft, dass noch etwas mehr geht, muss aber anerkennen, dass heute hart gelaufen wurde und somit sechzehn Läufer besser waren als ich – da kann man nur gratulieren», sagte Kyburz kurz nach dem Rennen gegenüber SRF. Nie richtig ins Fliegen sei er gekommen. «Als dann die Post abging, merkte ich, dass ich nicht die Beine dafür habe, mit den Schnellsten mitzugehen.»
(rw)