Denkimpuls 8 – Kommen Sie mit auf unsere «Denkreise»
06.02.2026 FricktalWas wäre, wenn Nichtwissen der Schlüssel zu echter Erkenntnis wäre?
Oder weshalb es alle besser wissen, obwohl es niemand weiss.
Der harte Kern des Nichtwissens bildet das «unbekannt Unbekannte». Unsere ...
Was wäre, wenn Nichtwissen der Schlüssel zu echter Erkenntnis wäre?
Oder weshalb es alle besser wissen, obwohl es niemand weiss.
Der harte Kern des Nichtwissens bildet das «unbekannt Unbekannte». Unsere Wissensgesellschaft tut sich verständlicherweise schwer, Nichtwissen zu akzeptieren und auszuhalten. Wir fürchten die Konsequenzen: Wer Unwissen eingesteht, riskiert Status, Macht und allenfalls den Job. Beispiele zeigen: Sobald exponierte Persönlichkeiten ihr Nichtwissen einräumen, werden sie von den Medien rasch disqualifiziert. Auch das Bildungssystem ist auf Wissenserwerb ausgelegt; in der Kenntnis der eigenen Unkenntnis und im klugen Umgang damit sind wir wenig geschult. In der Realität jedoch dominiert das Nichtwissen über die echten Zusammenhänge unsere Welt. Und wir tun uns schwer die existenten Vernetzungen, zirkulären Rückkoppelungen und chaotischen Kippeffekte zu verstehen.
Was wäre, wenn der grösste Feind des Wissens nicht die Unwissenheit, sondern die Illusion des Wissens wäre? Die erlebte Covid- 19-Pandemie hat uns das «unbekannt Unbekannte» drastisch vor Augen geführt. Das Bewusstsein für die Grenzen des eigenen Wissens hält produktives Zweifeln wach und fördert die Offenheit für das dialogische, gemeinsame Weiterdenken und -suchen.
Zwei persönliche Reflexionsfragen:
• Wie oft traue ich mich zu sagen: «Ich weiss es nicht» – und mache mich damit verletzbar?
• Wie ausgeprägt ist meine innere Sicherheit im Umgang mit dem eigenen Nichtwissen?
Erkläre es einem Kind – die Einladung zu einem persönlichen Experiment:
Wählen Sie ein Thema, von dem Sie denken, es gut zu kennen und zu verstehen. Versuchen Sie, es in wenigen Sätzen so zu erklären, dass es auch ein Kind verstehen kann. Dort, wo Sie ins Stocken geraten, beginnt Ihr Nichtwissen. Reflektieren Sie anschliessend Ihre unerwarteten Wissenslücken und erkennen Sie darin Ihr trügerisches Eigenwissen: ein erster Schritt zur intellektuellen Bescheidenheit.
Wir sind gespannt auf Ihre Erfahrungen. Ihre Meinung interessiert uns: redaktion@nfz.ch
Die «Denkreise» will aufrütteln – leise, aber nachhaltig. Jede Etappe bietet eine Möglichkeit, die eigene Erfahrungswelt kritisch zu hinterfragen. Denken jenseits der Norm kratzt an Gewissheiten. Es weitet den Blick für das, was denkbar ist. Machen Sie mit. Denken Sie mit. Und vielleicht auch: Denken Sie um!
Hans A. Wüthrich wohnt in Rheinfelden. Er ist emeritierter Universitätsprofessor, Fachbuchautor und engagiert u. a. in der Stiftung MBF und Spitex Fricktal AG.

