Begonnen hat es als Spielerei, mittlerweile ist es eine liebgewordene Tätigkeit: Seit über 40 Jahren zeichnet und malt Viktor Hottinger jeden Tag ein Tagebuchblatt. Es sind schon deutlich über 14 000. In der Johanniterkapelle ist derzeit eine Auswahl zu sehen.
Valentin ...
Begonnen hat es als Spielerei, mittlerweile ist es eine liebgewordene Tätigkeit: Seit über 40 Jahren zeichnet und malt Viktor Hottinger jeden Tag ein Tagebuchblatt. Es sind schon deutlich über 14 000. In der Johanniterkapelle ist derzeit eine Auswahl zu sehen.
Valentin Zumsteg
Nein, damit hätte er zu Beginn nie gerechnet. Es war auch nicht so geplant. Doch seit über 40 Jahren malt und zeichnet Viktor Hottinger täglich ein Tagebuchblatt – und die Ideen gehen ihm nicht aus. «Das Tagebuch hat ein Eigenleben entwickelt», erklärt Hottinger, der am kommenden Sonntag 80 Jahre alt wird. Bekannt ist der Rheinfelder für seine Landschaftsmalerei. «Das betreibe ich mit Ernsthaftigkeit. Das Tagebuch läuft einfach so nebenher. Es ist eine Spielerei und mittlerweile eine liebgewordene Tätigkeit, die zu meinem Tagesablauf gehört», erzählt der Künstler.
Lachen ist ein häufiges Geräusch
Begonnen hat er damit 1984. Hottinger nahm sich nach einem Gespräch mit einem Künstlerkollegen vor, an jedem Tag dieses Jahres ein Tagebuchblatt zu schaffen. Als die zwölf Monate vorüber waren, machte er einfach weiter. Fortan ist täglich ein neues Blatt dazugekommen. «Zwar habe ich mich gegen Ende des Jahres jeweils gefragt, ob ich weiterfahren oder aufhören soll. Nach ein paar Jahren ist diese Frage aber nicht mehr aufgetaucht.»
Mittlerweile sind vier Jahrzehnte verstrichen und Blatt folgte auf Blatt. In der Zwischenzeit sind es schon über 14 750. Eine Auswahl davon ist noch bis am 30. Juni in der Rheinfelder Johanniterkapelle zu sehen. Was beim Besuch in der Ausstellung auffällt: Lachen ist ein häufiges Geräusch. Die Bilder bereiten Freude und machen die Leute fröhlich: Da lungert die «Eidechse» mit grossem Ei und dort stehen die «Pyramüden» mit hängenden Spitzen. Viktor Hottinger, der früher in der Werbung gearbeitet hat, liebt die Wortspielereien. Bei ihm gibt es einen «Rechtsund Linksanwalt», einen «Kussknacker» und einen verdreckten Kotflügel, auf dem kein Pianist mehr spielen will.
Jeder Tag bringt etwas Neues
«Die Tagebuchblätter geben mir viel Freiheit. Ich kann alles zeichnen und malen, was ich will – an einem Tag eine Kirche, am anderen einen Teufel.» Wenn er morgens noch keine Eingebung hat, bleibt er gelassen und vertraut darauf, dass sich im Laufe des Tages etwas ergeben wird. «Wenn ich dann eine Idee habe, muss ich das Bild in meinem Kopf vor mir sehen, dann kann ich es malen. Manchmal ist das mittags und manchmal erst um 23.30 Uhr.»
40 Jahre sind eine lange Zeit. Hört er jetzt auf, hat er genug vom täglichen Tagebuchblatt? Die Antwort kommt zügig, Hottinger muss nicht lange überlegen: «Ich mache einfach weiter. Für die nächsten drei bis vier Jahre habe ich sicher noch Material und Ordner.» Ausstellung von Viktor Hottinger: «40 Jahre Tagebuch». Bis am 30. Juni in der Rheinfelder Johanniterkapelle. Jeweils freitags von 18 bis 21 Uhr sowie samstags/sonntags von 11 bis 18 Uhr. Matinées: Sonntag, 9. Juni, 11 Uhr. New Orleans Jazz mit «Sons of Gumbo». Sonntag, 16. Juni, 11 Uhr, Pedro Lenz erzählt. Mit Musik von Rolf Meier & Laurent Charles. Sonntag, 23. Juni, 11 Uhr, Clara Moreau, Chanteuse/Accordéoniste. Finissage: Sonntag, 30. Juni, 11 Uhr: N’awlins Five (New Orleans Jazz).