«Das Milizsystem ist Kern unseres Staatsverständnisses»
12.05.2026 MöhlinAuf der Gemeinschaftsschiessanlage Röti in Möhlin wurde am Donnerstag das Feldschiessen 2026 für den Kanton Aargau eröffnet. Redner waren die Rheinfelder Stadtpräsidentin Claudia Rohrer, Regierungsrat Jean-Pierre Gallati und Divisionär Alexander Kohli.
Boris ...
Auf der Gemeinschaftsschiessanlage Röti in Möhlin wurde am Donnerstag das Feldschiessen 2026 für den Kanton Aargau eröffnet. Redner waren die Rheinfelder Stadtpräsidentin Claudia Rohrer, Regierungsrat Jean-Pierre Gallati und Divisionär Alexander Kohli.
Boris Burkhardt
Alexander Kohli nahm kein Blatt vor den Mund: «Es ist ein Krieg gegen unsere Werte wie Demokratie, Freiheit und Frieden und ein aggressiver Versuch, die Stärke des Rechts durch das Recht des Stärkeren zu ersetzen.» Der Kommandant der Territorialdivision 2 der Schweizer Armee sprach als Gast bei der kantonalen Eröffnungsveranstaltung des diesjährigen Feldschiessens in der Gemeinschaftsschiessanlage (GSA) Röti in Möhlin. Der Aargauer Schiesssportverband AGSV hatte Vertreter aus Politik, Armee, Polizei und Schützenvereinen eingeladen.
Die «Bilder der unerbittlichen Gewalt und des unsäglichen Elends» aus der Ukraine und aus dem Nahen Osten setzten sich nicht nur in den Köpfen der Schweizer fest, fuhr Kohli fort und bestand darauf, dass sich die Sicherheitslage in der Schweiz in den vergangenen Jahren verschlechtert habe und Angriffe bereits jetzt eine grosse Herausforderung für die Sicherheitsarchitektur seien. Allein 2025 seien 264 Cyberangriffe auf die kritische Infrastruktur der Schweiz verübt worden.
«Die Armee ist nicht verteidigungsfähig»
Regierungsrat Jean-Pierre Gallati (SVP), zuständig unter anderem für Militär und Bevölkerungsschutz und selbst Major im Armeestab, wurde noch deutlicher: «Die Armee ist nicht verteidigungsfähig.» Es fehle allein an Munition: «Es reicht gerade fürs obligatorische Feldschiessen.» Die Schweiz sei einerseits wegen ihrer Neutralität militärisch isoliert, andererseits wegen ihrer zentralen Funktion beim Verkehr, bei der Energie und Technologie ein interessantes Ziel.
Ein Angriff auf die Infrastruktur wie das Technologiezentrum Flexbase in Laufenburg sei deshalb nicht nur ein Angriff auf die Schweiz, sondern ebenso auf die EU und die NATO. «Die Schweiz ist ein fahrlässiges Sicherheitsrisiko für Europa», äusserte Gallati seinen Frust über die aktuelle Sicherheitspolitik. Hoffnung gebe ihm aber, «dass nicht alles abhängt von Spitzenpolitikern und -militärs: Wir sind immer noch eine Milizarmee.» Das Milizsystem sei «Kern unseres Staatsverständnisses»: Das gelte neben der Armee ebenso für Politik, Vereine, Feuerwehr und Zivilschutz. Das Milizsystem schaffe Zusammenhalt und verbinde Regionen, Berufe und Meinungen.
Verantwortungsbewusstsein, Disziplin und Gemeinschaftssinn
Auch Kohli dankte den Schützen «im Namen der Schweizer Armee für Ihr ausserordentliches Engagement». Sie stünden ein für die Werte Demokratie, gegenseitigen Respekt, persönliche Freiheit und Frieden: «Seit Generationen steht das Schiesswesen in der Schweiz für Verantwortungsbewusstsein, Disziplin und Gemeinschaftssinn.» Als Bürger in Uniform erfülle es ihn mit Stolz, «mit welcher Professionalität, Präzision und Leidenschaft Sie Ihrem Sport nachgehen und so einen wichtigen Beitrag zu unserer Wehrbereitschaft leisten».
Zwischen den gestandenen Militärs wirkte Rheinfeldens Stadtpräsidentin Claudia Rohrer zunächst etwas verloren: Sie vertrat die vier Nutzergemeinden der GSA Rheinfelden, Möhlin, Wallbach und Zeiningen. Sie selbst habe keinen direkten Bezug zum Schützensport, gab sie gleich zu; die Einführung in das Schiessen mit dem Gewehr auf 300 Meter und mit der Pistole auf 25 Meter am Nachmittag als Auftakt der Veranstaltung habe ihr aber bestätigt, dass sich die Sportschützen «für den verantwortungsvollen und sicheren Umgang mit diesen Sportgeräten aktiv einsetzen». Präzision, Vertrauen und Konzentration seien Werte, die die Schützen vom Schiessstand in die Gesellschaft hinaustrügen, besonders beim «weltgrössten Schützenfest» mit 13 000 Teilnehmenden.
Die GSA Röti wird gemeinsam vom Schützenverein Rheinfelden, den Pistolenschützen Möhlin, dem Schützenbund Wallbach und dem Schützenverein Zeiningen genutzt. AGSV-Präsident Peter Gautschi hatte zur Begrüssung betont, dass die GSA eine der wichtigsten Anlage im Aargau sei. Er hatte Gallati als «obersten Schützen» des Kantons begrüsst, was dieser nur für den militärischen Teil akzeptierte: Zuständig für den sportlichen Teil sei das Bildungsdepartement.
Am Schluss seiner Rede tat Jean-Pierre Gallati das, wozu er laut eigener Aussage eigentlich gekommen war: Er eröffnete offiziell das Feldschiessen 2026.


