«Das ‹Warteck› gehörte zu Laufenburg»

  26.03.2026 Laufenburg

Traditionsrestaurant ist Geschichte – Wirtin Erika Lagler setzte sich vor kurzem zur Ruhe

Nach 23 Jahren als Angestellte, Chefin und Köchin des beliebten Restaurants am Eingang zur Laufenburger Altstadt hörte Erika Lagler kurz vor ihrem 65. Geburtstag auf. Dabei war der Planeigentlich ein anderer.

Andrea Worthmann

Der Gastraum ist bereits leer. Schon seit einiger Zeit wird fleissig geräumt, das komplette Inventar des ‹Warteck› zum Verkauf und gratis zum Mitnehmen angeboten. Regale voller Gläser, Teller, Besteck, Tischdecken und Restaurantutensilien stehen vor dem Traditionshaus. Von dem gemütlichen, rustikalen Restaurant ist kaum noch etwas zu erkennen. Seit Ende letzten Jahres ist es geschlossen, denn Wirtin Erika Lagler hatte den Entschluss gefasst, aufzuhören.

«Der Plan war eigentlich ein anderer», gibt Lagler zu. «Eigentlich wollte ich warten, bis mein Partner in drei Jahren in Pension geht. Er ist ein bisschen jünger. Aber dann hatten wir einen Todesfall im Bekanntenkreis.» Das machte sie nachdenklich, und sie beschloss, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt zum Aufhören für sie sei.

Von der Schneiderin zur Wirtin
Die in der Ostschweiz aufgewachsene Erika Lagler hatte ursprünglich das Schneiderhandwerk gelernt. 1997, mit 36 Jahren, entschied sie sich dann, nochmals die Schulbank zu drücken, und machte für drei Monate die Wirtefachschule. Gemeinsam mit ihrem damaligen Mann kam sie von Zürich nach Remigen und übernahm 1998 in Sulz das Restaurant Krone. Ihr Mann war damals in Sachen Partyservice tätig, und beide hegten schliesslich den Wunsch nach einem eigenen Restaurant. Bis 2003 führten sie das Restaurant Krone. Dann bot sich ihnen die Chance, das Restaurant Warteck in Laufenburg zu kaufen, welches die Familie Schumacher zuvor über 30 Jahre auch als Restaurant geführt hatte.

2008 trennte sich Lagler von ihrem Mann und verliess auch das Restaurant. Ihr Mann führte das «Warteck» zunächst weiter, übergab das Zepter dann aber an seinen Sohn und die Schwiegertochter. Erika Lagler kam daraufhin zurück ins «Warteck» und arbeite im Angestelltenverhältnis. Schliesslich übernahm sie das «Warteck» ganz und führte es vorerst als Café im Tagesbetrieb, bis nach der Schliessung des Restaurants Probstei der dortige Koch ins «Warteck» kam und dieses ab dann wieder als Restaurant mit warmer Küche geführt wurde. Zuletzt wechselte Lagler selbst in die Küche, kochte mit Freude vor allem gut bürgerliche Gerichte und Cordon-bleu-Variationen.

Für den Gastraum hatte sie Servicepersonal. Das funktionierte gut und machte ihr Spass. Überhaupt: Der Kontakt zu den Menschen, den Vereinen, aber auch die guten Gespräche und tollen Feste, machten ihre Arbeit aus, und die Begeisterung dafür ging nie vorbei.

«Warteck» überlebte viele Restaurantschliessungen
Laufenburgs Restaurants haben seit Jahren Probleme, es gab mehrere Eröffnungen und immer wieder Schliessungen. Das Restaurant Warteck jedoch hat es über die Jahre geschafft. Was sind die Gründe? «Das ‹Warteck› gehört einfach zu Laufenburg», sagt Lagler. Es sei zwar nicht immer leicht gewesen, und ab und zu habe man sich durchbeissen müssen, aber: «Solange ich die Rechnungen und die Gehälter zahlen konnte, habe ich weitergemacht.»

Vielleicht liegt es an der Stammkundschaft, vielleicht ist es hilfreich gewesen, keine Pacht zahlen zu müssen. Aber das «Warteck» war oft gut besucht und hatte den Vorteil, gerade im Sommer mit der Terrasse am Rhein zu punkten.

Gern wüsste Erika Lagler noch etwas mehr über die Vergangenheit des Restaurants und zeigt ein Foto, auf dem noch das Solebad zu sehen ist – seitlich davon das «Warteck». Dann erzählt sie von einer Abdankung im November 2025 im Restaurant und dass die Eltern des Verstorbenen um 1900 das Restaurant geführt haben sollen. «Das war sehr interessant und ein komischer Zufall».

Die Räumlichkeiten werden umgebaut
Und jetzt? Was wird mit den Räumen geschehen? «Nun wird es erstmal umgebaut und renoviert», erzählt Lagler. Dann sollen dort Studiowohnungen entstehen. Das liegt in der Hand ihres Sohnes, dem das Haus gehört. Das Hotel Mocca wird weiterhin mit Schwiegertochter Désirée Lagler betrieben und läuft nach wie vor gut.

Nun geniesst Erika Lagler erstmal die ruhigere Zeit und sitzt hin und wieder an der Nähmaschine. «Wenn mein Partner dann auch pensioniert ist, werden wir mit dem Bulli auf Reisen gehen. Das ist ein Traum von uns.»


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