«Das Problem der Finanzierung bleibt ungelöst»
15.09.2026 BrennpunktSeit August werden im Aargau sogenannte «regionale Förderklassen plus» geführt. Die Fricktaler Grossrätin Carole Binder-Meury hat in einem Vorstoss kritisiert, dass die Gemeinden die Transportkosten ihrer Schüler übernehmen müssen. Mit der Antwort aus Aarau ist sie nur teilweise zufrieden.
Valentin Zumsteg
«Es kann nicht sein, dass man ein System aufbaut und die Finanzierung – insbesondere für die Gemeinden – erst Jahre später regelt», sagt Carole Binder-Meury. Die Magdener SP-Grossrätin ist nicht zufrieden mit dem Vorgehen des Kantons Aargau. Dieser hat auf das neue Schuljahr 2026/2027 sogenannte «regionale Förderklassen plus» für Kinder mit besonderen Bildungsbedürfnissen eingeführt. Im Fricktal gibt es bislang nur eine, diese ist in Stein angesiedelt. Das Problem für die anderen Gemeinden: Wenn sie Schülerinnen und Schüler in diese Förderklasse schicken, müssen sie die Transportkosten vollumfänglich selbst berappen. Das kann sich pro Kind auf bis zu 20 000 Franken pro Jahr summieren.
«Zu wenig Sonderschulplätze»
Im Juni hat Carole Binder-Meury deswegen eine Interpellation eingereicht, um auf das Problem aufmerksam zu machen und von der Regierung Antworten zu erhalten (die NFZ berichtete). «Die Kostentragung durch die Gemeinden für Transportleistungen im Zusammenhang mit dem Besuch regional organisierter Förderklassen plus an der Regelschule ergibt sich aus der geltenden Aufgaben- und Kostenteilung zwischen Kanton und Gemeinden», heisst es aus Aarau.
Das sieht Carole Binder-Meury komplett anders: «Wenn bei Kindern, die ausgewiesenen Sonderschulbedarf haben, der Kanton keinen Platz anbieten kann, hat das aus meiner Sicht nicht viel mit Solidarität, sondern mit Kostenverschiebung auf die Gemeinden zu tun.» Für sie ist klar, dass der Kanton aktuell deutlich zu wenig Sonderschulplätze anbietet. «Das Kind hat einerseits nicht die Förderung, die ihm zustehen würde, und der Kanton kann sich somit zumindest zum Teil aus der finanziellen Verantwortung ziehen.» Es sei auch nicht gegeben, dass ein Kind mit Sonderschulbedarf an einer «Förderklasse plus» adäquat gefördert werden kann. «Da treffen Kinder mit verschiedensten Problemen aufeinander, während im Setting der Sonderschule die Schülerinnen und Schüler gezielter gefördert werden können.»
«Unterschiedliche Finanzierungslogiken»
Die Regierung ist sich bewusst, dass die aktuellen Rechtsgrundlagen noch nicht optimal auf eine langfristige Verankerung von «Förderklassen plus» im Regelschulsystem ausgerichtet sind. «Insbesondere die unterschiedlichen Finanzierungslogiken zeigen Zielkonf likte auf», heisst es in der Antwort auf den Vorstoss von Binder-Meury. Deswegen sollen in den kommenden Jahren Anpassungen an der Finanzierung und Ressourcierung von Sonderschulleistungen erarbeitet werden. Doch das dauert: «Es ist geplant, diese Anpassungen mittels eines Berichts im ersten Halbjahr 2029 dem Grossen Rat zur Diskussion zu unterbreiten.» Das geht aus Sicht von Carole Binder-Meury zwar in die richtige Richtung, aber viel zu langsam: «Das Problem der Finanzierung der Transportkosten bleibt bis auf weiteres ungelöst.»
Grundsätzlich wünscht sich die Grossrätin eine Stärkung der Regelschule mit mehr Ressourcen, kleineren Klassen und zusätzlicher Heilpädagogik. Diese brauche es, um das grosse Problem der fehlenden Sonderschulplätze zu lösen.

