Oder weshalb wir in Urteilskraft und Eigenverantwortung investieren sollten. - Kommen Sie mit auf die «Denkreise» von Hans A. Wüthrich.
Misstrauen prägt unsere Gesellschaft und zunehmend beobachten wir, wie das Vertrauen in Menschen erodiert. Wo früher persönliche Einschätzung und ...
Oder weshalb wir in Urteilskraft und Eigenverantwortung investieren sollten. - Kommen Sie mit auf die «Denkreise» von Hans A. Wüthrich.
Misstrauen prägt unsere Gesellschaft und zunehmend beobachten wir, wie das Vertrauen in Menschen erodiert. Wo früher persönliche Einschätzung und Handschlag galten, dominieren heute Nachweise, Protokolle und Algorithmen. Vertrauensarbeit wird durch Zeiterfassung ersetzt. Bewerbungen werden von der Künstlichen Intelligenz vorsortiert, Mitarbeitende mittels Bildschirmüberwachung diszipliniert. Auch im Alltag zeigt sich dieses Misstrauen: Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen oder Kameras in Geschäften. Immer mehr vertrauen wir der Technik oder Regeln statt Menschen. Damit verbunden ist auch eine Zunahme an Gesetzen. Gemäss Schätzungen beträgt der Netto-Zuwachs an rechtlichen Auflagen in der Schweiz pro Jahr ca. 1000 bis 1500 Seiten.
Was wäre, wenn wir die Aussage des Soziologen Niklas Luhmann beherzigen würden: «Die einzige Möglichkeit im Umgang mit Komplexität ist Vertrauen.» Wir hätten mehr Rahmenrichtlinien und weniger Detailregeln. Menschen würden mehr Eigenverantwortung übernehmen und autonomer entscheiden. Die moralische Urteilskraft würde gestärkt. Weniger Bürokratie und Kontrollmechanismen wären erforderlich und eine höhere intrinsische Motivation beobachtbar.
Zwei persönliche Reflexionsfragen:
• Welche Erfahrungen prägen mein Bild von Vertrauen?
• In welchen Lebensbereichen bin ich bereit zu vertrauen und warum gerade dort?
«Blindes Vertrauen» – die Einladung zu einem persönlichen Experiment:
Überlassen Sie eine Aufgabe komplett einer anderen Person, ohne jegliche Vorgaben, Anweisungen und Zwischenkontrollen. Reflektieren Sie danach gemeinsam – wie hat sich dieses Vertrauen für beide Seiten angefühlt. Oder treffen Sie eine «Handschlag»-Vereinbarung und erleben Sie, wie das Gefühl von gegenseitiger Verpflichtung und Verlässlichkeit auch formlos entstehen kann.
Wir sind gespannt auf Ihre Erfahrungen. Ihre Meinung interessiert uns: redaktion@nfz.ch
Die «Denkreise» will aufrütteln – leise, aber nachhaltig. Jede Etappe bietet eine Möglichkeit, die eigene Erfahrungswelt kritisch zu hinterfragen. Denken jenseits der Norm kratzt an Gewissheiten. Es weitet den Blick für das, was denkbar ist. Machen Sie mit. Denken Sie mit. Und vielleicht auch: Denken Sie um!