«Der Hausarzt-Mangel ist deutlich spürbar»
02.08.2024 FrickIn der neuen IAVO-Praxis wurden bereits rund 5000 Personen behandelt
Mit der neueröffneten «Ihre Ärztin, Ihr Arzt vor Ort»- Praxis in Frick des Gesundheitszentrums Fricktal kümmern sich aktuell 27 Ärztinnen und Ärzte in der Allgemeinmedizin wie auch mehreren Spezialgebieten um die vielen Patienten. Zurzeit können in der hausärztlichen Medizin keine weiteren Patienten aufgenommen werden.
Susanne Hörth
Nach rund fünfjähriger Planung hat das Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) am 15. April in Frick seine bisher grösste IAVO-Praxis eröffnet. IAVO steht für «Ihre Ärztin, Ihr Arzt vor Ort». Schon in der ersten Woche nach der Eröffnung wurden in der neuen Gemeinschaftspraxis im haus- und fachärztlichen Bereich rund 200 Patientinnen und Patienten behandelt. Mittlerweile sind es bereits 5000 Personen. «Für uns ist dies ein klares Zeichen, dass sich die IAVO-Praxis rasch etabliert hat», sagt Jennifer Küng von der GZF-Kommunikation. Stolz fügt sie an: «Es ist das schönste Kompliment überhaupt, dass so viele Menschen in Frick uns ihr Vertrauen schenken.» In der ersten Zeit habe, wie bei einem Neustart üblich, das eine oder andere Detail noch optimiert werden müssen. Als Beispiel nennt sie: «Mit der Integration mehrerer Praxen in der IAVO Frick an der Hauptstrasse – darunter das Praxiszentrum Frick, die bisherige Praxis im Zentrum und das Fachärztehaus des GZF – traten vereinzelt Herausforderungen mit dem Praxis-System auf und nicht alle internen Prozesse liefen auf Anhieb perfekt.» Die Abläufe und Prozesse hätten jedoch schon in den ersten Tagen spürbar verbessert werden können.
Hausärztlicher Bereich
Auf die Frage, ob noch neue Patientinnen und Patienten aufgenommen werden können, antwortet Jennifer Küng: «Der hausärztliche Mangel ist deutlich spürbar. Wir versuchen hier, die vorhandenen Kapazitäten bestens auszuschöpfen. Trotz all dem können wir zurzeit im hausärztlichen Bereich keine neuen Patientinnen und Patienten aufnehmen.» Beim GZF sei man aber sehr bemüht, mittelfristig zusätzliche Kapazitäten für die hausärztliche Medizin zu schaffen. In den anderen fachärztlichen Disziplinen hingegen habe es in der Fricker Praxis noch Kapazitäten, um neue Patienten aufzunehmen. Im April ist die grosse Praxis in Frick mit 27 Ärzten und Ärztinnen gestartet. Gerade im Zusammenhang mit dem Mangel an Hausärzten freut sich Jennifer Küng, mitteilen zu können, dass ab Oktober 2024 in der hausärztlichen Medizin mit Kevin Madörin ein weiterer Arzt zum Team stossen wird.
«Wir sind davon überzeugt, dass die Menschen in unserer Region mit solchen Gesundheitsangeboten im Sinne einer integrierten Versorgung der kurzen Wege im ganzen Fricktal profitieren», geht Jennifer Küng auf entsprechende Frage ein. «In Ergänzung zum bereits bestehenden Angebot der ansässigen Hausärzte und anderen Fachspezialisten wirken wir so gemeinsam dem Mangel an Hausärzten entgegen und leisten auch einen wesentlichen Beitrag zur Kostensenkung im Gesundheitswesen.»
Die Leute schätzen das Angebot unter einem Dach
IAVO-Praxis Frick: Fortsetzung von Seite 1
Das GZF betreibt die neue und bisher grösste IAVO-Praxis in Frick seit April dieses Jahres. Die Verantwortlichen ziehen ein positives Fazit.
Susanne Hörth
Ein Argument für das Planen und Eröffnen der grossen IAVO-Praxis in Frick war für die Verantwortlichen beim Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) auch, den Patientinnen und Patienten verschiedene medizinische Fachbereiche unter einem Dach bieten zu können. Dass der Austausch wie erhofft unter den Ärztinnen und Ärzten sowie all den anderen in der Praxis Beschäftigten gut funktioniert, verdeutlicht Jennifer Küng, Kommunikationsfachfrau beim Gesundheitszentrum Fricktal, mit: «Das Team arbeitet sehr gut über die unterschiedlichen Disziplinen hinweg zusammen und unterstützt sich gegenseitig. Die Mitarbeitenden vor Ort treffen sich regelmässig über die verschiedenen Berufsgruppen hinweg und tauschen sich aus. Der Umgang ist sehr kollegial, wir spüren einen guten Team-Spirit.» Von dieser guten Zusammenarbeit und den schnellen Kommunikationswegen würden am Ende die Patientinnen und Patienten profitieren. Apropos Patienten. Wie schätzen diese das umfassende medizinische Angebot an einem Ort? «Sehr», so Küng. «Das Feedback ist bisher durchwegs positiv, was uns sehr freut und weiter motiviert.» Geschätzt würden zudem die modernen Räumlichkeiten und die zeitgemässe Ausstattung in einer freundlichen Atmosphäre.
Kleinere Eingriffe möglich
Bei der Besichtigung im April vor der Eröffnung wurden den Medien auch die Räumlichkeiten gezeigt, in welchen kleinere operative Eingriffe vorgenommen werden können. «Unser Eingriffsraum ist seit Anfang Juli grundsätzlich einsatzbereit. Zurzeit werden aber noch einzelne Feinschliffarbeiten getätigt. Die verschiedenen Fachdisziplinen, wie beispielsweise die Chirurgie, das Zentrum für Bewegung und die Urologie werden in der nächsten Zeit den Betrieb im Eingriffsraum sukzessive aufnehmen», geht Jennifer Küng auf den Stand dieses Bereiches ein. Sie erwähnt zudem, dass es bei den zahlreichen Behandlungsräumen noch vereinzelte gebe, welche zur Verfügung stünden.
Bei der Besichtigung im April wurde ebenfalls betont, dass mit der IAVO-Praxis verhindert werden könne, dass die Leute immer gleich die Notfallstationen der beiden Spitäler in Laufenburg und Rheinfelden aufsuchen. Spürt man hier bereits eine Verbesserung? Darauf Jennifer Küng: «Ohne eine exakte statistische Auswertung über einen längeren Zeitraum ist es schwierig, aktuell eine aussagekräftige Antwort zu geben. Mittelfristig ist es ein Ziel, die Notfallstationen spürbar zu entlasten.»
Kann sich das GZF vorstellen, in absehbarer Zukunft eine weitere solche IAVO-Praxis im Fricktal zu errichten? Hierzu meint die Kommunikationsfachfrau: «Grundsätzlich ist es uns ein wichtiges Anliegen, die Menschen im Fricktal rund um ihre eigene Gesundheit von der hausärztlichen Medizin bis hin zur Langzeitpflege, von der Geburt bis zum Lebensende gut zu versorgen. Daher richten wir unser Angebot immer nach der vorhandenen Nachfrage aus.»
An dieser Stelle erwähnt sie erneut die aktuell sehr grosse Nachfrage im hausärztlichen Bereich (siehe dazu auch Artikel auf Seite 1). Obwohl es hierzu keine einfachen und schnellen Lösungen gebe, sei man beim GZF bestrebt, «mittel- und längerfristig in den bestehenden IAVO-Praxen weitere Kapazitäten für hausärztliche Medizin zu schaffen».