«Das Theaterspielen habe ich wohl im Blut»
23.02.2026 PersönlichOb als Marietta in «s Loch i dr Wand» oder zuletzt als Lousie von Stetten in «d`Gedächtnislücke», Esther Ammann spielt überzeugend ihre Rollen, führt seit 1983 immer wieder beim Theaterverein Stein die Regie und war lange auch für die Maske ...
Ob als Marietta in «s Loch i dr Wand» oder zuletzt als Lousie von Stetten in «d`Gedächtnislücke», Esther Ammann spielt überzeugend ihre Rollen, führt seit 1983 immer wieder beim Theaterverein Stein die Regie und war lange auch für die Maske zuständig. Seit der Kindheit ist ihr Leben mit der Bühne verbunden.
Petra Schumacher
Esther Ammann, Jahrgang 1952, ist hier im Aargau, in Oberentfelden, aufgewachsen. Schon als Kind hat sie auf der Bühne gestanden. «Der Grossvater und meine Mutter haben Theater gespielt und der Vater hat Regie geführt», erzählt Esther Ammann. «Meine erste Rolle hatte ich mit fünf Jahren». 1977 zügelt die Familie nach Stein und kurze Zeit später engagiert sich der Vater auch hier fürs Theaterspielen. Im Saal der der Reformierten Kirche wurden die ersten Stücke aufgeführt und Diskussionen für die Gründung eines Theatervereins geführt. «Massgeblich Hans Jörg Güntert hatte die Idee für den Theaterverein und fand in meinem Vater einen Unterstützer», weiss Esther Ammann zu berichten. 1983 war es dann so weit, der Theaterverein Stein wurde gegründet. Die Auf führungen fanden ab da im Saalbau in Stein statt.
Spielfreudiger Theaterverein
Auftakt für die inzwischen 41 Aufführungen war das Mundartstück «Erna vom Goldingerhof». Medienberichte aus der damaligen Zeit belegen, dass es durchweg gute Kritiken für die erste Aufführung gab. Im zweiten Jahr stand «Die verlorene Johr» auf dem Programm. Für diese Aufführung brauchte es die grosse Bühne, denn der Fünfakter wurde von 26 Darstellern vor fünf verschiedenen Bühnenbildern gespielt. «Unglaublich, was wir damals geleistet haben», sagt Esther Ammann rückblickend.
«Die Organisation der Proben, das Beschaffen der Kostüme, der Bau der Bühnenbilder und all das, was hinter der Bühne laufen musste, das war eine Herkulesaufgabe und ich frage mich wirklich, wie wir das überhaupt schaffen konnten.»
Die Leidenschaft fürs Theaterspielen
Esther Ammann führt von Anfang an die Regie. Mit kurzen Unterbrechungen lassen sich 30 Stücke zählen, für die sie als Regisseurin bisher federführend war. In den ersten Jahren war sie auch für die Maske zuständig. Zudem hat sie viele Jahre auch selbst gespielt. «Zur Regie bin ich durch den Vater gekommen, meine Leidenschaft gehört aber eigentlich dem Theaterspielen», erklärt Esther Ammann. Wer die Regisseurin 1994 in «s Loch in der Wand» als Marietta, einer Dame aus dem Liebesgewerbe, erlebt hat, weiss sofort, was Esther Ammann mit Leidenschaft fürs Spielen meint. Im aktuell gezeigten Stück «d Gedächtnislücke» spielt sie nach längerer Pause wieder und konnte zeigen, dass die Spielfreude noch immer vorhanden ist. Regieführen und auch das Schminken sind anspruchsvolle Aufgaben. Dafür braucht es natürlich Rüstzeug. Esther Ammann hat eine Ausbildung als Maskenbildnerin absolviert und verschiedene Kurse für die Theaterregie besucht. «Die Kurse haben mich in meiner Arbeit bestätigt und mir gezeigt, dass ich eigentlich schon von Anfang an den richtigen Weg gegangen bin. Ich glaube, ich habe das Theaterspielen einfach im Blut.» Regieführen ist harte Arbeit, weiss Esther Ammann zu berichten und eine zeitintensive noch dazu. Ganz am Anfang muss natürlich das neue Theaterstück gefunden werden. «Wenn ich beim Lesen von einem Stück das Lachen bekomme und mir noch dazu bildlich vorstellen kann, was auf der Bühne passiert, dann spüre ich, dass die Geschichte passt.» Meist weiss die Regisseurin auch ziemlich gleich, wie sie die Rollen besetzen möchte. Für Neubesetzungen werden kleine Castings durchgeführt, um die passenden Spieler zu finden. «Die Proben sind zeitintensiv», erklärt die Regisseurin. «Dabei ist die Textsicherheit das A und O. Erst wenn der Text richtig sitzt, können wir anfangen, am Stück zu schaffen.
Viel Aufwand
Die Arbeit am Laientheater ist sehr aufwändig, denn Atemtechnik, Mimik, Gestik und Einsatz der Stimme, all das hat ja niemand von den Darstellern gelernt. Wenn jemand in seiner Rolle traurig und in sich gekehrt ist, muss das trotzdem in einer gewissen Lautstärke und mit der passenden Körpersprache dargestellt werden. Das Theater hat seine eigene Sprache und das muss ich den Spielern vermitteln.»
Die Chemie muss stimmen
Beim Theaterspielen können die Menschen andere Seiten von sich entdecken, weiss Esther Ammann. «Ich habe Spieler erlebt, die im Alltag recht verhalten sind und eher leise auftreten. Auf der Bühne, in ihrer Rolle, haben sie sich dann getraut, auch ihre laute und bestimmende Seite zu zeigen. Meine Aufgabe ist es, genau das aus den Spielern herauszuholen.»
Aber gute Spielerinnen und Spieler allein machen aber noch keine gute Aufführung aus. Erst wenn das Zusammenspiel funktioniert, wenn das Spielerensemble als Einheit erlebt wird, feiert eine Aufführung Erfolge. «Wenn die Chemie zwischen den Spielern stimmt, entwickelt sich eine Energie, die beim Publikum ankommt, das spürt man dann beim Applaus», erklärt Esther Ammann. «Jeder Spieler muss seine Rolle ausfüllen, aber auch in seiner Rolle bleiben. Es funktioniert nicht, wenn Spieler ihre Rolle neu erfinden.»
Aktuell überlegt Esther Ammann, ob sie weiterhin die Kraft fürs Regieführen hat und die viele Zeit für die Proben aufbringen möchte. Gleichzeitig erlebt man eine Frau, deren Leidenschaft fürs Theater bei jedem Wort spürbar ist.

