«Das Trommeln liegt bei uns in der Familie»
14.09.2026 PersönlichEr kennt die Basler und die Fricktaler Fasnacht, spielt die klassische Basler Trommel, ist schon vor der Queen aufgetreten und unterrichtet mit viel Engagement Jungtambouren. Robin Winkler erzählt, weshalb das Trommeln seine Leidenschaft ist.
Petra Schumacher
«Fast meine ganze ...
Er kennt die Basler und die Fricktaler Fasnacht, spielt die klassische Basler Trommel, ist schon vor der Queen aufgetreten und unterrichtet mit viel Engagement Jungtambouren. Robin Winkler erzählt, weshalb das Trommeln seine Leidenschaft ist.
Petra Schumacher
«Fast meine ganze Familie trommelt: Vater, Tante, Cousinen und Cou-Cousinen spielen bei den ‹Basler Rolli›. Auch meine Mutter ist musikalisch, allerdings pfeift sie bei den ‹Muggedätscher›. Ich bin mit dem Trommeln und der Fasnacht aufgewachsen», so Robin Winkler, Jahrgang 1997. «Da wir in Möhlin leben, habe ich natürlich von klein auf die Fasnacht hier im Fricktal kennengelernt und parallel dazu die Basler Fasnacht. Die Trommel war und ist mein Instrument. Ein anderes Musikinstrument hat mich bisher nicht interessiert.»
Passion fürs Lehren
Mit acht Jahren hat Robin Winkler angefangen zu trommeln. «Am Montag habe ich als Jungtambour in Möhlin getrommelt und am Donnerstag in Basel bei den ‹Basler Rolli›. Ich war von Anfang an vom Trommeln ‹angefressen›. Es verwundert nicht, dass Robin Winkler auch beim Militär trommelte. «Während des Militärdienstes konnte ich auch eine Dirigentenausbildung machen, habe dort gespielt und auch unterrichtet. So habe ich früh gemerkt, dass ich mein Wissen gerne weitergebe und den Lernstoff auch gut vermitteln kann», erklärt der Tambour. Es verwundert daher wenig, dass Robin Winkler den Lehrerberuf für sich wählte. Der studierte Primarschullehrer unterrichtet derzeit eine fünfte Klasse in Möhlin. Robin Winkler unterrichtet bei den Tambouren in Ryburg und den «Basler Rolli» die Kinder und bei den Basler «Alti Stainlemer» Erwachsene. «Nein, mir wird das nicht zu viel. Für mich ist das der Ausgleich zum Alltag.»
2022, trommeln für die Queen
Früh erreicht der Tambour das, was für viele Trommler das Sehnsuchtsziel ist: Er wird Teil des Top Secret Drum Corps und tritt mit ihnen beim Tattoo in Basel und Edinburgh auf. «Das war ein intensives Erlebnis. Wir waren über sechs Wochen in England und Schottland. Während vier Wochen hatten wir jeden Tag einen Auftritt. Mein persönlicher Höhepunkt dabei war unser Auftritt im Schloss Windsor zum 70. Thronjubiläum der Queen.»
Trommeln verbindet
Die Tambouren der Fasnachtzunft Ryburg blicken auf eine lange Geschichte zurück. «Wir sind allerdings kein reiner Fasnachtsverein», erzählt Robin Winkler. «Wir Tambouren legen viel Wert auf das Wettspiel und nehmen an regionalen und eidgenössischen Preistrommelanlässen teil. In unserem Verein haben wir einige Einzel-Schweizermeister und drei Schweizermeistertitel als Sektion in der Höchstklasse. Darauf sind wir natürlich stolz.»
«Jeder trommelt für sich und doch in der Gruppe. Die Verbundenheit, den Teamgeist und das gemeinsame Üben schätze ich sehr», so der Tambour. «Der Verein ist so etwas wie eine zweite Familie. Die Konstanz, die wir hier im Verein haben, zeigt mir, dass es den anderen auch so geht. Viele aus dem Verein kenne ich seit der Kindheit. Wir gehen unseren Weg gemeinsam und natürlich bekommt man dann auch Unterstützung, wenn es einmal nicht ganz rund läuft. Zudem gefällt mir unsere Generationsvielfalt. Da können wir Jungen gut vom Wissen der Älteren profitieren und die Jüngeren bringen sich mit neuen Ideen ein. Dass auch Mädchen und Frauen trommeln, ist für mich selbstverständlich. Dies wurde mir in der eigenen Familie ja vorgelebt.»
Wettkampfziele
Die Ryburger Tambouren können viele Erfolge vorweisen. «Wir sind ehrgeizig, aber auch gut. Als ich Jungtambour war, haben wir fast jedes Tambourenfest gewonnen. Vor ein paar Jahren gab es einen Umbruch hier im Verein. Wir Jüngere haben den Unterricht übernehmen dürfen und natürlich braucht es dann seine Zeit, bis alle in der neuen Ausrichtung wieder im Einklang sind. Wir treten aber auch in grosse Fussstapfen. Bei uns lehrten Legenden, wie Stefan Freiermuth und Ivan Kym. Das sind herausragende Spieler und Komponisten, die in der ganzen Schweiz bekannt sind. Zum Glück können wir beide weiterhin um Rat fragen.»
«Wettkämpfe sind gut, aber eigentlich gefällt mir der Weg dorthin mit dem gemeinsamen Üben noch besser. Oft gehen wir dann raus in den Wald, denn unser Wald hier in Möhlin hat einen speziell guten Klangkörper und eine positive Ausstrahlung», so Robin Winkler. Auf die Vereinsziele angesprochen, antwortet der Tambour: «Für uns stehen jetzt am 18. und 19. September das Zentralschweizer Jungtambouren- und Pfeiferfest in Biberist an. Bei den Tambouren gibt es drei Sektionen: in der Sektion S1 trommeln die ältesten der Jungtambouren, in der S2 die mit dem mittleren Können und in S3 die Anfänger. Wir werden in Biberist in jeder Sektion vertreten sein. Im nächsten Jahr steht für die Erwachsenen das Eidgenössische Tambourenund Pfeiferfest in Visp an, bei dem wir gerne auf dem Podest stehen würden.»
Gemeinsamer Fasnachtsvirus
Bei so viel Trommelleidenschaft stellt sich die Frage, ob es für das ganz persönliche Glück eine Trommelspielerin braucht. Robin Winkler schmunzelt und antwortet: «Meine Verlobte spielt in der Guggemusik. Sie trommelt zwar nicht, aber mit dem Fasnachtsvirus ist sie auch infiziert. Für meine Trommelleidenschaft und die viele Zeit, die ich dafür investiere, hat sie zum Glück Verständnis.»

