Auf das Schuljahr 2026/27 werden im Aargau sogenannte «Regionale Förderklassen plus» geschaffen. Die Transportkosten für die Schülerinnen und Schüler müssen die Wohngemeinden übernehmen. Die Magdener Gemeindepräsidentin und Grossrätin Carole Binder-Meury hat dazu einen Vorstoss ...
Auf das Schuljahr 2026/27 werden im Aargau sogenannte «Regionale Förderklassen plus» geschaffen. Die Transportkosten für die Schülerinnen und Schüler müssen die Wohngemeinden übernehmen. Die Magdener Gemeindepräsidentin und Grossrätin Carole Binder-Meury hat dazu einen Vorstoss eingereicht.
Valentin Zumsteg
MAGDEN/FRICKTAL. Carole Binder-Meury ist sauer: «Einmal mehr stehen wir vor finanziellen Herausforderungen, weil der Kanton seine Hausaufgaben nicht macht», erklärt die Magdener Gemeindepräsidentin und SP-Grossrätin. Grund für ihren Ärger: Im Aargau fehlen viele Plätze an Sonderschulen. Aus diesem Grund sollen auf das neue Schuljahr 2026/27 sogenannte «Regionale Förderklassen plus» für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bildungsbedürfnissen geschaffen werden. Im Fricktal ist Stein als Standort geplant. «Doch für die Wohnsitzgemeinden der betroffenen Kinder ist dies eine riesige finanzielle Herausforderung. Sie müssen nämlich die Transportkosten zu den Regionalen Förderklassen komplett alleine tragen», hält Carole Binder-Meury fest. Dazu heisst es in einem Merkblatt des kantonalen Bildungsdepartementes: «Wenn eine Schülerin oder ein Schüler eine ‹Förderklasse plus› in einer anderen Gemeinde besucht, liegt die Verantwortung für die notwendigen Transportkosten bei der Wohngemeinde des Kindes.»
«Nicht zu Ende gedacht»
Aus Sicht von Carole Binder-Meury sind die «Regionalen Förderklassen plus» keine schlechte Idee, aber die Sache sei nicht zu Ende gedacht. «Für Städte wie Baden oder Aarau mögen sie eine gute Ergänzung zu den fehlenden Sonderschulplätzen sein, für ländliche Regionen sprengen die Transportkosten aber vielerorts das Budget.» In den wenigsten Fällen lasse sich der Transport im ländlichen Raum über den Öffentlichen Verkehr oder Sammelkurse sicherstellen. «Den Gemeinden bleibt somit keine andere Wahl, als Einzelfahrten per Taxi zu organisieren», so Binder-Meury. Magden hat die anfallenden Kosten berechnet. «Bei einem Schulweg von gerade einmal 10 bis 15 Kilometern summiert sich dies pro Kind auf rund 20 000 Franken jährlich.» Dies sei ein Vielfaches der Kosten, die für einen Sonderschulplatz anfallen würden.
«Kanton steht unter Zugzwang»
Das Problem betrifft zahlreiche Gemeinden: «Ich bin von Vertretern von verschiedenen Gemeinden angesprochen worden, zum Beispiel Zeiningen und Böztal», so Binder-Meury. Aus diesem Grund hat die Grossrätin am Dienstag eine überparteiliche Interpellation zum Thema eingereicht. Darin will sie unter anderem wissen, wie der Kanton die Transportkosten zumindest teilweise mitfinanzieren könnte.
Gleichzeitig arbeitet Carole Binder-Meury zusammen mit Stadträtin Susanna Schlittler mit Hochdruck daran, dass in Rheinfelden ab Januar 2027 in Zusammenarbeit mit dem Kanton und dem Kinderheim Brugg wieder ein Standort Tagessonderschule mit zwei Schulklassen eröffnet werden kann. Für sie ist klar: «Der Kanton Aargau steht unter Zugzwang. Die Gemeinden erwarten rasche Antworten, damit die Integration von Kindern mit besonderem Förderbedarf nicht an den Transportkosten scheitert.»