Das Meer und die Rheinbrücke - 20 Jahre Hochrheinbrücke Laufenburg
30.11.2024 LaufenburgDie Laufenburger Hochrheinbrücke, welche seit 2004 das schweizerische und deutsche Laufenburg verbindet, sorgte während ihrer Bauzeit europaweit für Schlagzeilen. Grund dafür waren unterschiedliche Messungen des Meeresspiegels. Das war zwar bekannt, wurde aber in die falsche ...
Die Laufenburger Hochrheinbrücke, welche seit 2004 das schweizerische und deutsche Laufenburg verbindet, sorgte während ihrer Bauzeit europaweit für Schlagzeilen. Grund dafür waren unterschiedliche Messungen des Meeresspiegels. Das war zwar bekannt, wurde aber in die falsche Richtung korrigiert.
Rudolf Lüscher*
Am 17. Dezember 2004 wurde mit einem grossen Festakt die Hochrheinbrücke östlich von Laufenburg eingeweiht. Sie verbindet seither die Bundesstrasse B-34 auf deutscher Seite mit der Kantonsstrasse K-130 auf Schweizer Seite. Mit der Verkehrsfreigabe der neuen Brücke wurde die bestehende Rheinbrücke in der Altstadt Laufenburg für den motorisierten Individualverkehr definitiv geschlossen und in den Strassen das Regime der Begegnungszone eingeführt. Von einer Stunde auf die andere wurden die beiden Altstädte mit ihren engen Gassen vom Durchgangsverkehr mit täglich über 5000 Fahrzeugen befreit. Die neu gewonnene Lebensqualität wurde sogleich mit der ersten Altstadt-Weihnacht als vorweihnächtliches Begegnungsfest und mit dem Weihnachtsmarkt gefeiert. Die Beleuchtung unter den zwei Brückenbogen wurde erstmals eingeschaltet und unterstreicht seither das malerische Ambiente im Herzen der Altstadt.
Der Blick in die Planungszeit
Es brauchte rund 30 Jahre Geduld und Beharrlichkeit, bis in Laufenburg eine zweite Brücke gebaut wurde. Bereits 1971 wurde in den Gemeinderäten ein Brückenprojekt inklusive Standort diskutiert. 1979 folgte die konkrete Bitte – bei Laufenburg eine nächste, neue Brücke zu bauen – an den Kanton Aargau und an das Land Baden-Württemberg. Es geschah auch mit dem Verweis auf die Fridolinsbrücke zwischen Bad Säckingen und Stein, die im selben Jahr eröffnet wurde.
Schub bekam das Laufenburger Anliegen als Alfred Kuratle, der ehemalige Grossrat und Stadtammann, in dieser Sache 1987 ein Postulat beim Grossen Rat des Kantons einreichte. Der Verkehr durch die Altstädte habe ein Ausmass angenommen, welches nicht mehr hingenommen werden könne. Beide Laufenburg hätten in den vergangenen Jahren grosse öffentliche und private Mittel für die Erhaltung der Altstädte eingesetzt und würden dies auch weiterhin tun. Eine Verkehrsentlastung sei deshalb dringend notwendig. 1985 wurde Laufenburg vom Schweizer Heimatschutz für die Verdienste um die schöne Altstadt mit dem Wakkerpreis ausgezeichnet.
Endlich: 2002 war Spatenstich
Nach dem erfolgreichen Überspringen verschiedener Hürden im Planungsprozess auf deutscher und auf Schweizer Seite, erfolgte 2002 der Spatenstich. Nach gut zweijähriger Bauzeit war die elegante, gut in die Landschaft eingeordnete, dreifeldrige Spannbetonbrücke mit einer Länge von 225 Metern fertiggestellt. Die beiden Brückenpfeiler mit Kanzeln auf beiden Seiten sind auf dem Laufenburger Gneis abgestellt. Die Breite des Rheins beträgt am Standort der Brücke etwa 160 Meter. Jedoch nicht all diese Masse, sondern 54 Zentimeter machten die Brücke europaweit berühmt.
