Denkimpuls 10 – Kommen Sie mit auf unsere «Denkreise»
27.03.2026 FricktalWas wäre, wenn Normalität keine Norm mehr wäre?
Oder warum es lohnt, dem «Normalen» mit Skepsis zu begegnen.
Was wir für selbstverständlich halten, erscheint uns normal – es bildet unseren ...
Was wäre, wenn Normalität keine Norm mehr wäre?
Oder warum es lohnt, dem «Normalen» mit Skepsis zu begegnen.
Was wir für selbstverständlich halten, erscheint uns normal – es bildet unseren persönlichen Standard, unsere Eigennorm. Dieses «Normale» prägt unsere Sicht auf die Welt, beeinflusst unsere Urteile und steuert unser Handeln. Es hilft uns, uns zu orientieren, kann aber auch zur intellektuellen Trägheit führen. Weil wir uns im Gewohnten eingerichtet haben, merken wir oft nicht, wie sehr diese scheinbar natürliche Normalität unseren Blick verengt. Medizin, Psychologie oder auch das soziale Miteinander zeigen immer wieder: Normen sind weder statisch noch universal, sondern abhängig von Zeit, Kultur und Kontext. Was heute als normal gilt, kann morgen schon überholt sein. Wer das «Normale» nie infrage stellt, riskiert, die Welt nur noch durch eine schmale Linse zu sehen.
Was wäre, wenn wir das, was wir für «normal» halten, regelmässig auf den Prüfstand stellten? Wenn wir uns erlaubten, gewohnte Massstäbe zu hinterfragen, statt sie als selbstverständlich zu akzeptieren? Wir könnten unsere Sichtweise radikal erweitern, eingefahrene Denkmuster aufbrechen und Neues entdecken. Oder wie es die Schriftstellerin Maya Angelou treffend formuliert: «Wenn du immer versuchst normal zu sein, wirst du niemals erfahren, wie besonders du sein kannst.»
Zwei persönliche Reflexionsfragen:
• Welche meiner Überzeugungen und Gewohnheiten halte ich für «normal» und warum?
• Wo empfinde ich die Fixierung auf das Normale als bereichernd und wo eher als hemmend oder lähmend?
Kontra-Woche – die Einladung zu einem persönlichen Experiment:
Suchen Sie sich für eine Woche, jeweils eine alltägliche Situation aus, in der Sie bewusst gegen Ihre zur Norm gewordene Gewohnheit handeln – zum Beispiel einen anderen Weg zur Arbeit nehmen, mit anderen Menschen sprechen, ein fremdes Lokal aufsuchen. Beobachten Sie, wie sich Ihr Blick auf das «Normale» verändert, welche neuen Perspektiven entstehen und wie besonders Sie sein können.
Wir sind gespannt auf Ihre Erfahrungen. Ihre Meinung interessiert uns: redaktion@nfz.ch
Die «Denkreise» will aufrütteln – leise, aber nachhaltig. Jede Etappe bietet eine Möglichkeit, die eigene Erfahrungswelt kritisch zu hinterfragen. Denken jenseits der Norm kratzt an Gewissheiten. Es weitet den Blick für das, was denkbar ist. Machen Sie mit. Denken Sie mit. Und vielleicht auch: Denken Sie um!
Hans A. Wüthrich wohnt in Rheinfelden. Er ist emeritierter Universitätsprofessor, Fachbuchautor und engagiert u. a. in der Stiftung MBF und Spitex Fricktal AG.

