«Das Menschliche ist die Basis»
24.10.2026 PersönlichMenschen im Zentrum einer anspruchsvollen Aufgabe: Das macht für Anja Bandi einen wichtigen Teil ihrer Arbeit als Geschäftsführerin des Gemeindeverbandes Bezirk Laufenburg aus. Verantwortung, Entscheidungen treffen und auch neue Wege beschreiten, gehören für die Frickerin selbstredend ...
Menschen im Zentrum einer anspruchsvollen Aufgabe: Das macht für Anja Bandi einen wichtigen Teil ihrer Arbeit als Geschäftsführerin des Gemeindeverbandes Bezirk Laufenburg aus. Verantwortung, Entscheidungen treffen und auch neue Wege beschreiten, gehören für die Frickerin selbstredend dazu.
Susanne Hörth
«Bedingt», sagt Anja Bandi auf die Frage, ob sie sich bewusst gewesen sei, was mit ihrer neuen Aufgabe als Geschäftsführerin des Gemeindeverbandes des Bezirks Laufenburg alles auf sie zukommt. Sie sagt es mit offenem Lachen und entwaffnender Ehrlichkeit. Als Kompetenzzentrum unter einem Dach im Hinteren Wasen in Laufenburg organisiert, verantwortet der Gemeindeverband im Auftrag von 17 Gemeinden im oberen Fricktal die vier Bereiche Berufsbeistandschaft, Jugend- und Familienberatung, Logopädie sowie Mütter- und Väterberatung. Wie vielfältig und anspruchsvoll diese Aufgaben sind, zeigte sich unter anderem an der Abgeordnetenversammlung im August: stetig zunehmende Mandatszahlen, steigende Kosten und Engpässe bei den personellen Ressourcen sind nur einige der Herausforderungen. Bei allen Zahlen geht es jedoch stets um Menschen. Und genau sie stehen für Anja Bandi im Zentrum. Sie ist sich ihrer Führungsaufgabe bewusst, kann und will Entscheidungen treffen und beruft sich zugleich auf das Menschliche. «Ohne das geht es nicht. Es ist die Basis. In all den Dingen, die ich bei all meinen bisherigen beruflichen Aufgaben erfahren durfte, waren es immer auch die Menschen, mit denen ich gemeinsam etwas weiterentwickeln und erreichen konnte.» Den Rahmen abstecken und im Team die nächsten Schritte erarbeiten zu können, diese Aufgabe stellt sie sich mit grosser Begeisterung und lässt sich dabei auch nicht von scheinbar unüberwindlichen Hürden ausbremsen.
Ein breiter beruflicher Erfahrungsschatz
Bevor sie im Januar beim Gemeindeverband die Nachfolge von Adrian Brogle antrat, der dort als erster Geschäftsführer tätig gewesen war, trug Anja Bandi die Gesamtverantwortung für das Bestattungswesen der Stadtgärtnerei Basel mit den beiden Friedhöfen Wolfgottesacker und Hörnli und dem Krematorium. Ihre beruflichen Wurzeln liegen auf der Gemeindeverwaltung. Im Fricktal arbeitete sie als Verwaltungsangestellte in Magden und später als Gemeindeschreiberin in Wittnau und Münchwilen. Danach war sie fünf Jahre lang Teamleiterin Recht bei der Arbeitslosenversicherung des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Aargau.
Dass sie von ihren bisherigen auch bei neuen Funktionen stets profitieren konnte, bejaht Anja Bandi ohne Zögern. Dazu beigetragen haben nicht nur die unterschiedlichen beruflichen Stationen, sondern auch regelmässige Weiterbildungen. Als alleinerziehende Mutter einer Tochter wurde sie schon in sehr jungen Jahren mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Diese persönlichen Erfahrungen hätten ihr im beruflichen Alltag ebenfalls immer wieder geholfen, etwas aus verschiedenen Sichtwinkeln angehen zu können.
Offenheit als Stärke
Aktuell absolviert sie die dreijährige Ausbildung in Transaktionsanalyse. In ihrer Vorstellung beim Gemeindeverband Bezirk Laufenburg beschrieb sie diese Weiterbildung als Möglichkeit, Kommunikation, Verhalten und Beziehungen bewusster wahrzunehmen. Für Anja Bandi ist die Ausbildung deshalb nicht nur persönliche Weiterbildung, sondern auch ein Werkzeug für ihre Führungsaufgabe: Sie hilft, Situationen besser einzuordnen, Gespräche klarer zu führen und in anspruchsvollen Momenten handlungsfähig zu bleiben.
Offenheit zählt für sie ebenso zu einer wichtigen Voraussetzung in einer Führungsposition. Dazu passen auch ihre nächsten Worte, sich selbst betreffend. «Es war eine Riesenerleichterung für mich. Endlich wusste ich, woran es liegt. Ich kann es annehmen und ganz bewusst damit umgehen.» Was sie so offen und mit grosser Überzeugung erzählt, ist die ADHS-Diagnose, die sie vor rund einem halben Jahr erhalten hat. Für sie ist diese Erkenntnis kein Makel, sondern eine Erklärung – und zugleich ein weiterer Baustein für das ihr so wichtige vernetzte Denken.
Ankommen, führen und gemeinsam lernen
«Ich bin mit offenen Armen empfangen worden, sowohl von den Mitarbeitenden wie auch vom Vorstand», blickt die 53-jährige Frickerin auf ihren Start vor zehn Monaten zurück. Aus ihren bisherigen beruflichen Tätigkeiten weiss Anja Bandi, dass auch beim Gemeindeverband Bezirk Laufenburg der Blick neben den Tagesaktualitäten immer auch nach vorne gerichtet sein muss. «Learning by doing» ist für sie ebenso wichtig wie das Miteinander und die Begegnung auf Augenhöhe im Team. Was sie nicht mag, ist endloses Diskutieren. «Damit kommen wir nirgends hin. Es dürfen auch mal Fehlentscheidungen getroffen werden. Wichtig ist, daraus lernen zu können.»
Als Geschäftsführerin des Gemeindeverbandes hat sie zwischenzeitlich viele Einblicke erhalten und erfährt dabei immer wieder, dass wer in den verschiedenen Bereichen des Gemeindeverbandes arbeitet, nicht selten mit Menschen in Ausnahmesituationen konfrontiert wird. Eine grosse Herausforderung, die bis zu Belastungen in den Teams führen kann. Hier setzt Anja Bandi unter anderem auf externe Supervision. «Damit die Mitarbeitenden gesund bleiben und wir uns gemeinsam weiterentwickeln können.»
Spricht Anja Bandi von ihrer Arbeit, sind trotz oder vielleicht gerade wegen der ständigen Herausforderungen die Begeisterung, die Energie und die Freude sehr gross. «Je mehr ich in diese Aufgabe hineinwachse, desto mehr spüre ich, dass es hier für mich einfach stimmt.»