Der Meeresspiegel und die Rheinbrücke
Der unterschiedliche Höhenbezug von Deutschland (Nordsee) und der Schweiz (Mittelmeer) war den Planern der Brücke bekannt. Auf der Schweizer Seite hätte man zum Ausgleich das Niveau um 27 Zentimeter anheben müssen. Stattdessen wurde es um 27 Zentimeter gesenkt. Durch die Korrektur in die falsche Richtung wurde die Brücke 54 Zentimeter zu tief gebaut. Zum Ausgleich musste der Strassenanschluss auf der deutschen Seite tiefer gelegt werden. Der während der Bauzeit der Brücke festgestellte Fehler führte zu hoher Medienpräsenz bis hinauf an die Nordsee und floss grenzüberschreitend in die Fasnacht ein.
So kürzte ein Narr seine Obstleiter um 54 Zentimeter und überreichte das Stück dem Laufenburger Stadtammann, um damit die Höhendifferenz nach Deutschland zu überwinden. Die Panne bei der Rheinbrücke gehört noch heute zu den mit einem Schmunzeln stets weiter erzählten Brückengeschichten.
Brückenkunst
Die von Erwin Rehmann geschaffenen und zusammen mit Daniel Waldner ausgearbeiteten Brückenskulpturen aus Chrom-Nickelstahl auf Schweizer Seite symbolisieren die Verbindungen von Mensch zu Mensch. Die offenen Kugelkompositionen weisen im Zusammenhang mit der Überquerung der Brücke darauf hin, offen aufeinander zuzugehen. Bei der Eröffnung erklärte Erwin Rehmann seine Gedanken mit den Worten: «Die Menschen müssen sich aus ihren festen Bindungen öffnen, sich auftun, dann gibt es neue Verbindungen.» Mit der Skulptur zeigt Rehmann auch ein Zusammenführen der beiden Regionen am Hochrhein, die über viele Jahrhunderte eine gemeinsame Geschichte hatten.
Entlang des Schweizer Rheinufers sind mit dem Bau der Brücke neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen entstanden. Diese reichen östlich der Brücke bis zum Naturschutzgebiet von Rheinsulz. Für die Renaturierung der seit dem Bau des Kraftwerks kanalisierten Uferzone wurden 0,7 Millionen ausgegeben. Entsprechende Massnahmen auch auf deutscher Seite fördern die Biodiversität über den Rhein hinweg.
Mehrwert für Laufenburg
An den Bau der Brücke wurden hohe Erwartungen gestellt. Es gab Initiativen und Studien zur Revitalisierung der Altstadt. Heute kann man sich den täglichen, stockenden Verkehrsfluss durch die Altstadtgassen kaum mehr vorstellen. Die neue Brücke ist seit 20 Jahren ein klarer Mehrwert für Laufenburg. Profitiert hat die Altstadt mit ihren Bewohnern und Liegenschaftseigentümern. Tourismus- und Kulturangebote konnten sich weiter entfalten. Mit der neuen Brücke konnte die Laufenburger Acht entstehen. Die Laufenbrücke ist vom Durchgangsort zum Begegnungsort geworden. Sehr viele Altstadtliegenschaften in privater und öffentlicher Hand wurden saniert und ausgebaut. Dazu gehören auch die laufende Erneuerung der Werkleitungen und die Anpassung der Oberflächen. Es gibt neue Nutzungen von Gewerberäumen. Schwer tut sich auf Schweizer Seite die Gastronomie und führt wohl das Sorgenbarometer an. Lichtblicke und Optimismus sind wichtig, damit es auch hier wieder Frühling wird.
Die Hochrheinbrücke bringt grosse Vorteile für Pendler. Vom idealen Standort profitiert Laufenburg (Baden) mit einem anhaltenden Ausbau der Angebote im Laufenpark und Umgebung für den Einkauf und die Verpflegung. Das Verkehrsaufkommen ist seit der Eröffnung der Brücke kontinuierlich gestiegen und führt zu Stausituationen. Die Brücken gehören zu Laufenburg und es gilt der alte Spruch beidseits des Rheins auch für die Zukunft. «Brugge sind do zum drübergoh.»
* Laufenburger Stadtammann von 1994 bis 2013